Schummel beim Pisa-Test : Ministerium trickst für bessere Resultate

Die landesweite Vergleichsarbeit im Fach Deutsch fielen in Brandenburg verheerend aus: Nach Angaben des Bildungsministeriums seien die Aufgaben zu schwer gewesen. Jetzt wurde nachgebessert. Dabei wurde auch Kritik an der Pisa-Studie im Allgemeinen laut.
1 von 2
Die landesweite Vergleichsarbeit im Fach Deutsch fielen in Brandenburg verheerend aus: Nach Angaben des Bildungsministeriums seien die Aufgaben zu schwer gewesen. Jetzt wurde nachgebessert. Dabei wurde auch Kritik an der Pisa-Studie im Allgemeinen laut.

Nach verheerenden Resultaten einer landesweiten Vergleichsarbeit im Fach Deutsch hat das Bildungsministerium die Bewertungsmaßstäbe im Nachhinein geändert. Somit fielen die Ergebnisse deutlich besser aus. Der Test wird schon seit Längerem kritisiert.

svz.de von
03. Dezember 2013, 11:32 Uhr

Nach verheerenden Resultaten einer landesweiten Vergleichsarbeit im Fach Deutsch hat das Bildungsministerium die Bewertungsmaßstäbe im Nachhinein geändert. Somit fielen die Ergebnisse deutlich besser aus. Der Test wird schon seit Längerem kritisiert.

Die Vergleichsarbeit in den sechsten Klassen sei im November katastrophal ausgefallen, berichten Elternvertreter. Dies hatte zu großem Unmut geführt, denn die Noten gehen zu 20 Prozent in das Halbjahreszeugnis ein, das wiederum mit endscheidend für die Aufnahme an weiterführenden Schulen ist. Auffällig viele Schüler hatten beim schriftlichen Test die Noten 5 oder 6 erzielt, erzählt Wolfgang Seelbach, Sprecher des Landeselternrats. Dabei stünden die Bewertungskriterien des Tests schon länger in der Kritik. „Sie sind nicht differenziert genug“, meint er.

In der Vorwoche wurden dann Schulen und Schulämter vom Ministerium über Korrekturen informiert. „Es ist einiges schief gelaufen, die Aufgaben waren zu schwer“, räumt Behördensprecherin Antje Grabley ein. Die Vergleichsarbeit, die vom Landesinstitut für Schule und Medien (Lisum) erarbeitet wurde, habe nicht dem Leistungsstand der Schüler entsprochen, viele seien in der Halbjahreszensur im Fach deutlich abgerutscht. Ohnehin wurde der Test womöglich letztmalig geschrieben: Die Landesregierung plant eine Änderung des brandenburgischen Schulgesetzes, mit dem die Vergleichsarbeiten für sechste Klassen in Deutsch und Mathematik wegfallen sollen.

Wie Sprecherin Grabley berichtet, reicht es nach den neuen Kriterien in einer der Aufgaben aus, sechs von acht Wörtern korrekt in einen Lückentext einzufügen, um einen Punkt zu erhalten. Vorher mussten dafür sämtliche acht Wörter richtig genannt werden. Die Lehrer in den Grundschulen seien aufgefordert worden, die neuen Bewertungsmaßstäbe anzuwenden. „Wir versuchen jetzt, den Fehler zu heilen“, sagt sie. Auch staatliche Schulämter und Pädagogen schätzen die Änderung als sinnvoll ein. Man hätte allerdings die Eltern früher informieren sollen, aber dies sei aufgrund des engen zeitlichen Rahmens nicht möglich gewesen, so Uwe-Karsten Volkmann, Schulleiter in Eberswalde.

Allerdings fielen auch in den vergangenen Jahren die Ergebnisse der Vergleichsarbeiten um eine Note schlechter als der Durchschnitt aus, berichtet Torsten Gärtner, Vorsitzender des Kreiselternrats in der Uckermark. „Man muss den Lehrplan darauf ausrichten, sonst sind die Schüler mit dem Test überfordert“, betont er.

Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft GEW beklagt indes, dass Vergleichsarbeiten zwar Stress für Schüler und Mehrarbeit für Lehrer bedeuteten, aber keine Konsequenzen aus schlechten Ergebnissen gezogen würden. „In Brandenburg werden vergleichsweise viele Tests geschrieben, ohne dass die Notwendigkeit immer erkennbar ist“, sagt der Landesvorsitzende Günther Fuchs.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen