Innovation in der Wirtschaft : Mehr als ein Seecontainer

Keine Sorgen um die Wertsachen: Konzertbesucher vor einer der neuen Schließfachanlagen in einem umgebauten Seecontainer.
Keine Sorgen um die Wertsachen: Konzertbesucher vor einer der neuen Schließfachanlagen in einem umgebauten Seecontainer.

Junger Unternehmer aus dem Landkreis Oder-Spree rüstet die Stahlkästen zu Pools und mobilen Bühnen um.

svz.de von
09. August 2016, 04:45 Uhr

Was passiert eigentlich mit ausrangierten Seecontainern? Ein junger Unternehmer aus Brandenburg findet die Stahlkästen zu schade zum Verschrotten und baut sie zu Pools, mobilen Bühnen und Schließfachanlagen für Musikfestivals um.

Steffen Tröger hat mit seinen 29 Jahren beruflich schon einiges gemacht. In der Immobilienwirtschaft war er, als Unternehmensberater hat er gearbeitet, und zuletzt wollte er eigentlich in BWL seinen Doktor machen. Aber vor einem Jahr merkte der aus Woltersdorf (Oder-Spree) stammende Mann, dass er doch gern etwas zum Anfassen erschaffen würde. „Ich habe schon immer gern gebaut“, sagt er. Und so landete er bei der Idee, Seecontainer aufzuarbeiten und dann auf eine völlig andere Art zu nutzen.

Die besondere Anmutung jener mächtigen Stahlkästen, wie sie das Bild auf den großen Häfen prägen, hat es ihm angetan. „Mir war schnell klar, dass es viele neue Nutzungsmöglichkeiten für sie gibt. Das besondere Design von Seecontainern allein ist bereits ein Hingucker.“ Er gründete die Firma BigBoxBerlin, als Büro dient seine Altbauwohnung in Berlin-Friedrichshain, und entwickelte innerhalb weniger Monate mit einigen Mitstreitern zunächst den Plan, den Veranstaltern von Musikfestivals Schließfächer für die Wertsachen der Besucher anzubieten.

Offenbar eine gute Idee. Die Veranstalter bekundeten Interesse, Tröger kaufte in Hamburg gebrauchte Container, baute sie mit Unterstützung von Zulieferern zu zwei mobilen Schließfachanlagen mit je knapp 800 Fächern um und lässt sie jetzt Wochenende für Wochenende mit dem Lastwagen zu den großen Musikfestivals in der Bundesrepublik transportieren. Wer will, kann für 20 bis 30 Euro ein Schließfach mieten, jeweils mit einer eigenen Steckdose inklusive, für das Laden des Smartphones.

Trögers Angebot sprach sich in der gut vernetzten Festival-Szene schnell herum, immer mehr Anfragen gab es. Schon im ersten Jahr stehen seine „SafeBOXen“ nun auf insgesamt 20 Festivals. Wenn der junge Unternehmer zurückblickt, waren die vergangenen Monate von viel Arbeit geprägt. „Das gesamte Team und ich haben nicht so viel geschlafen“, sagt er lachend. Eine mittlere sechsstellige Summe haben er und seine Mitstreiter bislang investiert – größtenteils zusammengekratzt aus Ersparnissen und Darlehen von Freunden und Verwandten.

Es soll nur der Anfang sein. „In den Seecontainern steckt noch so viel mehr“, schwärmt Tröger. So gibt es bereits den Prototypen für einen Swimmingpool sowie eine mobile Bühne. Eine Reitsportbox, um zum Beispiel teure Sättel auf dem Pferdehof vor Dieben sicher aufzubewahren, schwebt ihm vor, ebenso ein mobiler Verkaufsstand im Seecontainer-Look. Auch kleine Wohnhäuser von 15 bis 30 Quadratmetern sind bereits in Planung.

„Mein Ziel ist die Serienfertigung“, sagt der Unternehmer selbstbewusst. Was zum Beispiel für einen Erfolg der PoolBOXen spreche, sei neben dem unverwechselbaren Design der schnelle Aufbau auf dem Grundstück und die Chance, die umgerüsteten Container irgendwann einmal weiterzuverkaufen. „Einfach aufladen und woanders wieder abstellen“, sagt der Entwickler.

Wie viel ein solcher Pool dann einmal kosten soll, kann er noch nicht sagen. Viele verschiedene Komponenten müssten von Zuliefern eingekauft und für die Boxen angepasst werden. Tröger vermutet aber, dass er am Ende bei einem Verkaufspreis zwischen 20 000 und 25 000 Euro für einen Pool landen wird. „Wo ich die Idee auch vorstelle, das Interesse ist immer groß“, sagt er. Auch von Leuten, die seine Boxen auf Festivals gesehen haben, bekommt er viele Anrufe. „Sie fragen mich, ob man aus den Containern nicht auch dies oder das machen kann.“

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