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Brandenburg

26. September 2017 | 07:28 Uhr

Arbeitsmarkt : Mehr Azubis in Betrieben

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Firmen schließen wieder mehr Ausbildungsverträge ab, dennoch kein Grund zur Euphorie.

svz.de von
erstellt am 31.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Bei vielen Brandenburger Betrieben melden sich wieder mehr Bewerber für einen Ausbildungsplatz. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur.

So hatten die Mitgliedsbetriebe der Handwerkskammer (HWK) Potsdam Ende Juni bereits 479 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen – 26 Prozent mehr als noch im Vorjahreszeitraum, wie HWK-Sprecherin Ines Weitermann mitteilte. „Erstmals seit 17 Jahren weist unsere Lehrlingsrolle so viele neu abgeschlossene Ausbildungsverträge aus“, sagte die Sprecherin.

Ein Grund für die positive Entwicklung: Die Ausbildungsbetriebe schließen die Verträge mittlerweile frühzeitiger ab. Zudem zeigten sie sich offener als früher für Jugendliche mit Unterstützungsbedarf oder mit ausländischen Wurzeln sowie für Flüchtlinge, so Weitermann. „Die Firmen werben aktiv in der Region mit ihren Stärken und erkennen, wie wichtig ein all umfassendes Ausbildungsmarketing ist.“

Durch Praktika und Probearbeiten, Zusatzunterricht, finanzielle Hilfen beim Weg zur Arbeit, Führerscheinfinanzierung oder Qualifikationszuschüsse erreichten die Betriebe wieder mehr Ausbildungswillige. „Es ist auch davon auszugehen, dass die Sozialpartner bei der Vergütung in der nächsten Zeit mit Augenmaß verhandeln und die angespannte Ausbildungssituation berücksichtigen müssen“, so Weitermann. Obwohl die Zahlen Grund zu vorsichtigem Optimismus gäben, seien im Kammerbezirk nach wie vor 623 Ausbildungsplätze in 55 verschiedenen Berufen nicht besetzt. Die meisten freien Stellen gebe es im Kfz-, Metall- und Elektrobereich. „Zudem bleibt abzuwarten, wie viele Auszubildende wirklich antreten“, betonte Weitermann. Etwa genauso viele freie Plätze in eben diesen technischen Berufen weist aktuell auch die Lehrstellenbörse der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus für Südbrandenburg aus. „Die meisten freien Stellen gibt es für Industriemechaniker, Mechatroniker und Elektroniker für Betriebstechnik“, berichtete IHK-Sprecher Nils Ohl. „Rein rechnerisch gibt es schon jetzt nicht mehr genügend an einer Ausbildung interessierte Schulabgänger, um den Bedarf der Unternehmen zu decken.“

Problem: Zu viele wollen studieren

Für die Wirtschaft zeichnet sich bislang ein eher ernüchterndes Bild. Einerseits habe sich die Zahl der Absolventen allgemeinbildender Schulen binnen zehn Jahren mehr als halbiert. Andererseits drohe das gestiegene Interesse der Schulabgänger an einem Studium das duale Ausbildungssystem auszuhöhlen, erläuterte Ohl. Obwohl die Kommunen den Mangel an Bewerbern für eine Ausbildung derzeit noch nicht spürten, werde auch dort mit Sorge auf den Trend zum Studium geblickt, sagte der Geschäftsführer des Kommunalen Arbeitgeberverbands, Klaus-Dieter Klapproth. „Dann klafft irgendwann eine Lücke zwischen den Generationen.“

Die Landeshauptstadt Potsdam hat als kommunaler Arbeitgeber derzeit wenig Grund zur Klage. „Es sind keine Plätze für Lehrlinge mehr frei“, sagte Stadtsprecher Jan Brunzlow. Die meisten Bewerber habe es mit 139 für die Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten gegeben. „Wir garantieren eine hohe Qualität der Ausbildung und haben zum Ziel, jeden Auszubildenden anschließend zu übernehmen.“

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