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Theater des Lachens : „Man muss um das Publikum kämpfen“

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Das Frankfurter Theater des Lachens feiert seinen 25. Geburtstag und startet mit dem 7. „Osthafen“-Festival in die neue Saison

svz.de von
erstellt am 16.Sep.2017 | 12:00 Uhr

In der Nachfolge des Staatlichen Puppentheaters wurde vor 25 Jahren das Frankfurter Theater des Lachens (TdL) gegründet. Es ist die einzige professionelle Puppenbühne Brandenburgs. Theaterchef Torsten Gesser sprach mit Stephanie Lubasch über das Jubiläum – und über das „Osthafen“-Festival“, mit dem jetzt die neue Spielzeit eröffnet wird.

Herr Gesser – 25 Jahre Theater des Lachens: Können Sie sich noch an Ihre erste Begegnung mit dem Haus erinnern?

Das muss Ende der 90er-Jahre gewesen sein. Damals war ich als Puppenspieler am Berliner Weiten Theater, und wir machten eine Koproduktion mit Frankfurt. Im Vorfeld hatte ich die Bühne bereits durch Gastspiele erlebt. Es war ein schönes Theater mit viel Potenzial, netten Leuten, in einer mittelgroßen Kleinstadt.

Was hat Sie dann dazu bewogen, sich um die Leitung des Hauses zu bewerben?

Als die Stelle 2006 ausgeschrieben wurde, hat mich das einfach gereizt. Ich kannte das Haus ja schon etwas. Da es zu diesem Zeitpunkt auf der Kippe stand, habe ich es als Herausforderung empfunden, es zu lenken.

Was waren anfangs die größten Hürden?

Es war doch nicht so einfach, wie ich dachte, dass, wenn man gutes Theater macht, auch gleich die Leute strömen. Man muss um das Publikum in dieser Stadt kämpfen, das ist auch heute noch so. Die erste Hürde war zudem, sich mit den anderen Kulturträgern zu vernetzen, die Fahne gemeinsam hochzuhalten und auch in der Politik für das Selbstverständnis zu werben, dass dieses Haus in die Stadt gehört. Es gab ja immer wieder Debatten um Einsparungen. Aber jeder Euro, der hier gespart wird, fehlt uns.

Wie steht das Haus denn derzeit da?

Ich würde behaupten, das Theater hat eine finanzielle Situation erreicht, mit der wir gut umgehen können. Natürlich reicht das Geld nie – das spiegelt sich auch in den Gehältern derer wider, die hier arbeiten. Da muss man schon eine Menge Idealismus haben. Aber: Wir haben eine stabile Situation erreicht. Uns ist wichtig, einen regelmäßigen Spielplan aufrechtzuerhalten und so daran zu arbeiten, dass diese Stadt lebenswert ist. Mit unserer Spezifik als Puppentheater haben wir in Frankfurt und in der Region ja ein Alleinstellungsmerkmal.

Von seinen Gastspielreisen bringt das TdL immer wieder Auszeichnungen mit – manchmal scheint es so, als werde das vor Ort gar nicht so wahrgenommen …

Die Aufmerksamkeit, die man bei Gastspielen und Festivals erfährt, das ist schon etwas für die Seele. Solche Streicheleinheiten brauchen wir. Vor allem ist uns aber wichtig, Kulturbotschafter der Stadt zu sein, zu zeigen, dass in Frankfurt Kultur gemacht wird. Und auch hier gibt es ja Pokale für uns, kleine: Das sind die leuchtenden Augen und der Beifall unseres Publikums.

Wie alt ist Ihr Publikum?

Unser Hauptpublikum ist zwischen zwei und sechs Jahren alt. Dann gibt es noch die Familien, die jungen Erwachsenen, die Großeltern … Aber das ist keine Selbstverständlichkeit. Nur gutes Theater zu machen, reicht nicht aus, um die Leute herzulocken. Darum haben wir einen engen Kontakt zu unserem Publikum, gehen in die Kitas und Schulen, bieten Workshops an, theaterpädagogische Betreuung.

Zur guten Tradition geworden ist das „Osthafen“-Festival, das in diesem Jahr zum siebenten Mal stattfindet …

Das gab es schon, als ich hier einstieg. Ich fand die Grundidee gut – mit internationalen Gästen über den Tellerrand zu schauen. In diesem Jahr geht es mit „Glaube, Liebe, Hoffnung“ – natürlich – um Themen, die im Lutherjahr bewegen.

Für welchen Programmpunkt können Sie besonders werben?

Ich kann für alles werben! Zum Beispiel für das Marionettenstück „Notre Dame – Eine wahre Geschichte“ nach Victor Hugo in der Friedenskirche – das passt doch! Interessant ist auch das Gastspiel „The Dictators Mom“ aus Israel, eine Mischung aus Groteske und Kabarett. Astrid Griesbach wiederum widmet sich dem Thema Faust – und wer sie kennt, weiß, dass sie keine traditionelle Sichtweise darauf liefern wird. Ein Höhepunkt fürs kleine Publikum ist „Niyar – a paper tale“ mit Maayan Iungman aus Israel, das ist sehr fantasievolles Papiertheater. Alle Stücke sind übrigens ohne oder fast ohne Sprache – man muss also keine Sorge haben, dass man nichts versteht.

Sie selbst spielen zur Eröffnung Kleist – und es wird pädagogisch. Was darf man da erwarten?

Einen überaus sinnlichen Vortrag über die Sicht des Dichters auf die Erziehung unserer Kinder. Kleist hat mal einen Artikel eines gewissen C. J. Levanus veröffentlicht, in dem es darum ging, Kinder mit dem Laster zu konfrontieren – wenn sie das ausleben, so die These, werden sie aus dem Bösen heraus gut.

Sie haben Astrid Griesbach schon erwähnt – sie ist ja sozusagen die Gründerin des TdL. Ist sie dem Haus noch immer verbunden?

Ja, schließlich ist sie es, die hier einst die künstlerischen Fundamente gelegt hat. Zuletzt hat sie hier „Das Tagebuch von Edward dem Hamster“ inszeniert und 2019, zum Fontane-Jahr, wird sie dessen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ für uns in Szene setzen.

Was wünschen Sie sich für die nächsten 25 Jahre? Wird es das TdL dann noch geben?

Ich bin überzeugt davon, dass es das Theater noch gibt. Allerdings – aus Altersgründen – nicht mehr mit mir, ich sitze dann als Zuschauer im Publikum. Ich wünsche mir, dass die Stadt sieht, dass Kultur ein wesentlicher Faktor ist, um das Leben hier lebenswert zu machen. Der Genuss von Kultur muss, auch zur Vermittlung von Werten gerade für Kinder, selbstverständlich werden. Da sind nicht nur Eltern, sondern auch Kitas und Schulen gefragt.
 

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