zur Navigation springen

Digitalisierung im Wald : Maßarbeit mit Drohne

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Von der Holzvermessung über die Schädlingsbeobachtung bis zur Logistikkette – willkommen im Forst 4.0.

svz.de von
erstellt am 09.Sep.2017 | 05:00 Uhr

Die Forstwirtschaft ist bislang kaum für ihre Affinität zu moderner IT-Technik bekannt. Doch tatsächlich hat die Digitalisierung im Wald längst Einzug gehalten. Und Experten sehen eine Fülle weiterer Einsatzmöglichkeiten für Computertechnik unter Bäumen.

Bodo Oehme hat ein Sicherheitsproblem. Und zwar die vielen Bäume im Gemeindegebiet von Schönwalde-Glien (Havelland). Als Bürgermeister ist Oehme mitverantwortlich dafür, dass morsche Äste an Straßen und in Parks entfernt werden. „Autofahrer, Radfahrer, Jogger und Walker – bei uns sind viele Leute unterwegs“, erzählt Oehme.

Damit niemand von herunterfallenden Ästen verletzt wird, begutachten Experten der Gemeinde regelmäßig den Zustand der Bäume. Bodo Oehme hat nun von Experten seines Hauses ein computergestütztes System für die Baumschauen entwickeln lassen. „Jeder Befund wird draußen an einem Tablet-Computer aufgenommen und automatisch an die Rechner im Büro übertragen“, erzählt der Bürgermeister. In einem zweiten Schritt erinnere das System die Verantwortlichen stets daran, wann und wo die nächsten Kontrollen fällig sind.

Bürgermeister Oehme ist überzeugt, dass diese IT-Lösung auch für andere Kommunen interessant sein könnte. Deshalb wird er sie am 27. und 28. September auf dem bundesweit ersten IT-Gipfel der Forstwirtschaft im Märkischen Ausstellungszentrum Paaren im Glien vorstellen. Das Kuratorium für Waldarbeit und Waldtechnik (KWF) lädt an dem Wochenende Experten aus ganz Deutschland dazu ein, sich über die Potenziale der Forstwirtschaft 4.0 auszutauschen.

Für Johannes Röhl, Vize-Chef des vom Bund und den Ländern finanzierten Vereins, gehen die Möglichkeiten der Digitalisierung im Wald bei der obligatorischen Inventur los und reichen über die Vermessung von Holz-Stapeln und der Beobachtung von Baumschädlingen bis zur Verbesserung der Logistikkette bei der Holzernte und der schnelleren Reaktion auf mögliche Unglücke bei der Waldarbeit. „Leider ist das Fällen von Bäumen immer noch mit Risiken behaftet. Es sind nun zumindest technische Alarmsysteme vorstellbar, die die Rettungskette schnell in Gang setzen“, sagt Röhl.

Die Brandenburger Forstwirtschaft sei in wichtigen Feldern bereits digitalisiert, wie der zuständige Minister Jörg Vogelsänger (SPD) am Donnerstag bei der Vorstellung diverser Projekte mit Blick auf den IT-Gipfel Ende September im Havelland betonte.

Die Anschaffung einer leistungsfähigen Drohne, um in regelmäßigen zeitlichen Abständen die Verbreitung von Waldschädlingen zu kontrollieren, stehe unmittelbar bevor. Deren Fotos seien viel genauer als Satellitenbilder, auf die man derzeit zurückgreife. Zudem wird bereits drei Viertel des geschlagenen Holzes in märkischen Wäldern digital vermessen. Dafür wurden drei Fahrzeuge mit modernen Kameras auf dem Dach ausgestattet. Im Vorbeifahren an den üblichen Holzstapeln im Wald, Polter genannt, werden Fotos gemacht, aus denen ein Computer noch im Auto die Holzmenge errechnet und die Daten sogleich weiterverarbeitet und verschickt. Das Bundes-Eichamt hat grünes Licht für diese Mess-Methode gegeben.

Schöner wäre es indes, wenn es noch einfacher ginge – also ohne Auto mit Spezialausrüstung. Daran forscht derzeit die Hochschule für nachhaltige Entwicklung (HNE) in Eberswalde. Stuart Krause, Mitarbeiter der Hochschule, ließ am Donnerstag zu Demonstrationszwecken eine handelsübliche Drohne über einem Holz-Polter kreisen. Auch hier lautet das Ziel: Fotos machen und daraus das Volumen berechnen. Noch gebe es allerdings unter anderem offene rechtliche Fragen mit Blick auf den Drohneneinsatz im Forst-Alltag, wie HNE-Experte Stuart Krause erklärte.

Die HNE wird bei der IT-Leistungsschau der Forstwirtschaft mit weiteren Projekten präsent sein. Unter anderem stellt die Schule einen Wachstumssimulator insbesondere für Kiefernbestände vor, der im Zusammenhang mit dem Waldumbau auftauchende Fragen klären könnte. 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen