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Kriminalität in Brandenburg : Mehr Cyberattacken auf kleine Firmen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

In Brandenburg registrierte LKA im vergangenen Jahr 837 Angriffe

svz.de von
erstellt am 06.Sep.2016 | 04:45 Uhr

Cyberkriminalität und Wirtschaftsspionage werden für Unternehmen zu einem immer größeren Problem. Jährlich müsse Deutschlands Ökonomie einen Schaden von 46 Milliarden Euro durch Cyberattacken verkraften, sagte der Chef der Landesinvestitionsbank Brandenburg (ILB), Tillmann Stenger, gestern in Potsdam. Das mache 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Knapp zwei Drittel der Angriffe richten sich aber nicht gegen große Industriebetriebe, sondern gegen kleine und mittlere Firmen, wie Mario Faßbender vom Verfassungsschutz Brandenburg erklärte.

Im Fadenkreuz stünden zumeist sogenannte „Hidden Champions“, mittelständische Betriebe mit einem Jahresumsatz von bis fünf Milliarden Euro, die in ihrem Segment zu den Top Drei ihrer Branche zählten, sagte Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD). Weltweit gebe es mehr als 2700 solcher Unternehmen, in Deutschland seien es allein 1600. Das Bundesamt für Verfassungsschutz habe den Eindruck gewonnen, dass diese mittelständischen Unternehmen das Problem unterschätzen, erläuterte Präsident Hans-Georg Maaßen. Deshalb startete gestern in Potsdam eine Infotour namens „Wirtschaftsschutz – Herausforderung für Unternehmen in Brandenburg“. Zusammen mit Landesbehörden sollen Betriebe sensibilisiert werden. Der Raum für Attacken habe sich durch die fortschreitende Digitalisierung massiv erweitert. „Unternehmen müssen jeden Zentimeter ihrer Infrastruktur schützen. Angreifern genügt dagegen nur ein Zentimeter ungeschütztes Terrain“, so Maaßen. Während in den 1990er Jahren vor allem Hacker hinter den Cyberattacken steckten, waren es in den 2000er Jahren Kriminelle, die mit Phishing-Attacken unterwegs waren. Seit 2008 brachten sich verstärkt ausländische Nachrichtendienste in Stellung, die durch Wirtschaftsspionage Defizite ihrer Industrie ausgleichen wollen. Besonders russische und chinesische Dienste stehen im Verdacht, so deutsches Wissen abzugreifen.

In Brandenburg wurden im vergangenen Jahr 837 Cyberattacken vom Landeskriminalamt registriert. 20 davon waren mutmaßlich von ausländischen Diensten gesteuert, hieß es. „Wichtig ist es, dass wir von jeder Attacke erfahren. Viele verschweigen diese aber aus Angst vor Imageverlust“, sagte Schröter. Wenn aber ausländische Nachrichtendienste involviert seien, können sich Firmen auch vertrauensvoll an den Verfassungsschutz wenden. „Wirklich jede Info ist für uns wichtig, um andere zu warnen und um reagieren zu können“, unterstrich Schröter.

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