Bahngipfel : Mehr Züge über die Grenze

Ministerpräsident Dietmar Woidke (r.) unterhält sich auf der Pressekonferenz mit Slawomir Zalobka, Staatssekretär im polnischen Infrastrukturministerium.
Ministerpräsident Dietmar Woidke (r.) unterhält sich auf der Pressekonferenz mit Slawomir Zalobka, Staatssekretär im polnischen Infrastrukturministerium.

Arbeitsgruppe der Deutschen Bahn und der Polnischen Staatsbahn will Schienenverbindungen verbessern

svz.de von
11. September 2015, 13:33 Uhr

Für Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) ist es ein „wichtiger Tag in den deutsch-polnischen Beziehungen“. Doch die Ergebnisse des ersten deutsch-polnischen Bahngipfels, der gestern auf Einladung Woidkes in der Potsdamer Staatskanzlei stattfand, bleiben am Ende eher bescheiden: Künftig soll sich eine gemeinsame Arbeitsgruppe der Deutschen Bahn und der Polnischen Staatsbahn um die Zukunft der Schienenverbindungen zwischen den Nachbarländern kümmern, kündigt Woidke an. Auch die Länder wollen sich daran beteiligen.

Bahnchef Rüdiger Grube wird da konkreter: Die Strecke von Berlin nach Stettin soll bis zum Jahr 2020 zweigleisig ausgebaut und elektrifiziert sein, die Fahrzeit soll sich auf 80 Minuten reduzieren. Zwischen Berlin und Breslau soll in der Zeit vom Mai bis Oktober 2016 ein direkter „Kulturzug“ fahren – dann ist Breslau bekanntlich europäische Kulturhauptstadt. Ob dieser Zug dann über Cottbus und Forst verkehrt, und damit den Laufweg des eingestellten Intercity „Wawel“ nimmt, ist nach Angaben von Grube aber unklar – denkbar wäre auch eine Verbindung über Dresden und Görlitz, die freilich eine gute halbe Stunde mehr Fahrzeit beanspruchen würde.

In Görlitz sollen schließlich noch in diesem Jahr die bisher in Zgorcelec endenden polnischen Regionalzüge in den Hauptbahnhof der Neißestadt geführt werden. Dadurch ergeben sich nach Angaben von Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tilich bis zu neun tägliche Umsteigeverbindungen zwischen Dresden und Breslau – drei Mal am Tag soll es künftig auch direkte Züge geben.

Und zwischen Berlin und Thorn sollen Regionalverbindungen eingerichtet werden.
Auf Nachfrage des „Prignitzers“ zeigte sich Bahnchef Rüdiger Grube auch offen für einen zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke zwischen Lübbenau und Cottbus. „Wir befürworten alles, was zweigleisig möglich ist“, sagte Grube. „Daran arbeiten wir.“

Der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enok Ferlemann, begrüßte den Ausbau des Eisenbahngrenzübergangs Horka. Dort entstehe eine Güterverkehrsstrecke, die für beide Staaten von großer Bedeutung sei.

Wasser in den Wein der Eisenbahner goss lediglich der Staatssekretär im polnischen Infrastrukturministerium, Slawomir Zalobka. Er verwies darauf, dass die Eisenbahn in Polen zwar eine große Bedeutung habe. Doch die Mittel für den Regionalverkehr seien um 80 Prozent gekürzt worden. Für Zugverbindungen wie der kürzlich eingestellten Nahverkehrslinie zwischen Frankfurt (Oder) und Posen habe man schlicht kein Geld mehr zur Verfügung.

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