Rosneft in Schwedt : Millioneninvestition in Raffinerie

Der ehemalige Bundeskanzler und Leiter des Rosneft-Aufsichtsrats Gerhard Schröder ( l.) und der Chef des russischen Ölkonzerns Rosneft, Igor Setschin, besuchen die PCK Raffinerie.
Der ehemalige Bundeskanzler und Leiter des Rosneft-Aufsichtsrats Gerhard Schröder ( l.) und der Chef des russischen Ölkonzerns Rosneft, Igor Setschin, besuchen die PCK Raffinerie.

Russischer Ölkonzern Rosneft will in Deutschland rund 600 Millionen Euro anlegen. Großteil geht davon nach Schwedt (Oder).

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24. Januar 2018, 05:00 Uhr

Der russische Ölkonzern Rosneft will einen Großteil seiner Investitionen in Deutschland für die PCK Raffinerie in der Uckermark einsetzen. Das kündigte der Chef von Rosneft Deutschland, Brian Chesterman, am Montag in Schwedt/Oder an. Bereits im vergangenen Mai 2017 hatte der Konzern mitgeteilt, in Deutschland in den Folgejahren rund 600 Millionen Euro investieren zu wollen. Rosneft hält die Mehrheit an der PCK Raffinerie in Schwedt und ist auch an Bayernoil mit Sitz in Vohburg und an Miro in Karlsruhe beteiligt.

Die PCK Raffinerie empfing am Montag Rosneft-Chef Igor Setschin und den Rosneft-Aufsichtsratsvorsitzenden und Altkanzler Gerhard Schröder. Bei einer Bustour über das Gelände besichtigten sie die zentrale Messwarte der Raffinerie. Setschin betonte danach in einem Pressegespräch, dass Russland ein zuverlässiger und sicherer Energiepartner für Europa sei. Er hob dabei auch die Bedeutung Deutschlands als strategischen Partner hervor.

Die EU verhängte 2014 Sanktionen wegen des Ukraine-Konflikts gegen zahlreiche russische Unternehmen. Auch Rosneft ist betroffen. Altkanzler Schröder sagte über die Sanktionen: „Ich halte sie für unsinnig.“ Die geschäftliche Situation von Rosneft und Rosneft Deutschland habe sich gleichwohl nicht verschlechtert. 2017 sei nach seinem Kenntnisstand ein außergewöhnlich erfolgreiches Jahr gewesen. Er denke, dass das auch 2018 so bleiben werde. Der staatlich kontrollierte Konzern Rosneft ist für Deutschland ein Großlieferant von Erdöl.

Schröder sagte, dass die PCK Raffinerie in Schwedt eine der modernsten in Europa sei – mit erstklassiger Verfügbarkeit und erstklassigem betriebswirtschaftlichen Ergebnis. Zugleich sagte er in Richtung Land und Bund, dass für mehr Transportkapazitäten die Gleisanschlüsse an das Bahnnetz verbessert werden müssten. Man hoffe, dass man in diesem Punkt möglichst bald weiterkomme.

Jährlich zwölf Millionen Tonnen Rohöl

Schröder sprach auch über seine Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender bei Rosneft, die er seit Herbst 2017 innehat. Der Schritt hatte damals in Deutschland auch Kritik hervorgerufen. In den vergangenen Wochen habe er sich mit Einzelheiten des Unternehmens vertraut gemacht, sagte der Altkanzler. Dieser Prozess sei noch nicht beendet. Zudem habe er unter anderem eine Sitzung geleitet zu einer Fünf-Jahres-Strategie. Dort seien Entscheidungen gefallen wie die, im Schwarzen Meer zu bohren. Zur Übernahme seiner Funktion sagte Schröder, dass ihn Energiepolitik immer interessiert habe. Und er sei davon überzeugt, dass Deutschland gute politische und wirtschaftliche Beziehungen zu Russland brauche.

Die Anfänge der Raffinerie in der Uckermark reichen bis in die DDR-Zeit zurück. Grundsteinlegung war nach Firmenangaben 1960, die Raffinerie hieß damals Erdölverarbeitungswerk Schwedt. Nach der Wende folgte eine Privatisierung. Internationale Mineralölkonzerne halten Anteile. Mehrheitsanteilseigner ist der russische Ölkonzern Rosneft.

Die Raffinerie verarbeitet jährlich etwa zwölf Millionen Tonnen Rohöl. Hauptprodukte sind unter anderem Diesel, Benzin, Kerosin und Flüssiggas. Die Produkte werden über die Gesellschafter vermarktet. Schwedt zählt zu den größeren Raffinerie-Standorten in Deutschland.

Die Rohölleitung Freundschaft (Drushba) aus Russland über Polen führt bis nach Schwedt. Sie ist eine wichtige Versorgungsleitung nach Deutschland. Dazu kommt noch eine Pipeline zwischen Rostock und Schwedt. Über eine Produkt-Pipeline (Seefeld) wird die Hauptstadt mit PCK-Produkten beliefert.

Rosneft Deutschland setzt unter anderem auf das Erdölprodukt Bitumen, das auch als Bestandteil im Straßenasphalt vorkommt. Im Januar habe Rosneft die Vermarktung von Bitumen in Deutschland und in Nachbarländern gestartet, hieß es vom Unternehmen. Es werde nach der Produktion veredelt, dazu sei ein Vertrag mit einer Partnerfirma (Bitumina) geschlossen worden.

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