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Projekt in Brandenburg : Mit dem Wünschewagen ein letztes Mal ans Meer

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Sozialverband erfüllt todkranken Menschen einen sehnlichen Wunsch. Am 1. September startet der Wünschewagen offiziell mit einer Veranstaltung in Potsdam.

svz.de von
erstellt am 04.Jul.2016 | 05:00 Uhr

Wenn ein Mensch erkrankt und im Sterben liegt, bleiben oft wenige Wünsche, die aber schwer realisierbar sind. Der Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bundes Ruhr ermöglicht diesen Patienten seit zwei Jahren eine letzte Wunschfahrt im umgebauten Krankentransport. Nun kommt das Projekt auch nach Brandenburg und Berlin.

Noch einmal einen besonderen Ort oder den Lieblingsfußballverein sehen oder bei der Hochzeit der Enkelin dabei sein – es sind solch banale Wünsche, die viele Menschen kurz vor ihrem Tod haben. Und doch bleiben sie meist unerfüllt, weil der Wünschende schwer krank und bettlägerig ist, was einen Transport eigentlich unmöglich macht.

Genau hier kommt der Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) zum Einsatz. Seit 2014 rollt das Fahrzeug mit dem blauen Schriftzug über die Straßen im Ruhrgebiet und erfüllt ein letztes, sehnliches Anliegen von Menschen, die kurz vor dem Tod stehen. Rund 130 Fahrten konnten bereits realisiert werden. „Der häufigste Wunsch ist es, noch einmal ans Meer zu reisen“, sagt Ines Jungmann, die beim ASB Ruhr für die Planung der Wunschfahrten zuständig ist. Sie begann 2014 als ehrenamtliche Helferin, begleitete selbst etliche Touren.

An ihre bewegendste Erfahrung erinnert sie sich noch gut: „Ich habe an Heiligabend eine Frau aus einem Hospiz in Essen zu ihren fünf Kindern nach Hause begleitet.“ Die 53-jährige Mutter litt an einem Hirntumor. „Gerade zur Weihnachtszeit erreichen uns viele Anfragen“, sagt Jungmann.

Mittlerweile gibt es den Wünschewagen nicht nur in Nordrhein-Westfalen, sondern auch in Schleswig-Holstein, Bayern und demnächst ebenso in Berlin und Brandenburg. Weitere Bundesländer sind in Planung. Finanziert wird das in dieser Größe deutschlandweit einmalige Projekt ausschließlich über Spenden und Förderer. Die Fahrt in dem umfunktionierten Krankentransporter ist für die Fahrgäste kostenlos.

Begleitet wird jede Tour von mindestens einem Rettungssanitäter oder Rettungsassistenten, je nach medizinischem Bedarf zusätzlich von einer Pflegekraft oder einem Palliativ-Arzt.

Alle Betreuer arbeiten ehrenamtlich, aber „sie bekommen dafür auch viel zurück“, sagt Jürgen Haase, Geschäftsführer des ASB-Landesverbands Brandenburg. „Viele todkranke Menschen blühen während der Fahrt auf, und die Angehörigen sind dankbar für die Möglichkeit“, sagt Haase. Er findet es toll, dass auch Brandenburg demnächst „letzte Wünsche wagen“ kann.

30 Ehrenamtler haben sich bereits gemeldet, die noch geschult werden. Am 1. September startet der Wünschewagen offiziell mit einer Veranstaltung in Potsdam.

Damit eine Fahrt realisiert werden kann, muss der betreuende Arzt die Transportfähigkeit des Fahrgastes bescheinigen und Organisatorisches geklärt werden. Auch eine Patientenverfügung muss vorliegen, damit die Ehrenamtler im Ernstfall wissen, was zu tun oder zu lassen ist. Denn „viele melden sich kurz vor dem Tod bei uns“, sagt Haase.

Dennoch soll die Fahrt so angenehm wie möglich sein. Deshalb ist das medizinische Zubehör verstaut und die Wagendecke zieren Leuchtdioden, die einen Sternenhimmel imitieren.

So ermöglichte der Wünschewagen einer 85-jährigen, dialysepflichtigen Düsseldorferin ein Wiedersehen mit ihrem langjährigen Lebensgefährten, der nach einem Schlaganfall in ein Seniorenheim im Saarland verlegt wurde. Da es „ein sinnvolles und wichtiges Angebot ist“, so Pressereferent Julian Thiel, beteiligt sich nun auch der ASB Berlin an dem Projekt. Freitag eingeweiht, geht die erste Tour des Hauptstadtwagens an diesem Sonntag gen Ostsee.

 
Weitere Infos und Spenden unter: www.wuenschewagen.com

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