Mehr als nur Studio Babelsberg : Mit 15 Filmen bei der Berlinale

Komparsen bei den Dreharbeiten für den Film „Das schweigende Klassenzimmer“.
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Komparsen bei den Dreharbeiten für den Film „Das schweigende Klassenzimmer“.

Brandenburgs Filmindustrie hat sich etabliert - Konkurrenz aus Ungarn und Tschechien lässt erste Produktionen abwandern

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13. Februar 2018, 05:00 Uhr

Die Schulklasse in Storkow wollte ein Zeichen setzen. Zu Beginn einer Geschichtsstunde verabredete man sich zum Schweigen. Für eine Minute. 20 Schüler aus Storkow wollten so ihre Solidarität mit den ungarischen Aufständischen ausdrücken, 1956 in der DDR. Weil die Neuntklässler dichthielten und den SED-Funktionären bis hinauf zum Bildungsminister nicht die Namen der Anstifter verrieten, wurde die Klasse vom Abitur ausgeschlossen. 16 der 19 Schüler flohen später in die Bundesrepublik und legten dort 1958 ihr Abitur ab.

Die Geschichte der Jugendlichen aus Storkow ist unter dem Titel „Das schweigende Klassenzimmer“ demnächst auf der Kinoleinwand zu sehen. Während der diesjährigen 68. Berlinale läuft der vorwiegend in Eisenhüttenstadt gedrehte Film in der Rubrik „Berlinale Special“.

Insgesamt seien 15 vom Medienboard Berlin-Brandenburg geförderte Filme während des früher auch als „Filmfestspiele“ bekannten Festivals zu sehen, sagte Medienboard-Direktorin Kirsten Niehuus gestern in Potsdam. „Isle of Dogs“, „In den Gängen“ und „Transit“ laufen sogar im Wettbewerb um den „Goldenen Bären“.

„Filme made in Brandenburg sind mittlerweile eine Marke von Weltruf, nicht nur für Kinokunst, auch für spannende Serien und Virtual-Reality-Inhalte“, so Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD). Das Medienboard habe im letzten Jahr 26,5 Millionen Euro Filmförderung und fünf Millionen Euro für die Förderung von Standortprojekten aufgewandt. Und der Tourismus profitiere davon, dass Menschen auf der Suche nach den Drehorten ihrer Lieblingsfilme den Weg nach Brandenburg fänden.

Gestern indes machten Filmschaffende deutlich, dass Deutschland und auch Brandenburg bei der Filmförderung den Anschluss verlieren könnten. Länder wie Ungarn und Tschechien würden die Produktionsgesellschaften oft weit großzügiger mit Steuermitteln ausstatten, als es in Deutschland der Fall sei. „Wir müssen ein konkurrenzfähiges Finanzierungs- und Fördermodell für Filme und Serien etablieren“, sagte Niehuus. Und der Direktor der Babelsberger Studios, Carl L. Woebcken, erklärte, man sei schon heute „bei einigen Projekten in der Schieflage, weil die Fördersicherheit nicht da ist, die größere Projekte brauchen.“

So werde die in Berlin spielende Serie „Berlin Station“ künftig nicht mehr in Babelsberg, sondern in Ungarn produziert. „Wenn wir als Produktionsplattform schlecht ausgelastet sind, wenn unsere Studios leer stehen, dann betrifft das auch 1:1 alle Filmschaffenden in Berlin“, sagte Woebcken. „Wir sollten schon versuchen, den Produktionsstandort zu sichern.“ Man erlebe einen sich verschärfenden Standortwettbwerb in Europa.

„Wir sind umzingelt von Nachbarstaaten, die bessere Rahmenbedignungen anbieten“, sagte Woebcken. „Um uns herum werden Fakten geschaffen. Und unsere Regierung ist nicht in der Lage, darauf zu reagieren.“

Gerber machte hingegen darauf aufmerksam, dass die Filmindustrie im Land ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist. Im vergangenen Jahr seien an rund 5000 Drehtagen Ausgaben von 150 Millionen Euro generiert worden. Die Filmindustrie beschränke sich nicht nur auf die Babelsberger Filmstudios. Filmwirtschaft und Tourismus seien immer stärker verflochten. So würden viele Drehorte im Rahmen des Kulturtourismus vermarktet.

Außerdem würden Medien- und Informationstechnologien zunehmend zusammenwachsen. Die Anerkennung von Potsdam als einem von zwölf digitalen Zentren im Rahmen eines Wettbewerbs des Bundeswirtschaftsministeriums sei dabei 2017 ein Meilenstein gewesen. „Nirgendwo sonst in Deutschland gibt es eine solche Nähe zwischen Medienwirtschaft und Forschung, auch im Sinne einer gelebten Kooperation“, sagte Gerber.

Der Wirtschaftsminister verwies dabei auch auf das Hasso-Plattner-Institut und die Filmuniversität Konrad Wolf. Einen weiteren Schub werde die Digitalisierung der brandenburgischen Medienindustrie mit dem geplanten Volumetrischen Studio für die Virtual Reality in Babelsberg erhalten.




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