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Neuer Landtag : Mit Kreuz, aber ohne Wurst

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die ersten Arbeitstage des neuen Jahres: Brandenburger Politiker beim Heimwerken – und dazu noch eine Enttäuschung in der Kantine

svz.de von
erstellt am 08.Jan.2014 | 11:15 Uhr

Auch ohne offizielle Termine herrscht an den ersten Arbeitstagen des neuen Jahres im Landtag Betriebsamkeit. Kisten auspacken, Bilder anhängen, Rechner einrichten. Bei vielen der 500 Beschäftigten ist die Freude über das Haus groß. Aber es gibt auch Misstöne.

Fast alle laufen mit feierlichen Mienen über die weißen Flure, lächeln auch dann, wenn mal wieder eine Tür nicht aufgeht, obwohl man per Chipkarte zum Öffnen berechtigt ist. Nur eine Frau ist an diesem 2. Januar gegen Mittag leicht sauer: Roswitha Schier. Die CDU-Abgeordnete zeigt ihrem Mann, der das Haus innen als „etwas steril“ empfindet, zum ersten Mal ihr neues Büro. Zuvor wollen sie etwas essen im Landtagsrestaurant, gleichzeitig Kantine für die Politiker. Und was muss Roswitha Schier da hören? Es gibt Rinderragout und eine vegetarische Kartoffelpfanne, aber weder Wurst noch Schnitzel. „Haben wir nicht. Kriegen wir auch nicht rein“, heißt es aus der Küche. Man wolle beim Speisenangebot nicht gewisse Klischees bedienen. „Was denn für Klischees?“, ärgert sich die CDU-Politikerin. „Ich möchte ein Schnitzel ohne Beilage, weil ich gern auf Kohlenhydrate verzichte“, sagt sie und dreht enttäuscht ab. „Dann bringe ich mir eben künftig selbst was mit.“

Die Freude über den Landtag kann ihr der Vorfall freilich nicht verderben. Mit schnellen Schritten geht sie auf die Restaurantterrasse, zeigt auf das Fortunaportal und schwärmt: Was für eine tolle Geschichte! Welch erhebendes Gefühl, das Haus zu betreten! So geht es auch Thomas Kralinski, Geschäftsführer der SPD-Fraktion. „Für das alte Haus haben wir uns am Ende geschämt“, sagt er. Nun hängt sein Herz „an dem grandiosen, schwebenden Treppenhaus“, an den schlicht und modern eingerichteten Büros, an den großen Fenstern, die Aus- und Einblick gewähren. „Das Haus wird das Parlament selbstbewusster machen“, ist er überzeugt. Die eigene Arbeitsfähigkeit sei zu 95 Prozent hergestellt. Gewisse Abläufe am Computer würden noch nicht funktionieren. Bilder an den Wänden fehlen, aber seine Kisten habe er ausgepackt und die Howea-Palmen für die Fraktionsbüros seien eingetroffen.

So fügt sich alles Stück für Stück. Bei Katrin Rautenberg, der Pressesprecherin des Landtags, hängen die Bilder bereits, vor allen Dingen von ihr selbst vor vielen Jahren angefertigte humoristische Zeichnungen des künftigen Landtags. Sorgen macht ihr an diesem ersten Arbeitstag im neuen Jahr die Anordnung der Sitzgruppen im Büro ihres Chefs Gunter Fritsch. „Es passt einfach nicht“, seufzt sie. „Ich fürchte, der Beratungstisch ist zu groß.“ Sie werde nun alles noch einmal umstellen und zur Not müsse der Tisch auf der hausinternen Tauschbörse gewechselt werden.

Gewerkelt wird auch auf dem Flur der CDU-Fraktion. Ein Referent hat seine beiden kleinen Kinder mitgebracht, die ihm dabei zusehen, wie er den Rechner einrichtet. CDU-Fraktionsgeschäftsführer Jörg Vahl eilt indes im höheren Auftrag durch das Haus. Ein Landeswappen in der einen und ein Holzkreuz in der anderen Hand, sucht er an den Wänden im Beratungsraum nach dem richtigen Platz für die Insignien. Außerdem lässt er sich von Technikern die Steuerung von Licht und Ton im Saal erklären. Als die ihn bei einem Bediengerät auf die „passwortgeschützte Technikerebene“ aufmerksam machen, rollt Vahl mit den Augen.

Vor allem helfen die Leute von der Betriebstechnik aber beim Bilder aufhängen. Nägel sind verboten, alles muss mit Bändern an Galerieschienen geknüpft werden. Gerne geben die Mitarbeiter auch Tipps, wie man verletzungsfrei Türen öffnet. Deren Klinken sind im Interesse von Rollstuhlfahrern sehr niedrig und der Schließmechanismus so umständlich, dass beim Aufstoßen der Tür die Gefahr besteht, sich die Hand am Rahmen aufzureißen. Tipp der Techniker: „Mit links dürfte nichts passieren.“

Richtig gearbeitet wurde an diesem Tag bei den Grünen. Auf die Frage, was er gerade mache, sagt Pressesprecher Tobias Arbinger nur: „Polizeireform“. Aber der Eifer hat seinen Preis. Hinter Arbinger türmen sich unausgepackte Kisten.

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