Unternehmen in Potsdam : Mehlwürmer für Bellos Napf

Würmchen aus der Tüte: Sabrina Jaap und Kathrin Kühn gehören zum Potsdamer Team TeneTrio. Sie stellen Hundesnacks mit Insekteneiweiß her.
Würmchen aus der Tüte: Sabrina Jaap und Kathrin Kühn gehören zum Potsdamer Team TeneTrio. Sie stellen Hundesnacks mit Insekteneiweiß her.

Drei junge Frauen entwickeln Leckerli für Hunde. Eine besondere Zutat soll Ressourcen sparen.

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29. Dezember 2017, 10:00 Uhr

Hunde mögen den Geschmack von Wacholder nicht. Aber: „Rosmarin kam gut an“, erzählt Sabrina Jaap. Also gibt es die Tenepops jetzt auch mit Rosmarin. Tenepops sind ein Snack für Hunde, ein besonderer. Er enthält Eiweiß aus Mehlwürmern. Hergestellt wird das Leckerli von dem Potsdamer Startup TeneTrio. Das Hunde-Popcorn gibt es inzwischen in vier Geschmacksrichtungen: Reis, Mehlwurm oder Kartoffel, Mehlwurm naturell oder zusätzlich noch mit Rosmarin gewürzt. Manche Hundebesitzer, erzählt Sabrina Jaap, wollten etwas mehr Abwechslung für ihre Lieblinge.

Hundesnacks mit Insekteneiweiß – mit dieser Geschäftsidee haben sich die Unternehmerinnen Sabrina Jaap, Ina Henkel und Kathrin Kühn selbstständig gemacht. Ina Henkel und Kathrin Kühn haben Ernährungswissenschaft in Potsdam studiert. Die Idee zum Mehlwurm-Snack entstand auf Dienstreisen nach Thailand, Laos und Vietnam. Dort gibt es Heuschrecken oder frittierte Käfer an jeder Straßenecke, als knackigen Imbiss. Allerdings lässt sich die Idee nicht einfach nach Deutschland importieren – für die menschliche Ernährung oder Nutztiere sind Insekten nicht ohne weiteres erlaubt.

Die Zulassungsbestimmungen sind kompliziert. Doch eine Ausnahme gibt es: Heimtiere. Sie dürfen Würmer problemlos fressen. Deshalb entschlossen sich die drei Gründerinnen für Futternapf statt Teller. Unter dem Namen Tenepops bieten sie ihren Hundesnack an, mit rund 20 Prozent Mehlwurmanteil darin. Es soll ein schlanker Snack sein: Ein Stück enthält weniger als eine Kilokalorie. „Adipositas ist ein häufiges Phänomen bei Hunden“, sagt Sabrina Jaap.

Die Larven stammen aus niederländischen Zuchten. Die Potsdamer Firma kauft sie ein und lässt sie dann noch zwei bis drei Wochen in speziellen Boxen wachsen. Die Würmchen werden mit Vollkornmehl gefüttert, mit Bioäpfeln und Möhren. Damit sie gesund wachsen, brauchen auch Mehlwürmer gute Bedingungen. 26 Grad Raumtemperatur sind optimal. Und eine bestimmte Luftfeuchte muss eingehalten werden. Sie werden dann durch Abkühlen abgetötet und anschließend extrudiert, also für kurze Zeit unter hohem Druck erhitzt. Das Ergebnis ist ein eiweißreiches Mehl. Die Mehlwurmaufzucht befindet sich derzeit noch in einem Potsdamer Institut, mit dem die drei Gründerinnen zusammenarbeiten. Und ihre Massentierhaltung läuft in eher kleinem Maßstab – etwa 20 Kilo Mehlwurm verarbeiten sie pro Woche. Gegenwärtig, erzählt Sabrina Jaap, die Managerin im Team, macht das Gründertrio noch viel selbst – von Wurmehlproduktion bis zum Eintüten der Snacks. Sie werden in 75 Gramm Tüten für 4,99 auf der Firmenwebseite verkauft.

Doch das kleine Unternehmen will wachsen. Die Produktion soll größer werden mit weniger Handarbeit und mehr Automatisierung. „Wir möchten ein nachhaltiges Unternehmen aufbauen“, sagt Sabrina Jaap. Denn Würmer bräcuhten weniger Ressourcen als zum Beispiel Rinder.

Der wechselwarme Mehlwurm muss keine Energie für die Aufrechterhaltung einer bestimmten Körpertemperatur aufwenden. Er kann statt dessen das, was er an Nahrung aufnimmt, in Nachwuchs und Wachstum stecken. Und verwerten lässt sich der Wurm komplett. Sein Eiweiß sei genauso wertvoll wie das von Schwein oder Rind, meint die 28-jährige Perlebergerin. Ihre Firma haben die drei Frauen mit Hilfe des EXIST-Gründerstipendiums aufgebaut. Damit ließen sich Personal- und Sachkosten ein Jahr lang bezahlen. „Das ist ein unglaublich guter Weg, um relativ risikofrei zu sehen, ob man gründen möchte“, sagt Sabrina Jaap, die Ökonomin im Team.

Bis zum Frühjahr läuft diese Förderung noch, dann braucht das Trio eine Anschlussfinanzierung – etwa eine Million Euro, für Maschinen, für Personal. Die Würmer will das Unternehmen künftig von Anfang an selbst züchten – um die Qualität ihres Rohstoffs in den Händen zu behalten. Und weitere Händler sollen als Abnehmer gewonnen werden. Ihre Kunden sehen die Produzentinnen vor allem in Hundehaltern, die Wert auf Nachhaltigkeit und Gesundheit legen – auch beim Haustier. Das Unternehmen wirbt damit, dass weder Zucker noch Zusatzstoffe in ihren Snacks stecken.
Mögen es die Hunde? Bei 80 Prozent der Vierbeiner vom Chihuahua bis Rottweiler sind die Pops akzeptiert, sagt Sabrina Jaap. Vor allem die auf Kartoffelbasis kommen gut an. „Kartoffeln kennen Hunde meist vom Geruch her“. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Reissnacks etwas knackiger sind, und der Hund hier kräftiger zubeißen muss. Über den Vierbeiner haben die drei – übrigens hundelosen – Unternehmerinnen aber auch die Halter nicht vergessen.

Im kommenden Jahr lockern sich die Zulassungsbedingungen für Insekten in der menschlichen Ernährung. TeneTrio hat das ursprüngliche Ziel nicht aus dem Blick verloren: Insekten irgendwann auch auf den Teller zu bringen.

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