Fährtenhund-Weltmeisterschaft : Mit dem richtigen Riecher

Hundesportfreund Günter Hytra aus Wriezen mit seinen beiden Malinois, dem erfahrenen Athos (l.) und Nachwuchs Eddi.
Hundesportfreund Günter Hytra aus Wriezen mit seinen beiden Malinois, dem erfahrenen Athos (l.) und Nachwuchs Eddi.

Aus einem Freizeithund kann ein tierischer Leistungssportler werden. Günter Hytra aus Wriezen reist mit Athos zu den Wetltitelkämpfen.

von
11. März 2020, 05:00 Uhr

Athos strahlt pure Lebensfreude aus. Als Günter Hytra den schlanken, hellbraunen Hund mit dem dunklen Gesicht auf einem Feld bei Wriezen (Märkisch-Oderland) aus dem Wagen lässt, springt und rennt er, sein Herrchen dabei stets aufmerksam im Blick. „Athos, Fuß“, sagt Hytra knapp und schon sitzt der acht Jahre alte, drahtig wirkende Malinois, eine Unterart des Belgischen Schäferhundes, kerzengerade neben „seinem“ Menschen. Auch andere Befehle klappen wie am Schnürchen, Hund und Mann sind ein eingespieltes Team, bemerkt der Beobachter. „Absoluter Gehorsam ist die Grundvoraussetzung, Temperament und ein bedingungsloser Arbeitseifer des Tieres begünstigen eine erfolgreiche Karriere“, sagt Hytra.

Gemeinsam mit seinem Hund bereitet sich der sportliche 70-Jährige auf die Weltmeisterschaften der Fährtenhunde in Finnland vor, für die 22 Nationen gemeldet sind. Mitte Mai wird er gemeinsam mit zwei weiteren deutschen Hundesportlern nach Skandinavien aufbrechen, um zu beweisen, dass Athos den richtigen Riecher hat. Bis dahin wird auf Feldern und in Wäldern trainiert, mehrmals die Woche und bei jedem Wetter steht „Nasenarbeit“ auf dem Programm.

Athos verfolgt mit der Nase knapp über einem frisch gepflügten Acker eine Geruchsspur, die Hytra zuvor ausgelegt hat. Mittendrin muss das Tier ausgelegte Stückchen aus Holz, Leder oder Stoff finden und sie „verweisen“, wie es in der Fachsprache heißt. „Der Hund legt sich hin und hat den Fund vor seinen ausgestreckten Vorderbeinen liegen“, erklärt der gebürtige Mecklenburger.

Er weiß, bei den Meisterschaften gibt es bei der kleinsten Unregelmäßigkeit Punktabzug. Unter Wettkampfbedingungen legen Fremde die Spur: 1800 Schritte lang, mit spitzen Winkeln, einem Kreisbogen und sieben Gegenständen, Klötzchen aus unterschiedlichen Materialien, die unterwegs drapiert worden sind. Erst drei Stunden später darf der Hund seinen Riecher beweisen und mit der Fährtensuche beginnen, geführt an einer zehn Meter langen Leine. „Fährtentraining ist zeitaufwändige Fleißarbeit, bei der die natürliche Anlage des Tieres genutzt wird“, sagt Frank Drescher-Hackel, Hundetrainer beim Hauptzollamt Frankfurt (Oder).

Zahlen, wie viele Menschen sich in Brandenburg damit beschäftigen, gibt es nicht. Entlang der brandenburgisch-polnischen Grenze sind seinen Angaben nach derzeit zehn Hunde mit Zöllnern im Einsatz, hauptsächlich als Spürhunde für Bargeld oder Rauschgift. Der erfahrende Berufstrainer kennt Hytra, hat schon gemeinsam mit ihm geübt. „Das ist sein Hobby und für ihn eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Denn ab einem bestimmten Alter muss man etwas tun für seine Gesundheit“, sagt Drescher-Hackel.

Zum Hundesport kam Vermessungsingenieur Hytra relativ spät, wie er erzählt. „1996 haben meine Frau und ich ein Grundstück in Wriezen gekauft. Vorher lebten wir in Mehrfamilienhäusern, da wollte ich keinen Hund halten.“ In Wriezen kam Bonzo, ein American Staffordshire, ins Haus, mit dem sich der Neu-Hunde-Besitzer intensiv beschäftigen und ihn auch ordentlich erziehen wollte. „Mit ihm habe ich eine Menge gelernt, was Wesen und Erziehung betrifft“, sagt er. Damals wollte er beweisen, dass die Rasse nicht per se nur Kampfhunde hervorbringe. Athos ist Hytras vierter Hund.

Mit allen Tieren hat er erfolgreich an Wettkämpfen teilgenommen, wie Dutzende glänzende Pokale in seinem Arbeitszimmer belegen. „Wenn ich mich schon mit Hundesport beschäftige, wollte ich auch immer ganz oben mitspielen“, so Hytra.

Mit Athos ist er nicht zum ersten Mal bei einer Weltmeisterschaft dabei. Vor fünf Jahren waren sie Bundessieger bei den Fährtenhunden und traten ein Jahr später bei der Weltmeisterschaft in Slowenien an, allerdings mit wenig Erfolg. Ein dicker Hagelschauer habe damals die ausgelegte Spur ruiniert, zudem hatte Athos gesundheitliche Probleme. „Die Sache hat auch immer mit Glück zu tun“, sagt der Hundesportler lächelnd. Und so wollen es beide in diesem Jahr noch einmal wissen.

Inzwischen steht schon der tierische Nachwuchs in den Startlöchern. Eddi, ein zwei Jahre alter Neffe von Athos, trainiert schon fleißig mit. Den Grundgehorsam hat er schon gut drauf, die „Nasenarbeit“ ist im Aufbau.

Das Schwierigste beim Hundesport sei es, das Tier nicht zu unter-, aber auch nicht zu überfordern, so der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH). Der Halter müsse seinen Vierbeiner „lesen“ können. „Hundesport liegt im Trend. Menschen wollen mit ihrem Tier einfach aktiv sein“, sagt VDH-Sprecher Udo Kopernik. Auf der Internetseite des Verbandes finden sich mehr als ein Dutzend verschiedene Sportarten, die mit Hunden betrieben werden können – von Agility bis zur Wasserarbeit. „Hunde wollen gefordert und beschäftigt werden, Talente sind wie beim Menschen auch bei jedem Tier unterschiedlich ausgeprägt“, sagt Kopernik.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen