Ausstellung Cottbus : Missstände bei DDR-Haftarbeit

Eine Zellentür mit einer Ankündigung der Ausstellung «Haft - Zwang - Arbeit.
Eine Zellentür mit einer Ankündigung der Ausstellung «Haft - Zwang - Arbeit.

Der Verein Menschenrechtszentrum Cottbus zeigt in einer neuen Ausstellung inhumane Bedingungen

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10. Dezember 2017, 05:00 Uhr

„Sein Finger lag auf der Maschine.“ „Der Häftling saß erst mal unversorgt da und saß und saß.“ An einer Flurwand des ehemaligen Gefängnisses Cottbus, in dem viele politische Gefangene zu DDR-Zeiten eingesperrt waren, hängen bedrückende Zeitzeugenberichte. Eine neue Dauerausstellung gibt Einblick in die schlimmen Arbeitsbedingungen auf dem früheren Gefängnisareal. Immer wieder kam es demnach zu Unfällen und Arbeitsschutz wurde vernachlässigt. Der Verein Menschenrechtszentrum will mit der Schau die Erinnerung wachhalten und DDR-Geschichte aufarbeiten. Die Ausstellung „Haft - Zwang - Arbeit im Zuchthaus Cottbus 1933 - 1989“ wird morgen eröffnet.

Es ist die zweite Dauerausstellung in dem Ex-Gefängnis, das heute eine Gedenkstätte ist. Die Schau ist in einem Flur aufgebaut, von dem Gefängniszellen mit Original-Ausstattung abgehen. Es gibt viele Zeitzeugenberichte an den Wänden.

Frühere politische Gefangene in der DDR-Zeit gründeten 2007 den Verein Menschenrechtszentrum und kauften das Gefängnisareal in der Innenstadt. Seit 2013 ist dort die Ausstellung „Karierte Wolken - politische Haft im Zuchthaus Cottbus 1933 - 1989“ zu sehen - sie widmet sich den Biografien von politischen Gefangenen während des SED-Regimes, aber auch im Nationalsozialismus. Das Cottbuser Gefängnis wurde 1860 als „Königliches Centralgefängnis“ eröffnet.

Die Haftanstalt in Cottbus zählte neben dem Zuchthaus in Bautzen zu den größten DDR-Gefängnissen für politische Gefangene. Wer seine Haft antrat, war laut Menschenrechtszentrum zuvor in einem Stasi-Gefängnis in Untersuchungshaft gewesen und zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Zu den Gründen für eine weitere Dauerausstellung sagt die geschäftsführende Vereinsvorsitzende Sylvia Wähling, dieses Thema beschäftige noch heute viele Ex-Gefangene. „Wir greifen das auf, was sie heute bewegt.“ Die Arbeitsbedingungen in der Haft seien schwerer gewesen als in Betrieben außerhalb der Justizvollzugsanstalten.

Die Ausstellungsmacher stellen auch Kopien von DDR-Verwaltungsdokumenten aus. In einem Kontrollbericht etwa prangert selbst ein Oberst unhygienische Zustände in den sanitären Anlagen des Gefängnisses in Cottbus an. Arbeitsschutzbedingungen wurden demnach nicht eingehalten. Der Bericht stammt von Mitte der 1970er Jahre.

In der Schau sind auch Werkzeuge und Fotos der Werkstätten zu sehen sowie Produkte, die die Häftlinge herstellten. Zum Beispiel Kamerateile. Dem Verein zufolge gab es mehr als zehn volkseigene Betriebe, für die Häftlinge in Cottbus in Werkstätten auf dem Gefängnisareal arbeiteten. Die größte sei der VEB Pentacon aus Dresden - ein Kamerahersteller - gewesen, sagt Wähling.

Viele Häftlinge waren laut Menschenrechtszentrum Akademiker und hatten Probleme, die geforderten Normen in den Arbeitsschichten zu erfüllen. Dafür habe es Strafen gegeben.

Die Schau blickt nicht nur zurück: In einem gesonderten Bereich auf der Etage des Gefängnisses verweist das Menschenrechtszentrum auf heutige schlimme Arbeitsbedingungen in aller Welt. Eine Installation zeigt Produkte wie ein Handy oder Bananen und prangert mit Infotafeln die Arbeitsverhältnisse in Ländern wie Ecuador oder Kongo an.

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