Stätten des NS-Terrors müssen erhalten werden : Millioneninvestitionen für Gedenkstättenstiftung nötig

Auf dem Gelände der Gedenkstätte Sachsenhausen erinnert das Mahnmal der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte an die Häftlinge des Konzentrationslagers Sachsenhausen.
Auf dem Gelände der Gedenkstätte Sachsenhausen erinnert das Mahnmal der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte an die Häftlinge des Konzentrationslagers Sachsenhausen.

Mehr als 800 000 Besucher kommen pro Jahr in Brandenburgs Gedenkstätten, die erhalten werden müssen

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16. Februar 2018, 05:00 Uhr

Der scheidende Stiftungsdirektor Professor Günter Morsch hat deutlich mehr öffentliche Mittel für den Unterhalt der Brandenburgischen Gedenkstätten gefordert. In den 25 Jahren des Bestehens der Stiftung seien rund 60 Millionen Euro in die Sanierung der früheren Konzentrationslager Sachsenhausen und Ravensbrück sowie weiterer Gedenkorte investiert worden, sagte Morsch gestern in Oranienburg. „Doch viele Anlagen sind inzwischen in die Jahre gekommen und müssen mit deutlich mehr Investitionsmitteln erhalten werden“, sagte Morsch.

Lange Zeit habe der Investitionshaushalt rund drei Millionen Euro jährlich betragen, erläuterte Morsch. Der Betrag sei mit gut 1,1 Millionen Euro in diesem Jahr inzwischen auf fast ein Drittel gesunken. „Es wäre schön, wenn wir wieder auf den alten Stand kämen“, so Morsch. Auch Sondermittel von EU und Bund für neue Projekte flössen nicht mehr wie früher.

Dennoch wird in der Gedenkstätte Sachsenhausen am 25. Februar ein neues Depot für die rund 35 000 Objekte und 450 Meter Regale voller Archivmaterial aus der Zeit des Konzentrations- und späteren sowjetischen Speziallagers eröffnet. Das Depot war bislang provisorisch im ehemaligen Kino des Lagers untergebracht.

Das zweite Neubauprojekt ist ab Herbst die Herrichtung des Südgeländes des früheren Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück. Mit der Markierung der vier Lagerstraßen und 40 zusätzlichen Informationstafeln soll bis 2020 das gesamte Areal für Besucher erlebbar werden. Bislang war in die Gedenkstätte nur eine Lagerstraße mit zwei Reihen Baracken und den Hallen der Textilfabrik integriert.

Morsch, der die Stiftung seit der Gründung 1993 leitet, geht Ende Mai in den Ruhestand und übergibt die Leitung an den Münchner Historiker Axel Drecoll. Als „größtes Scheitern“ sieht es der 65-Jährige, dass es nicht gelang, die Brandenburgischen Gedenkstätten in der Berliner Erinnerungskultur zu verankern. „Ich erwarte, dass das frühere Konzentrationslager Sachsenhausen zumindest in der künftigen Ausstellung des Humboldt-Forums eine Rolle spielt“, sagte Morsch.

In den vergangenen Jahren habe die Forschung zu den Motiven der Täter deutlich an Bedeutung gewonnen, sagte der Stiftungsdirektor. Das sei angesichts der aktuellen politischen Entwicklung in Deutschland wichtig, betonte Morsch mit indirektem Bezug auf die AfD. Er sprach von „einer Partei, die mit fast hundert Vertretern im Bundestag sitzt und von der revisionistisches Gedankengut verbreitet wird“. „Wenn man nach den Motiven der Täter von damals fragt, wird man dort erstaunliche Parallelen entdecken.“

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