Waldarbeiter auf dem Abstellgleis : Mehr Fremdfirmen im Landeswald

Es gibt viel Arbeit  im Landesforst, aber nicht für überzählige eigene Mitarbeiter.
Es gibt viel Arbeit im Landesforst, aber nicht für überzählige eigene Mitarbeiter.

rotz Personalüberhangs setzt das Ministerium auf private Anbieter

von
26. Mai 2018, 05:00 Uhr

In Brandenburg gab es am Ende des Vorjahres 694 Waldarbeiter im Landesforstbetrieb. Bis 2020 soll die Zahl auf 219 sinken. Da weder Kündigungen ausgesprochen werden noch die Altersabgänge große Veränderungen bringen, gelten ab dem übernächsten Jahr 450 Landesmitarbeiter als sogenannter Überhang. Aus vergangenen Forstreformen mit ihren Abbauzielen sind noch 60 Waldarbeiter im Überhang. Das heißt, sie haben keine regulären Planstellen mehr.

Aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Abgeordneten Anke Schwarzenberg (Linke) geht hervor, dass jährlich für zwölf bis 13 Millionen Euro Fremdpersonal für Dienstleistungen im Landeswald eingekauft wird, die früher Waldarbeiter verrichteten. Bei der Holzernte liegt der Anteil inzwischen bei 83 Prozent, bei der Walderneuerung bei 51 Prozent – Tendenz steigend, heißt es im Agrarministerium. Die starke Nachfrage des Landes lässt auf dem Markt die Preise steigen.

Als Begründung für den hohen Anteil an Fremdleistungen wird in der Antwort auf mangelndes Arbeitskräftepotenzial im Landesbetrieb verwiesen, nicht auf fehlende Technik. Der Bund Deutscher Forstleute sieht die Berufsgruppe der Waldarbeiter im öffentlichen Dienst generell gefährdet. Landesvorsitzender Martin Krüger spricht von einem „völlig undurchdachten Konzept“, Leistungen einzukaufen und gleichzeitig eigenes Personal zu bezahlen, aber nicht einzusetzen. Er tritt der Behauptung entgegen, die Mitarbeiter seien zu alt und zu krank, um ihrem Beruf nachzugehen. Die letzten Waldarbeiter gehen laut Gewerkschaft 2037 aus dem Überhang in den Ruhestand.

Wolfgang Roick, umweltpolitischer Sprecher der SPD, sieht die Entwicklung äußerst skeptisch. „Es steht einer rot-roten Landesregierung nicht gut zu Gesicht, wenn sie die Aufgaben privatisiert“, sagte er. Zumal die Leistungen nach dem Mindestlohn ausgeschrieben werden. Roick fordert, dass in der Ausschreibung der Tariflohn festgeschrieben sein müsste. Zumindest die Neupflanzungen und die Hege des Waldes müssten von eigenen Angestellten, die einen Bezug dazu haben, betrieben werden, so Roick.

Schwarzenberg will sich dafür einsetzen, dass die Abhängigkeit von Privatanbietern nicht zu groß wird. Sie plädiert für einen Einstellungskorridor für junge Waldarbeiter. Im letzten Haushalt hatten sich SPD und Linke schon einmal darauf geeinigt, dann gingen die Stellen in letzter Minute an die Justiz.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen