Lamahof im Dahme-Spreewald : Mit Lamas und Alpakas durch die Mark

Stephanie Winkler aus Berlin wartet hier darauf, dass es los geht. Sie nimmt an einer Wandertour mit Lamas und Alpakas vom Märkischen Lamahof von Anita Selig-Smith teil.
Stephanie Winkler aus Berlin wartet hier darauf, dass es los geht. Sie nimmt an einer Wandertour mit Lamas und Alpakas vom Märkischen Lamahof von Anita Selig-Smith teil.

Anita Selig-Smith hat ihr Herz vor 25 Jahren an die Kamelarten aus den Anden verloren. Auf ihrem Hof in Schenkendorf bietet sie Wanderungen mit den Tieren an.

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18. Dezember 2019, 05:00 Uhr

Um es gleich vorweg zu nehmen: Reiten können Menschen auf Lamas und Alpakas nicht, aber mit ihnen spazieren oder wandern gehen. Auf längeren Touren können die Tieren sogar das Reisegepäck tragen. Wer angesichts ihres dichten Fells und der ausdrucksstarken, großen Augen vor allem ans Kuscheln und Streicheln denkt, dem nimmt Anita Selig-Smith direkt den Wind aus den Segeln. „Lamas und Alpakas sind Distanztiere. Sie mögen es nicht, angefasst zu werden“, erzählt die 43-Jährige Besuchern ihres Märkischen Lamahofes in Schenkendorf, einem Ortsteil von Mittenwalde (Dahme-Spreewald).

Die gebürtige Chemnitzerin ging Mitte der 1990er Jahre auf ein amerikanisches College. „In der Nähe gab es eine Lamazuchtfarm, auf der ich half und mich in die Tiere verliebte“, erzählt die Züchterin, die direkt nach ihrer Rückkehr aus den USA ihr erstes Lama kaufte.

Inzwischen hat die studierte Umweltingenieurin Dutzende Tiere dieser Kamelart aus den Anden sowie Alpakas und bezeichnet ihre rund 50-köpfige Herde als die größte in Ostdeutschland. Vor mehr als zehn Jahren ist sie mit Mann und zwei Kindern aus Berlin nach Schenkendorf gezogen, um Platz für ihren Lamahof zu haben. Allein sechs Hektar Weideflächen gehören zum Anwesen.

Die Zucht und die Arbeit mit den Tieren ist für sie zum Vollzeitjob geworden. Einige ihrer vierbeinigen Schützlinge sind ausgebildete Therapiebegleittiere. Häufig ist Selig-Smith auch in Kinder- oder Senioreneinrichtungen zu Gast. „Sogar zu Hochzeiten werden wir gebucht“, erzählt sie schmunzelnd. Selig-Smit’ größte Leidenschaft sind jedoch die Wanderungen in die Umgebung des Sutschketals – von Zweistunden-Touren bis hin zu Ganztagsausflügen. „Die Tiere strahlen Ruhe und Gelassenheit aus. Die überträgt sich automatisch auf diejenigen, die unsere Lamas und Alpakas an der Leine führen“, erklärt die 43-Jährige. Susanne Kerstan, Tierärztin in Zeesen, kann das nur bestätigen. „Mit den Tieren zu laufen, ist ein ganz eigenes Erlebnis, fast wie eine Therapie. Sie laufen gleichmäßig und aufgrund ihrer Schwielensohlen fast lautlos“, schwärmt die Veterinärmedizinerin.

In der kalten Jahreszeit sind es vor allem die Glühwein-Touren, die an jedem Sonntag Besucher anziehen: Auf der Weide gibt es warme Getränke und Knabbereien, während Selig-Smith die Einweisungen gibt und den Wander-Tieren Zügel und Leine anlegt. Bis zu 20 Jahre alt können Lamas und Alpakas werden. Sie sind Herdentiere und dürfen in Europa nicht einzeln gehalten werden, erfahren die Besucher. Die Wiederkäuer fressen Gras, Heu und Mineralfutter. Gemüse und Brot hingegen sind laut Selig-Smith Gift für die südamerikanischen Haustiere. Stuten tragen ein Jahr.

Und wie ist das mit dem Spucken? „Natürlich können Lamas und Alpakas spucken. Das tun sie allerdings meist unter sich, um beispielsweise die Rangfolge zu klären oder aus Futterneid“, beruhigt die Wanderführerin. Legten Lamas oder Alpakas die Ohren an und reckten den Kopf immer weiter nach oben, sei jedoch Vorsicht geboten, ergänzt Tierärztin Kerstan. Wer die Tiere dann weiter bedränge, könne tatsächlich zum Spuck-Opfer werden.

Die Schenkendorfer Züchterin hat ihre Wandertiere so trainiert, dass sie an einer langen Leine hinter den menschlichen Begleitern laufen. „Sollte ein Lama doch mal stehen bleiben, ziehen Sie kurz an der Leine und lassen sie dann wieder locker. Veranstalten Sie also bitte kein Tauziehen“, mahnt Selig-Smith. Das Tierwohl stehe bei ihr an erster Stelle, die Herde sei in einem sehr guten Zustand, sagt Veterinärmedizinerin Kerstan, die an diesem Tag Nachwuchs-Lama „Figaro“ an der Leine führt. Der junge Hengst tut sich noch etwas schwer und zickt hin und wieder.

Mit einem eher störrischen Alpaka hat es auch Stephanie Winkler zu tun. „Der Ali hat heute wohl keinen Bock“, sagt die Berlinerin lachend, während sie den plüschigen Begleiter über einen quer auf dem Waldweg liegenden Baum zu lotsen versucht. Beim Urlaub in Peru habe sie die südamerikanischen Haustiere kennengelernt. „Deswegen wollte ich so eine Wanderung ausprobieren.“ Die hat allerdings ihren Preis: 40 Euro kostet das Begleit-Lama/Alpaka. 15 weitere Euro zahlt jeder, der mitwandert. Für Birgit Kunkel, Sprecherin der Tourismus Marketing Brandenburg GmbH (TMB) durchaus berechtigt. „Der Anbieter muss davon alle Kosten bestreiten. Und wir wollen ja auch den Tourismus im Hauptberuf und nicht nur als Nebenerwerb“. Wanderungen mit Tieren, neben Lamas auch Esel oder Huskys, haben sich laut Kunkel zu beliebten Angeboten in der Mark entwickelt. „Du hast das Landschaftserlebnis und den Kontakt zu Tieren. Das kann sehr entschleunigend wirken“, sagt sie.

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