Facebook : Medialer Rückzug der freien Kräfte

Freie Kräfte aus der Region bei einer fremdenfeindlichen Demonstration in Glöwen
Freie Kräfte aus der Region bei einer fremdenfeindlichen Demonstration in Glöwen

Rechtsextreme dementieren Kontakte nach Nauen – und verschwinden online

svz.de von
10. März 2016, 05:00 Uhr

Der Facebook-Auftritt der rechtsextremen „Freien Kräfte Neuruppin/Osthavelland“ ist am Wochenende aus ungeklärten Gründen verschwunden. Zuletzt erschien ein Beitrag, in dem sich die Freien Kräfte von der in Nauen ausgehobenen Neonazi-Zelle distanzierten. „Zu keinem Zeitpunkt“ habe sich der mutmaßliche Haupttäter, der NPD-Stadtrat und Kreistagsabgeordnete Maik Schneider, im Umfeld der Freien Kräfte „aufgehalten oder politisch betätigt“. Verwiesen wird auf die Kampagne zum „Tag der deutschen Zukunft“ (TddZ), an dessen Abschlusskundgebung am 6. Juni 2015 600 Rechtsextreme aus dem gesamten Bundesgebiet teilnahmen. „Der Beschuldigte war dort zu keiner Werbeveranstaltung anzutreffen“, hieß es auf Facebook.

Ein Szenekenner entgegnete auf Facebook, dass im TddZ-Vorfeld alle Demonstrationen in Nauen „im Grunde Werbeveranstaltungen“ genau dafür waren. Schneider sei in verschiedener Funktion immer wieder dabei gewesen – als Anmelder, Kontaktmann zur Polizei oder Bereitsteller von Technik. Unter den Rednern hätten sich stets Vertreter der Freien Kräfte befunden.

Das deckt sich mit Angaben anderer Beobachter. Markus Klein vom Mobilen Beratungsteam Potsdam nannte die Behauptung, Schneider und die Freien Kräfte hätten nichts miteinander zu tun gehabt, „Blödsinn“. Schneider und Aktive der Freien Kräfte seien sehr wohl auf den gleichen Veranstaltungen aufgetreten.

Schneider gilt als Kopf der rechten Terrorzelle von Nauen, die Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) als rechte Stadtguerilla bezeichnete. Spätestens 2013 wurde Schneider nachgesagt, Mitglied der Freien Kräfte zu sein. Dementiert wurde dies erst nach dem Brandanschlag auf eine Nauener Turnhalle, die als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden sollte.

Die „Freien Kräfte Neuruppin“ traten erstmals 2009 in Erscheinung – noch ohne Zusatz Osthavelland. Das änderte sich mit zunehmender Vernetzung mit der rechtsextremen Szene in Nauen. Im Bericht für 2014 bezeichnete der Verfassungsschutz die Freien Kräfte als „aktivste rechtsextremistische Gruppierung der Region westliches Nordbrandenburg“. Neben Neuruppin wurde Nauen als Standort der rund zehnköpfigen Gruppe genannt.

Die engen Beziehungen von Neonazis beider Städte wurden im Februar 2015 deutlich. 100 Rechtsextreme sabotierten eine Sitzung der Nauener Stadtverordneten zur Unterbringung von Flüchtlingen. Der Neuruppiner NPD-Stadtverordnete Dave Trick – Mitglied der Freien Kräfte – trat als Redner auf, Schneider peitschte nach Zeugenberichten die Stimmung auf.

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