Mit Schnecken den Markt erobert

Reiner Glass ist mit seiner Schnecken-Ausbeute trotz Trockenheit zufrieden. Per Gartenschlauch macht er es seiner Aspersia und Helix Pomatia angenehm feucht. Russew
Reiner Glass ist mit seiner Schnecken-Ausbeute trotz Trockenheit zufrieden. Per Gartenschlauch macht er es seiner Aspersia und Helix Pomatia angenehm feucht. Russew

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16. Juli 2010, 01:57 Uhr

Gransee | Schnecken sind für viele Landwirte und Hobbygärtner ein rotes Tuch, weil diese ihnen ihre Ernte vermiesen können. Anders sehen dies Franzosen und Italiener. Bei ihnen landet vor allem die Helix Pomatia, zu Deutsch: Weinbergschnecke, im Kochtopf. In unseren Breitengraden ist dieser kulinarische Trend weniger verbreitet. Darum gibt es auch nur wenige Profis, die die Schneckenzucht gewerbsmäßig betreiben. Reiner Glass aus Gransee (Oberhavel) ist einer der wenigen in Brandenburg, die sich professionell mit der Produktion von Weinberg- und Aspersia-Schnecken beschäftigen.

Auf einem Hektar Wiese am Stadtrand von Gransee zieht er aktuell 40 000 Tiere heran. In vier Wochen wird geerntet. Probleme mit Hitze und Trockenheit habe Glass nicht, weil er immer gut bewässert. Eine hohe Rechnung für das kühle Nass muss der 41-Jährige aber nicht fürchten. "Man denkt ja mit. Ich habe mir vor Jahren einen eigenen Brunnen graben lassen. Jetzt bekomme ich aus 27 Metern Tiefe genügend Wasser für all meine Schnecken."

Vor fünf Jahren ist er per Zufall auf das Thema Weinbergschnecke gestoßen. "Ich fand diese Tiere schon immer recht spannend. Dass man damit in Deutschland richtig Geld verdienen kann, war mir damals aber neu", berichtet Glass. Er habe schnell via Internet Marktchancen und Haltungsbedingungen abgecheckt. Als sich dies sehr vielversprechend anhörte, hat er Kurse belegt und 2005 mit einer Handvoll Weinbergschnecken in Gransee angefangen.

Heute läuft sein Geschäft ganz gut. "Ich verkaufe meine Ernte vor allem in Stuttgart, Karlsruhe und Hamburg." Allerdings gebe es aber ein, zwei Probleme: Zum einen seien seine Kunden sehr weit weg, zum Verkauf müsse er immer weit fahren. Zum anderen sei die Nachzucht von Weinbergschnecken nicht gerade einfach, weil diese sehr viel Platz benötigen. "Auf einen Quadratmeter kann ich maximal 18 Helix Pomatia halten. Da ist der Ertrag natürlich sehr begrenzt." Darum experimentiert er seit diesem Jahr zusätzlich mit der Aspersia-Schnecke. "Hier sind 200 Tiere auf einem Quadratmeter möglich. Das lohnt sich schon mehr, zumal die Aspersia noch schneller heranwächst", sagte Reiner Glass. Für ein Kilo gekochtes Schneckenfleisch der Helix Pomatia oder Aspersia bekommt der Granseer auf dem Markt rund 60 Euro. Da macht es für den gelernten Zimmermann Sinn, noch mehr auf die Aspersia zu setzen. Eine Lizenz zum Gelddrucken ist die Schneckenzucht jedoch nicht, auch wenn Köche und Gourmets das Fleisch sehr schätzen, weil es äußerst schmackhaft und proteinreich ist. "Es gehört sehr viel Handarbeit zur Zucht."

So müssen die Wiesen im Frühjahr ordentlich vorbereitet werden. Danach müssen Jungschnecken gekauft und ausgesetzt werden. Zusätzlich muss bewässert und zugefüttert werden. Die Ernte erfolgt dann per Hand. "Und dann darf man nicht vergessen, dass alles marktfertig zu machen ist. Verkauft wird nur küchenfertig, als gekocht und ohne Schneckenhaus." Noch mehr würde Glass einnehmen, wenn er das Schneckenfleisch selbst weiterveredeln könnte. Ideen dafür hätte er parat: "So wäre das Schneckenfleisch sehr für Kraftsportler geeignet. Kein Fett, aber sehr viel Protein." Doch hierfür bleibe Reiner Glass keine Zeit. "Beides würde ich vom Arbeitsaufwand nicht schaffen." Balsam für ihn sei jedoch seine treue Slow-Food-Kundschaft. Zu Jahresbeginn habe er auf einer Stuttgarter Messe innerhalb weniger Stunden seine komplette Ladung verkauft. "Hier wird für gute Ware fair gezahlt. Der Arbeitsaufwand macht sich dann doch bezahlt", meint Glass.

Auch ein anderer Feinschmecker hat Schnecken für sich entdeckt - der Waschbär. "Mit Wildzäunen und Wellblechplatten versuche ich ihn von meiner Zuchtanlage wegzuhalten", so Glass. Bisher habe sich der 41-Jährige gegen den Räuber erfolgreich zur Wehr setzen können.

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