Hausboote : Mein Haus direkt im See

Schwimmende Häuser vom Wohnhafen Scado im Geierswalder See
Schwimmende Häuser vom Wohnhafen Scado im Geierswalder See

Haustür auf und platsch ins Wasser: In Deutschland gibt es Häuser, die nicht auf Grund gebaut sind, sondern auf Gewässern treiben

svz.de von
19. August 2016, 05:00 Uhr

Vor dem Haus ist kein Auto, sondern ein Boot geparkt. Zur Tür führt ein Steg und auf der Dachterrasse ist es etwas wacklig: Nicht am – sondern im Wasser befinden sich diese Gebäude an der Grenze zwischen Sachsen und Brandenburg. Feriengäste beziehen ihre Zimmer, während kleine Boote auf dem Geierswalder See vorbeischippern. Schwimmende Wohnhäuser gibt es auch andernorts, noch sind solche Bauten in Deutschland aber selten. In dicht besiedelten Regionen, wo Wohnungsmärkte angespannt sind, könnte das Wasser nach Expertenmeinung aber zunehmend zur Ausweich-Option werden.

In der Lausitz gibt es seit einigen Jahren in gefluteten ehemaligen Braunkohle-Gruben an mehreren Stellen solche Bauten. Sie werden vor allem touristisch als Ferienhäuser genutzt, einige sind aber auch in Privatbesitz. Mit der Idee vom Wohnen auf dem Wasser sollte gezeigt werden, was bei der Renaturierung von Braunkohlerevieren möglich sein kann. Schwimmende Häuser sind eine Weiterentwicklung des Hausboots ohne Motor.

Im Geierswalder See stehen die fünf Häuser mit Obergeschoss und Dachterrasse auf Stahlpontons, die aus dem Wasser herausragen. Die Gebäude - viel Glas und nüchternes Design - sind an einer Steganlage an Pfählen befestigt. Unter Wasser verlaufen Leitungen, die die Häuser vom Festland mit Strom und Wasser versorgen und das Abwasser entsorgen. Die Nachfrage nach solchen Bauten ist da: Das Brandenburger Familienunternehmen Wilde Metallbau GmbH aus Massen hat als Entwickler und Bauer der Häuser nach eigenen Angaben mehrere Kaufinteressenten.

Das Preisniveau für ein schwimmendes Haus liege ungefähr zwischen 350 000 und 500 000 Euro.

Das passende Gewässer gibt es auch nicht überall. Und wer ein schwimmendes Haus bauen will, braucht offensichtlich einen langen Atem, denn es gibt bürokratische Hürden. Für jedes Haus sei eine Einzelgenehmigung notwendig, weil in den meisten Bauordnungen der Länder schwimmende Häuser nicht auftauchten, sagt Wissenschaftler Peter Strangfeld. „In den Behörden fragt man sich dann: Ist es ein Schiff oder ist es ein Haus?“

Seit Jahren untersucht Strangfeld vom Institut für schwimmende Bauten an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg das Potenzial des Wohnens auf dem Wasser. Bei hohem Wellengang kann es vorkommen, dass es ordentlich ruckelt in den rund 100 Quadratmeter großen Häusern im Geierswalder See, wie Strangfeld sagt. „Dann wackeln die Teller auf dem Tisch.“

Vorreiter seien die Niederlande, sagt der Wissenschaftler. „Da werden die Häuser am Fließband gebaut.“ Weil mit dem Rückbau von Dämmen Bauland verloren gehe, werde dort verstärkt nach Wohn-Alternativen gesucht. Auch in Deutschland werde der Markt anziehen, meint Strangfeld. „Noch sind die Häuser Exoten, aber es werden mehr hinzukommen.“ Als einen Grund nennt Strangfeld den steigenden Meeresspiegel durch den Klimawandel. Dadurch werde Bauland in Küstengebieten verloren gehen. Zudem seien in dicht besiedelten Städten und Regionen, wo Wohnraum schon jetzt knapp ist, Häuser auf dem Wasser eine zusätzliche Option.

Auch erneuerbare Energien spielen eine Rolle, denn die im Wasser gespeicherte Wärme könne für die Heizung in den Häusern genutzt werden. „Und im Sommer können sie mit dem Wasser gekühlt werden“, sagt Strangfeld. Im nächsten Jahr soll ein Gebäude, das sich mit Strom, Wärme und Wasser selbst versorgen kann, in einem See in Südbrandenburg entstehen.  

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen