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Große Resonanz : Magdas Mode für Mollige

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Textilschneiderin Magdalena Owczarek gründete vor zwei Jahren ihr eigenes Label „Perlage“ für Frauen-Bekleidung in Übergrößen

svz.de von
erstellt am 19.Okt.2017 | 05:00 Uhr

In einer weiten schwarzen Hose mit Bügelfalte und einem senfgelben, eleganten Oberteil dreht sich Monique Wessolleck vor dem Spiegel und scheint sich darin sichtlich zu gefallen. „Diese Kombination habe ich mir bei Magda bestellt“, flüstert die Frankfurterin lächelnd. Dass die 50-Jährige so selbstbewusst ihr Spiegelbild betrachtet, wäre vor Monaten noch undenkbar gewesen. Denn sie bringt mit ihrer Rubens-Figur ein Paar mehr Kilos auf die Waage, fühlte sich dadurch gehemmt. „Das Schlimme ist, dass Du in Frankfurt keine modische Kleidung für Frauen in Übergrößen bekommst. Doch auch wir wollen nicht in irgendwelchen sackförmigen Sachen herumlaufen“, sagt ihre Freundin Manuela Schülke-Krolik, die selbst eine weich- fallende Schwarz-Weiß-Kombi trägt. Anfang 2015 hatte die Frankfurterin die Selbsthilfegruppe „XXL plus“ gegründet, um „Übergewichtige von der heimischen Couch zu holen“, wie sie beschreibt. „In Gemeinschaft traust du dich mehr, die musternden Blicke anderer angesichts deiner Figur stören dich nicht.“

Die Treffen unter Gleichgesinnten im Frankfurter Haus der Begegnung fanden schnell Resonanz, momentan hat die Gruppe rund 20 Mitglieder.

Doch erst die Begegnung mit der polnischen Modemacherin Magdalena Owczarek brachte spürbaren Erfolg. „Die Frauen sind viel selbstbewusster geworden, weil sie sich in Magdas Kreationen wohl fühlen“, sagt die 57-Jährige. Das Ganze sei ein glücklicher Zufall gewesen: Owczareks Sohn machte im Versicherungsbüro von Schülke-Krolik ein Praktikum und erzählte von der Mode der Mutter. Die 42-Jährige ist im damaligen Westberlin aufgewachsen und erst vor zehn Jahren in die polnische Grenzstadt Slubice gezogen. „Meine Mutter hatte in Berlin eine Textilagentur. So entstand der Kontakt zu Designern“, erzählt Owczarek.

Sie selbst eröffnete in Slubice eine Schneiderei, namhafte Modemacher wie Michael Michalsky oder Anna von Griesheim lassen bei ihr produzieren. „Für mich war es immer ärgerlich, dass mir die schönen und modischen Kleidungsstücke, die wir hier schneidern, selbst nicht passen“, erzählt die Polin, die auch etwas molliger ist und sich manchmal unwohl in ihrer Haut fühlte. „Das polnische Frauenbild ist geprägt durch überwiegend schlanke Erscheinungen. Erst seit zwei, drei Jahren gibt es auch hier eine Nachfrage nach Übergrößen.“ Deshalb begann sie vor zwei Jahren, selbst Mode für üppigere Damen zu entwerfen, die sie unter dem Label „Perlage“ vertreibt (italienisch für Champagner-Bläschen). Sie kauft dafür die Reste der edlen Stoffe auf, aus denen in ihrer zehnköpfigen Firma die Designer-Aufträge geschneidert werden.

Schülke-Krolik und ihre Mitstreiterinnen fungierten bereits zweimal als Models bei Modenschauen der polnischen Schneiderin, stets unter großem Applaus des Publikums, wie die Frankfurter Versicherungsfrau sagt. „Der Bedarf ist da. Viele Kunden fragen nach größeren Größen“, erzählt Christin Altwig, die zur Model-Gruppe gehört und selbst Verkäuferin in einem Frankfurter Textilgeschäft ist. Dort wird allerdings nur Kleidung bis Größe 48 verkauft.

Die XXL-Damen sind von Owczareks Mode so begeistert, dass sie in der deutschen Grenzstadt sämtliche Boutiquen abklapperten, um die Inhaber zu überzeugen, die Kollektion in ihren Geschäften zu verkaufen. Doch es war vergeblich, wie Schüle-Krolik verärgert berichtet. „Die gehen auf Nummer sicher und bleiben bei den gängigen Größen für normal gebaute Frauen.“

Dass es nicht einfach wird, sich mit Mode für Mollige durchzusetzen, war Owczarek klar, die unzählige Lookbooks verschickt hat, ihre Kollektion vorerst im Internet vertreibt und jetzt zu einer Messe für Übergrößen nach Hamburg fährt. „Meine erste Messe, da schnuppere ich mal rein. Läuft es gut, nehme ich die Frankfurter Mädels das nächste Mal mit“, erzählt die Polin.

Immerhin haben die inzwischen zu Freundinnen geworden Frauen Owczarek motiviert, einen eigenen Laden für ihre Kollektion aufzumachen. Er soll im November an Slubices Haupteinkaufsstraße öffnen. Eine große Einweihung inklusive Modenschau soll es aber erst im kommenden Frühjahr geben, natürlich mit den Frankfurter Models. Dann ist auch Monique Wessolleck wieder mit dabei. „Ich hätte nie gedacht, dass mir so knallige Farben oder auch Muster stehen. Das habe ich Magda zu verdanken“, sagt die 50-Jährige, die häufig auch im Bekanntenkreis auf ihren neuen modischen Kleidungsstil angesprochen wird.

Das Ziel der Selbsthilfegruppe XXL-plus sei eigentlich, gemeinsam abzunehmen, ergänzt Schülke-Krolik. „Doch wenn unsere Größen schrumpfen, können wir Magdas Mode nicht mehr tragen.“  

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