Nachwuchs-Biologin : Marthes Edelkrebse

Die Schülerin Marthe kümmert sich um Edelkrebse. Einen davon hält die 17-Jährige auf ihrer Hand.
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Die Schülerin Marthe kümmert sich um Edelkrebse. Einen davon hält die 17-Jährige auf ihrer Hand.

Sie scheut weder Dreck noch Mücken: Nachwuchs-Biologin erforscht seltene Tierart und erhält Jugendnaturschutzpreis

svz.de von
13. Juni 2016, 12:00 Uhr

Der nur etwa drei Zentimeter kleine Edelkrebs kneift mit seinen winzigen Scheren beherzt in den Daumen von Marthe Stein. Die 17-Jährige zuckt nicht einmal. Den teilweise schmerzhaften Umfang mit Krebsen ist sie gewohnt.

Barfuß und umschwärmt von Mücken steht sie im Uferschlamm eines kleinen, versteckten Waldsees in der Uckermark, mustert das kleine Tier prüfend, bevor sie es zurück ins Wasser setzt. „Sie sind also noch da“, sagt Marthe, die wegen ihres Engagements für die Tiere in diesem Jahr mit dem Jugendnaturschutzpreis des Landes Brandenburg ausgezeichnet worden ist.

Der Bestand der Edelkrebse ist extrem gefährdet, nicht nur in der Uckermark, wie Norbert Bukowsky vom Templiner Regionalverband des Naturschutzbund Deutschland (Nabu) erklärt. Schuld daran seien in erster Linie amerikanische Flußkrebsarten, die die Krebspest übertragen, selbst aber nicht daran erkranken. „Diese Arten wurden vor etwa 100 Jahren hier ausgesetzt – ohne Rücksicht auf die Folgen“, sagt Bukowsky, der seit Jahren Wiederansiedlungsprojekte betreut. In nur noch drei bis vier Seen der gewässerreichen Uckermark gebe es Edelkrebse.

Seit dem vergangenen Jahr engagiert sich auch Marthe für das Projekt. Sie hat die Betreuung mehrerer Seen in der Umgebung übernommen, sie kartiert genau und untersucht, denn: „Wo bereits amerikanische Flusskrebse vorkommen, brauche ich den Edelkrebs gar nicht erst wieder ansiedeln.“ Gemeinsam mit Bukowsky und anderen Umweltschützern hat die 17-Jährige in zwei der von ihr untersuchten Gewässer im vergangenen Jahr junge Edelkrebse aus einer Zuchtstation ausgesetzt. Sie leben immer noch dort, wie Marthes Stichproben jetzt zeigen. „Diese Seen haben keinen Zu- oder Ablauf, es gibt dort kaum Angler. Die Gewässer dürfen nicht zu flach sein und müssten am Ufer steile Böschungen haben, in die Edelkrebse ihre Wohnhöhlen graben“, sagt die Nachwuchs-Biologin.

„Marthe brauchte ich nicht groß anzuleiten. Sie ist sehr selbstständig und gewissenhaft“, lobt Krebsexperte Bukowsky, der seine junge Helferin ermunterte, ihre schulische Seminararbeit zum Thema Edelkrebse für den Wettbewerb einzureichen. „Ich war mir sicher, dass sie gute Chancen hat.“

Das kann Marc Thiele von der Stiftung Naturschutzfonds, der den Preis alle zwei Jahre auslobt, nur bestätigen. „Marthe ist sehr schlau, ihr Bewusstsein für den Artenschutz auch unpopulärer Tiere vorbildlich“, sagt er. Dass sie Biologie studieren möchte, verwundert da wohl niemanden. „Dass liegt bei uns gewissermaßen in der Familie“, erzählt Marthe lächelnd. Der Vater ist Förster, die Mutter Tierärztin, der ältere Bruder studiert bereits - Biologie.

Gerade hat die erst 17-Jährige ihr Abitur gemacht, mit einem Notendurchschnitt von 1,0. Zum Studieren zieht es das Mädchen nicht in die Großstadt, sondern nach Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern. Die Uni sei nicht so groß, „so dass Du tatsächlich noch persönlichen Kontakt zu Deinem Professor hast“,, sagt Marthe. Doch auch die Stadt selbst gefalle ihr und natürlich deren Lage an der Ostsee.

Gewässerökologie interessiere sie besonders, erklärt die 17-Jährige und erklärt: „Ich angele seit ich sieben Jahre alt bin, habe seit Jahren ein Aquarium und fühle mich auf dem und im Wasser wohl.“ Marthes nächstes Vorhaben: den Tauchschein machen. Denn nach dem Bachelor in Biologie kann sie sich später auch einen Masterabschluss in Meeresbiologie vorstellen.

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