Tierwohl : Mehr tun gegen qualvolle Fahrten

Kälber werden auf einem Lastwagen transportiert. Wurde dabei gegen den Tierschutz verstoßen, gingen die Verursacher bislang straffrei aus.
Kälber werden auf einem Lastwagen transportiert. Wurde dabei gegen den Tierschutz verstoßen, gingen die Verursacher bislang straffrei aus.

Mehrere Bundesländer haben aber bereits lange Tiertransporte in Länder außerhalb der EU gestoppt

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24. August 2020, 05:00 Uhr

In den vergangenen zwei Jahren sind mehr als 200 Verstöße gegen den Tierschutz bei Rindertransporten aus Brandenburg für die Verursacher straffrei geblieben. Neben 144 Belehrungen wurden lediglich zwölf Verfahren wegen Ordnungswidrigkeiten eröffnet. Zudem wurde eine Ordnungsverfügung erlassen, geht aus der Antwort des Potsdamer Verbraucherministeriums auf eine Anfrage aus der SPD-Landtagsfraktion hervor.

Den Angaben nach waren 2018 und 2019 insgesamt 1800 Rindertransporte zwischen EU-Mitgliedstaaten oder in Drittstaaten kontrolliert worden. Aus der Berichterstattung der Mitgliedstaaten gehe nicht hervor, in welche Staaten die Tiere geliefert wurden, hieß es.

In den Berichtsjahren kam es laut Ministerium zu 214 Verstößen gegen den Tierschutz. In 152 Fällen ging es um die Transportfähigkeit der Rinder, 33 Mal wurden das Raumangebot und in 15 Fällen die Transportfahrzeuge bemängelt. Bei neun Transporten wurden die Tiere nicht oder nicht ausreichend gefüttert und getränkt, die Beförderungsdauer überschritten und die Ruhezeiten nicht eingehalten.

Im Juni hatte die Tierschutzorganisation Vier Pfoten Anzeige gegen mehrere Brandenburger Veterinärämter wegen des Verdachts der Beihilfe zur Tierquälerei gestellt. Die Staatsanwaltschaften in Cottbus und Potsdam nahmen daraufhin Ermittlungen wegen Tierwohlgefährdung auf.

Vor einem Monat verständigten sich die Landkreise Oberspreewald-Lausitz, Teltow-Fläming und Prignitz, bis zur Klärung der Vorwürfe keine Rindertransporte in Drittstaaten abzufertigen.

Bereits im März hatte das Verbraucherministerium die Veterinärämter aufgefordert, keine langen Rindertransporte zu genehmigen, wenn Zweifel über Angaben der Fuhrunternehmen über die Versorgungsstellen bestehen. Mehrere Bundesländer hatten bereits zuvor Tiertransporte wegen des fehlenden Tierschutzes in bestimmte Nicht-EU-Länder untersagt. Da-raufhin war es zu vermehrten Abfertigungen über andere Bundesländer gekommen.

Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten erklärte, die Erlasse mehrerer Bundesländer über strengere Kontrollen der Tiertransporte seien ein klares Signal an die Bundesregierung. „Es muss eine umfassende Lösung gefunden werden, da die Transporte nicht an den EU-Ländergrenzen enden“, sagte Geschäftsführer Rüdiger Jürgensen. Langfristig müssten Tiertransporte aber durch Exporte von Fleisch sowie Genmaterial für Züchtungen ersetzt werden.

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