Brandenburg : Märkisches Bauland gefragt wie nie

Der Rohbau eines Mehrfamilienhauses in Potsdam
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Der Rohbau eines Mehrfamilienhauses in Potsdam

Brandenburgs Baulandpreise sind auch 2015 gestiegen – besonders im Speckgürtel / Makler rechnen mit einem anhaltenden Trend

svz.de von
05. August 2016, 05:00 Uhr

Bei Bauland für Mehrfamilienhäuser gehen die Preise in Brandenburg durch die Decke. Nach jüngsten Zahlen für 2015 stiegen die Werte für solche Grundstücke landesweit im Vorjahresvergleich um fast 50 Prozent auf 96 Euro je Quadratmeter. In Potsdam waren es sogar mehr als 80 Prozent Zunahme auf 511 Euro je Quadratmeter. Die Preise stehen im Brandenburger Grundstücksmarktbericht 2015, der bislang erst in Auszügen veröffentlicht ist.

Moderat wuchsen die Baulandpreise für Einfamilienhäuser. Sie kletterten landesweit um sechs Prozent auf 80 Euro je Quadratmeter „Die Nachfrage nach Bauland ist auch in den berlinfernen Kreisen noch immer größer als das Angebot“, sagte der Chef des Gutachterausschusses für Grundstückswerte, Jürgen Kuse. Die Ausnahme seien dörfliche Regionen. Bis vor zwei Jahren sank die Einwohnerzahl im Land. 2014 gab es erstmals seit der Wende ein kleines Plus von 8700 Menschen, das sich im Vorjahr zumeist durch Flüchtlinge auf knapp 27 000 verdreifachte. Ob die Zuwanderung anhält, ist ungewiss.

Die vor Jahren von der Landesregierung gestellten Prognosen gehen bis 2040 von einem Bevölkerungsrückgang um etwa elf Prozent aus. Einen Zuwachs gibt es danach nur in Potsdam, kleineren Gemeinden im Speckgürtel um Berlin und im Landkreis Dahme-Spreewald.

Viele Kommunen versuchen, ihre Einwohnerzahl zumindest zu stabilisieren. Aufgabe Nummer eins ist dabei, die Lebens- und Arbeitsbedingungen zu verbessern. Vorrang hat die Ansiedlung von Gewerbe, Dienstleistungen und Tourismus, um Arbeitsplätze zu schaffen. Auch das Wohnumfeld mit günstigen Mieten, Eigenheimen, Bildung, Kultur, Schulen, Kindertagesstätten und schnellen Verkehrsanbindungen an die Metropolen spielt eine Rolle. Das Land fördert dafür unter anderem den Kauf von Alt-Immobilien, dauerhaft leerstehende Wohnhäuser sollen zurückgebaut werden.

Ein Beispiel: Die Prignitz wirbt mit ihrer Lage als Wirtschaftsstandort zwischen Berlin, Hamburg und Hannover. Seine Zukunft sieht der Landkreis als Logistikdrehscheibe, in der Ansiedlung von Industrie und dem Ausbau des Mittelstands. Um Prignitzern und ihren Gästen den Besuch von Veranstaltungen in Hamburg oder Berlin mit anschließender Rückreise zu ermöglichen, dringt der Landkreis auf bessere Verkehrsverbindungen an die beiden Großstädte.

Ein Versuch im Sommer 2015, den Regionalexpress (RE) 2 als „Theaterzug“ von Wittenberge nach Berlin gegen Mitternacht einzusetzen, verlief erfolgreich. Der Nachtzug in die Hauptstadt wurde in den Wochenendfahrplan der Monate April bis September aufgenommen.

Bauland für Einfamilienhäuser kostete in den Städten der Prignitz im Vorjahr durchschnittlich 27 Euro je Quadratmeter, in den Dörfern sogar nur elf Euro.

Auch in anderen berlinfernen Regionen ist Bauland noch relativ günstig zu bekommen. Die Gefahr, dass so ein Immobilienboom ausgelöst wird, der später in Leerstand mündet, sieht Kuse nicht. „Auch in solchen Regionen wird es, wenn auch auf kleiner Flamme, immer eine Nachfrage geben“, ist er überzeugt. Im Berliner Umland stiegen die Bodenpreise für Wohnbauland im Vorjahr laut Grundstücksmarktbericht um bis zu 18 Prozent.

Der Immobilienverband Deutschland (IVD) erwartet, dass sich der Immobilienboom hier fortsetzen wird. „Der Druck auf dem Wohnungsmarkt in Berlin ist so hoch, dass alles nach draußen dringt“, sagt Dirk Wohltorf, IVD-Chef in Berlin-Brandenburg.

Überlegen würden sich die Investoren jedoch sehr genau, ob sie weit entfernt von der Bundeshauptstadt hochwertige Immobilien kaufen. Doch eine anhaltende Nachfrage gebe es auch in diesen Regionen.  

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