Als Kulturgut erhalten : Mehr Förderung für Plattdeutsch

Doris Meinke von der Zentralstelle für Niederdeutsch unterrichtet Plattdeutsch in einer Prenzlauer Grundschule.
Doris Meinke von der Zentralstelle für Niederdeutsch unterrichtet Plattdeutsch in einer Prenzlauer Grundschule.

Die Sprache gilt mittlerweile als Bestandteil des von der Landesregierung geförderten Kulturerbes der Mark

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23. August 2019, 05:00 Uhr

Brandenburgs Landesregierung will Plattdeutsch in den kommenden Jahren verstärkt fördern. Es gebe „besonderen Handlungsbedarf“ bei der ressortübergreifenden Umsetzung der für Niederdeutsch übernommenen Verpflichtungen nach der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen. Das teilte das Kulturministerium in Potsdam auf eine Anfrage der Linken-Landtagsfraktion mit. Platt gehöre zu den Sprachen in Brandenburg, sei jedoch als aktiv genutztes Kommunikationsmittel „äußerst gefährdet“.

Als Beispiele nannte das Ministerium Bereiche wie Bildung, Justiz, Verwaltung und öffentliche Dienstleistungen, Medien und Kultur, ohne Details zu nennen. Bei der Förderung des Niederdeutschen stehe das Land noch am Anfang, sagte Ministeriumssprecher Stephan Breiding. „Ziel ist es, das, was in dieser Legislaturperiode begonnen wurde, fortzuführen und wenn möglich zu verbreitern.“ Dazu werde eine Arbeitsgruppe, die im Kulturministerium mit den brandenburgischen Platt-Sprechern und dem Verein für Niederdeutsch eingerichtet wurde, konkrete Themen besprechen. Als Beispiel nannte Breiding die Zusammenarbeit mit den Vertretern der Sorben und Wenden im Süden Brandenburgs.

Brandenburg hatte sich mit dem Beitritt Deutschlands zur Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen, 1999 verpflichtet, Niederdeutsch besonders zu fördern. Anfang 2018 hatten das Kulturministerium, der Verein für Niederdeutsch in Brandenburg und der Bundesrat für Niederdeutsch eine Vereinbarung unterzeichnet, in der sich das Land unter anderem verpflichtet, Mehrsprachigkeit und Sprachenvielfalt auszubauen.

Zu den noch offenen Vorhaben gehört, in einigen Ortschaften zweisprachige Ortstafeln in Hoch- und Niederdeutsch aufzustellen. Ein Erlass dazu liege vor, ein Anhörungsverfahren soll folgen, erklärte das Ministerium. Nach Angaben des Vereins für Niederdeutsch gibt es auf dem Bahnhof Prenzlau (Uckermarck) bereits ein zweisprachiges Schild. Das sei einmalig in Deutschland. Auf den beiden Bahnsteigen stehe hinter der amtlichen Stadtbezeichnung „Prenzlau“ in Niederdeutsch „Prentzlow“.

Der Verein unterhält mehrere Mitgliedsgruppen im Norden des Landes und in Jüterbog (Teltow-Fläming). Die dortige Gruppe widmet sich der Pflege von Fläming-Platt. Diese Sprache wurde von Siedlern aus Flandern vor rund 800 Jahren nach Brandenburg gebracht. Sie wird sie noch in einigen Fläming-Dörfern gesprochen.

Wie Vereinssprecherin Astrid Flügge sagte, sind zweisprachige Ortsschilder auch in Sewekow und Putlitz (beide Prignitz) beabsichtigt. In vier Grundschulen in Prenzlau und Templin (Uckermark) gebe es Unterrichtsangebote in niederdeutscher Sprache. „Ziel des Vereins ist es, diese Angebote auszuweiten.“ Bei einem Wettbewerb hätten Kinder aus Perleberg, Putlitz und Sewekow (alle Prignitz), aus dem Havelland und aus drei Prenzlauer Schulen mit Plattunterricht Mitte Juni auf der Landesgartenschau in Wittstock/Dosse Gedichte und Geschichten auf Platt vorgetragen. „Wie gelegentlich in der regionalen Presse sollte auch in überregionalen Medien Brandenburgs mehr über das Niederdeutsche berichtet werden“, so Flügge.

Das Kulturministerium fördert den Verein für Niederdeutsch in Brandenburg seit 2015 jährlich mit 50 000 Euro für eine Geschäftsstelle in Potsdam und für die Vernetzung der Mitgliedsgruppen. Seit 2018 erhalte der Bundesrat für Niederdeutsch pro Jahr 5000 Euro.

Mehrere tausend Euro flossen zudem in einzelne Vorhaben, so etwa für die Teilnahme Brandenburger Schüler an einem Vorlesewettbewerb auf Plattdeutsch in Sachsen-Anhalt.

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