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Brandenburger Majestäten : Mit Krone, Schärpe und Lächeln

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Königinnen rühren kräftig für Milch, Spargel, Erdbeeren oder eine Region die Werbetrommel.

svz.de von
erstellt am 10.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Ein stilisierter Spritzkuchen fehlt zwar im glitzernden Diadem, Jenny I. trägt aber dafür eine Schärpe als Eberswalder Spritzkuchenkönigin. Die 22-Jährige im sonnengelben Pünktchenkleid im Rockabilly-Stil mit schwingendem Petticoat wirbt für das Gebäck, das der Brandenburger Stadt zu einiger Berühmtheit verhalf. Wie viele Spritzkuchen sie bislang gebacken und vernascht hat, bleibt unbekannt. „Auf jeden Fall sind sie lecker“, sagt die junge Königin, die bürgerlich Jenny Bechly-Günzel heißt, lächelnd.

Sie gehört zu weit mehr als einem Dutzend gekrönter Häupter im Land – Königinnen oder Prinzessinnen, die für Produkte, Regionen, Städte oder Feste stehen. Alljährlich beim Brandenburg-Tag auf der Grünen Woche versammeln sie sich. Erfahrungsgemäß sind es meist junge Frauen, nur selten ist ein Prinz oder König darunter. Mit Diadem, Krönchen und romantischer Ballrobe oder ländlich im Dirndl sind sie dann ein beliebtes Fotomotiv. Ihr Auftrag ist ganz ernsthaft: auf Messen und anderen Veranstaltungen zu repräsentieren und zu werben.

„Die Wahl von Ernte- und Produktköniginnen hat in den vergangenen Jahren weiter an Bedeutung gewonnen“, stellt Kai Rückewold fest, Geschäftsführer des Verbandes zur Förderung des ländlichen Raumes Brandenburg, pro agro. „Verbundenheit mit der Region, tiefgreifende Kenntnisse zum Produkt sind wichtig.“ Dazu sollte eine besondere Aufgeschlossenheit gegenüber Menschen kommen.

Nach einer Voraussetzung für das meist ein Jahr ausgeübte Amt gefragt, antwortet die Beelitzer Spargelkönigin Nicole Hahn: „Natürlich fast alles über Spargel wissen.“ Sie arbeitet in einer Bank und hat beruflich gar nichts mit Landwirtschaft zu tun. „Schön anstrengend“ sei der Job, berichtet die 31-Jährige, die gerade die Hälfte ihrer Amtszeit hinter sich hat.

Natürlich habe sie schon viel Spargel gegessen. Wie viele Portionen, wisse sie aber nicht. „Aber nie mit Kartoffeln und Schnitzel. Sonst würde ich bald nicht mehr in mein Kleid passen“, sagt Nicole, zu deren Outfit ein silbernes Krönchen mit Spargelspitzen gehört.

Und womit konnte sich die Peitzer Teichnixe Jenifer Fiebow der Auswahljury empfehlen? „Ob ich schwimmen kann, wurde ich nicht gefragt“, erzählt sie. Dagegen habe es viele Fragen zum Amt Peitz und zur Fischzucht gegeben. Auf jeden Fall hilft die 20-Jährige mittlerweile beim Abfischen der Peitzer Karpfenteiche. „Mit Watthose und Gummistiefeln stehe ich dann im Wasser“, beschreibt sie den wenig glamourösen Teil ihres Jobs. Ansonsten trägt sie im langen blonden Haar eine Muschelkrone.

Noch ganz frisch in der Riege der Majestäten ist Cornelia Wielow als Conny I., Schwanenkönigin von Prenzlau. In ihrem weißen, mit Pailletten besticktem Tüllkleid und dem Krönchen fühle sie sich wie eine Prinzessin, sagt die 35-Jährige. Sie werbe für einen Besuch in der Stadt, die einen Schwan im Wappen führt. „Wir haben einen schönen See mit vielen Schwänen“, sagt sie.

Auch Spritzkuchenkönigin Jenny I. kommt ins Schwärmen, wenn es um die Besonderheit aus Eberswalde geht. „Es ist toll, welche Leckerei aus wenigen Rohstoffen entstehen kann“, sagt die gelernte Konditorin, die derzeit Unternehmensmanagent studiert. Sie selbst beherrscht die Herstellung des Gebäcks: Ein Brandteig wird zu Kringeln gespritzt, schwimmend in Fett ausgebacken und wird dann mit einen Zuckerguss glasiert.

Auf die Idee, eine Spritzkuchenkönigin zu krönen, kam vor einigen Jahren Bäckermeister Björn Wiese. „Ein Stück Heimatgeschichte sollte wieder in Erinnerung gerufen werden“, erklärt er. Mit Inbetriebnahme der Bahnlinie Berlin-Stettin 1842 verkaufte einst der Bäcker und Konditor Gustav Louis Zietemann (1807-1880) seine Spritzkuchen auf dem Bahnhof Eberswalde.

Und was tut eine Majestät auf Zeit, wenn die Regentschaft endet und die Nachfolgerin ins Amt eingeführt ist? Von Ruhestand kann dann keine Rede sein: Die Spargelkönigin kümmert sich um Familie und Job, während die Teichnixe ihre Ausbildung als Physiotherapeutin fortsetzt. Die Spritzkuchenkönigin schließlich studiert, arbeitet nebenbei weiter in der Bäckerei Wiese und schmiedet Pläne für die Selbstständigkeit als Konditorin.

 

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