Landwirtschaft : Mensch oder Maschine: Wer erntet den Spargel?

Eine polnische Erntehelferin sticht Spargel auf einem Feld der Agrargenossenschaft Unterspreewald in Dürrenhofe Das Gerät mit Namen „Spargelspinne“ fährt vor dem Spargelernter her und hebt und senkt die Folie auf den Dämmen.
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Eine polnische Erntehelferin sticht Spargel auf einem Feld der Agrargenossenschaft Unterspreewald in Dürrenhofe Das Gerät mit Namen „Spargelspinne“ fährt vor dem Spargelernter her und hebt und senkt die Folie auf den Dämmen.

Tausend Mal bücken am Tag: Spargelernte auf dem Feld ist mühsam und hart. Sind Maschinen die Lösung?

svz.de von
25. Juni 2016, 05:00 Uhr

Den Kampf zwischen Mensch und Maschine hat auf diesen Spargelfeldern im Spreewald der Mensch für sich entschieden: Die Erntemaschine steht schon seit mehreren Jahren abgestellt in einer Ecke auf dem Betriebshof. An den Rädern wächst das Unkraut nach oben.

Auf den Feldern der Agrargenossenschaft Unterspreewald (Dahme-Spreewald) stechen stattdessen Arbeiter aus Polen den Spargel. Für den Betrieb hat sich die Maschine, die Kosten senken sollte, nicht gerechnet, wie Vorstand Uwe Schieban sagt.

Die Technik funktioniert so: Die Maschine wird von einem Traktor über das Feld gezogen. Rotierende Messer schneiden ein Stück des Dammes ab, dann wird die Erde abgesiebt und übrig bleibt auf einem Band der geerntete Spargel. So weit die Theorie.

Das Problem? „Die Maschine nimmt alles mit“, sagt Schieban. Also nicht nur die langen Spargelstangen, sondern auch die, die eigentlich noch ein bisschen wachsen sollten. Das führe zu einem Minderertrag. Schieban spricht von bis zu 40 Prozent.

Der Hersteller Ai-Solution in Wolfsburg verweist hingegen darauf, dass es von vielen Firmen gutes Feedback gebe. Seit 2009 verkauft der Agrarmaschinenbauer das Produkt, bislang rund 30 Mal, wie Geschäftsführer Christian Bornstein sagt. Die Maschine koste rund 80 000 Euro. Die meisten seien in Deutschland im Einsatz und einige in Frankreich, Peru, China und Ungarn.

Bornstein betont: „Es ist wichtig, genau zu planen, an welchen Tagen die Maschine über die Felder gezogen werden soll - um in der Masse möglichst langen Spargel zu haben.“ Während der Anbauer im Spreewald über zu kurze Spargelstangen bei der Maschinenernte klagt, findet ein Betrieb im Havelland viele Abnehmer für kurzen Spargel. Die Firma hat die baugleiche Maschine im Einsatz.

Es gebe eine große Nachfrage nach Spargelspitzen und Köpfen, sagt der Leiter der Pflanzenproduktion der Havelland agrar Weseram e.  G., Marten Woellner. „Die verkaufen wir super.“ Rund 20 Prozent der Ernte mit der Maschine seien kurze Spargelstangen. Die Firma setze weiter auf die Technik - in der Kombination mit dem Stechen per Hand.

Es gibt in Deutschland mehrere Firmen, die an der Entwicklung von Spargelerntemaschinen arbeiten, wie der Agrarwissenschaftler Jörg Morhard von der Universität Hohenheim in Stuttgart sagt. Wie sieht die Zukunft auf den Spargelfeldern aus - Mensch oder Maschine?

„Das hängt von der Verfügbarkeit von Arbeitskräften und der jeweiligen Lohnsituation ab“, betont Morhard. Momentan dominiere auf den Feldern eine Teilmechanisierung durch Erntehilfen. Das heißt: Anbauer setzen Maschinen ein, die zum Beispiel Folien anheben, damit die Arbeiter den Spargel stechen können. Das soll ihre Arbeit erleichtern.

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