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Kriminalität : Massive Schäden in den Solarparks

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

2016 bereits über 20 Übergriffe. Pro Attacke rechnet Landeskriminalamt mit einer Schadenssumme von 50 000 Euro

Zusammen mit polnischen Ermittlern fahndet die Brandenburger Polizei verstärkt nach Diebesbanden, die es auf Solarmodule abgesehen haben. „Zwei große Schläge sind uns zusammen schon gelungen“, sagte Frank Adelsberger vom Brandenburger Landeskriminalamt (LKA). Vor einem Jahr wurde eine achtköpfige Bande ausgehoben. Im März ging den Ermittlern ein Sextett ins Netz.

Insgesamt häuften sich die Übergriffe auf märkische Solarparks. Im vergangenen Jahr zählte die Polizei mehr als 60 Übergriffe. In diesem Jahr waren es schon mehr als 20. Dabei richten die Täter massive Schäden an. Pro Attacke rechnet Adelsberger mit einer Summe von mindestens 50 000 Euro. „Die Täter gehen nicht zimperlich vor. Sie spähen das Ziel vorher genau aus“, erklärt der LKA-Dezernatsleiter für Organisierte Kriminalität. Dabei sei es ihnen fast egal, wie die Solarparks gesichert seien.

Als Reaktion wurde im August 2015 am LKA die Ermittlungsgruppe „Helios“ gegründet. Federführend bearbeiten fünf Beamte sämtliche größeren Attacken und stimmen sich mit ihren polnischen Kollegen ab. Die guten Kontakte zur polnischen Polizei in die Nachbarregion Lebuser Land stammen aus gemeinsamen Aktivitäten der Behörden gegen Autoschieberbanden. Beide Länder hatten 2013 zusammen ein „Joint Investigation Team“ gegründet. „Da haben wir Hand in Hand schon sehr gute Erfolge erzielt.“

Auf einer Feier in Zielona Gora (Grünberg) kamen die Ermittler ins Gespräch. „Wir haben da einen in Haft, der uns etwas von Angriffen auf deutsche Solarparks erzählt hat“, habe ein Ermittler der polnischen Polizeieinheit CBSP berichtet. „Da haben wir natürlich genau zugehört und mit den Kollegen gemeinsame Sache gemacht“, erinnert sich Adelsberger. In der Folge ging den Fahndern eine achtköpfige Diebesbande ins Netz, denen Solarmoduldiebstähle nachgewiesen werden konnten. Im März dieses Jahres wurden sechs Täter auf frischer Tat in Hessen gefasst. „Das hätten wir ohne die Beobachtungen unserer polnischen Kollegen nie geschafft“, betont der Kriminaloberrat.

Seitdem halten sich Deutsche und Polen über aktuelle Erkenntnisse auf dem Laufenden. So haben CBSP-Ermittlungen ergeben, dass insbesondere polnische Diebesbanden aus dem Raum Zielona Gora sich auf den Solarmodul-Klau in Brandenburg und ganz Deutschland spezialisiert haben. Der LKA-Mann vermutet in dieser Region noch sieben bis neun solcher Banden.

In Polen bestehe eine starke Nachfrage, da die Solarindustrie vom Staat stark gefördert werde. „Deshalb wird mittlerweile nicht mehr auf Bestellung, sondern auf Vorrat geklaut. Dabei wissen die Täter genau, welche Modelle sie besorgen müssen“, berichtet der Dezernatsleiter. Den Banden gelinge es über ein weit verzweigtes Hehlersystem, ihr Diebesgut mit legalen Papieren zu versehen und so in den regulären Markt zu bringen.

Bei den Tätern, die auf Beutezug in Deutschland gehen, handele es sich zum Teil um junge Polen, die sich zum Studium oder Lehre etwas dazuverdienen wollen. Oft werde ihnen vorgegaukelt, dass es sich bei diesen Übergriffen um Kavaliersdelikte handele.

Schwierig sei es auf der Justizebene. Zwischen Elbe und Oder gebe es vier Landgerichtsbezirke. Da werde es schwer, Verfahren, die auf das Konto gleicher Tätergruppierungen gehen, zusammenzufassen. Versuche, eine Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Solarmoduldiebstähle einzurichten, seien bislang gescheitert. „Ich sehe hier dringenden Handlungsbedarf“, sagte der Dezernatsleiter. Über die Landesgrenzen hinaus sei es noch viel schwerer, konzertierte Aktionen auf die Beine zu stellen.

Georg-Stefan Russew

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erstellt am 18.Mai.2016 | 05:00 Uhr

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