Sprache der Nachbarn wird immer beliebter : Mehr Schüler lernen Polnisch

Eine Lehrerin eines deutsch-polnischen Gymnasiums in Löcknitz trägt am deutsch-polnische Wörterbücher zum Polnisch-Unterricht.
Eine Lehrerin eines deutsch-polnischen Gymnasiums in Löcknitz trägt am deutsch-polnische Wörterbücher zum Polnisch-Unterricht.

Steigende Zuzüge aus Polen haben zu höheren Schülerzahlen im Land geführt. Aber auch mehr deutsche Kinder interessiert die Sprache

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22. Juni 2017, 05:00 Uhr

An Brandenburgs Schulen wird wieder mehr Polnisch gesprochen. Derzeit Schuljahr nehmen nach Angaben des Bildungsministeriums rund 2530 Schüler an polnischem Sprachunterricht in verschiedenen Formen teil. Das sind etwa 60 mehr als ein Jahr zuvor. Im Schuljahr 2012/2013 hatten noch 1730 Schüler die Sprache des Nachbarlandes an allgemein- und berufsbildenden Schulen gelernt - in den Jahren davor war die Zahl zurückgegangen.

Ein Grund für den Anstieg ist der Zuzug polnischer Familien. Laut amtlicher Statistik hat sich die Zahl der in Brandenburg lebenden Polen im Vorjahr um rund elf Prozent auf 16 410 erhöht. Damit nahm die größte Ausländergruppe im Land binnen zehn Jahren bis Ende 2016 um das zweieinhalbfache zu. Im laufenden Schuljahr sind in Brandenburg etwa 1270 Kinder und Jugendliche mit polnischer Staatsangehörigkeit gemeldet. 2012/2013 waren es erst 510. Besonders in der Uckermark haben sich viele Polen niedergelassen, wie die Sprachwissenschaftlerin Lena Fleck von den Regionalen Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie (RAA) Brandenburg beobachtet. „Brandenburgs Bildungssystem steht bei den Polen hoch im Kurs“, versicherten ihr Eltern polnischer Kinder immer wieder.

Polnisch wird in Brandenburg an 26 Schulen in verschiedenen Formen unterrichtet, darunter an elf Grundschulen und fünf Gymnasien. Als Muttersprache wird die Sprache vor allem Kindern angeboten, deren Eltern zu Hause Polnisch sprechen.

RAA-Projektleiterin Fleck koordiniert diesen Unterricht seit 2012 im Auftrag des Bildungsministeriums als freiwilliges Angebot. Voraussetzung ist eine Gruppengröße von mindestens zwölf Schülern. Die Lehrer haben oft selbst einen Migrationshintergrund. Laut Bildungsministerium gibt es in der Mark 70 Lehrkräfte mit polnischer Staatsangehörigkeit.

Maximal vier Stunden Unterricht in der Muttersprache pro Woche schließt sich dem regulären Stundenplan an. „Die emotionale Bindung der Kinder zur Schule steigt - und damit die Motivation, zu lernen“, so Fleck.

Polnisch als Begegnungssprache wird an vier Grundschulen in den ersten beiden Klassen vor allem deutschsprachigen Kindern angeboten. Von der dritten Klasse an wird die Begegnungssprache als Fremdsprache weitergeführt. Neben Polnisch gibt es an märkischen Grundschulen auch Sorbisch und Englisch als Begegnungssprache.

Als zweite oder dritte Fremdsprache steht Polnisch in Brandenburg an 15 Schulen aller Formen im Lehrplan - und wird verstärkt nachgefragt. Wie das Bildungsministerium auf eine Anfrage der Linken im Landtag mitteilte, gibt es mehr als 1700 Jungen und Mädchen, die Polnisch im Fach Fremdsprache lernen. Das sind etwa 130 mehr als im Schuljahr 2014/2015. Als erste Fremdsprache ist Polnisch an den 21 Europaschulen möglich. Über die Form des Unterrichts entscheiden die Schulen selbst. An acht Schulen des grenznahen Raumes fördert Brandenburg Polnisch-Arbeitsgemeinschaften.

Wie das Ministerium in der Antwort weiter mitteilt, wird in Frankfurt (Oder) derzeit ein Nachbarschaftssprachenkonzept angestrebt, das Schulpartnerschaften und Begegnungen junger Menschen aus beiden Ländern fördert. Voraussetzung dafür sei ein durchgängiges Sprachangebot von der Grundschule bis zum Schulabschluss.  

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