Märker sind häufiger krank

Fehlzeiten in Brandenburger und Berliner Betrieben verursachen Milliardenverluste

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07. Januar 2016, 00:44 Uhr

Arbeitnehmer in Brandenburg und Berlin sind deutlich häufiger krank als Beschäftigte in anderen Bundesländern. Experten warnen, dass durch die Altersentwicklung die Fehlzeiten noch weiter steigen und zu einem Personalmangel führen.

Vor allem beim betrieblichen Gesundheitsmanagement sehen die Länder Brandenburg und Berlin sowie die Krankenkassen, die gestern einen gemeinsamen Gesundheitsbericht vorgelegt haben, große Defizite. So beteiligen sich nach Aussagen der AOK Nordost in der Hauptstadtregion insgesamt nur 160 Unternehmen an Vorsorgemaßnahmen, bundesweit sind es 5700 Firmen. „Dies ist ein krasses Missverhältnis“, sagt der Vorstandschef der Krankenkasse, Frank Michalak. Vor allem psychische Leiden seien Hauptursache für eine Erwerbsunfähigkeit. Hier sei die Pflegebranche massiv betroffen. „Dabei gibt es in dem Bereich schon jetzt Personalnot. Wir müssen dringend handeln.“ Laut Studie werden die Arbeitsausfälle künftig auch in anderen Branchen steigen. Grund ist der demografische Wandel.

Die Staatssekretärin im Brandenburger Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit, Almuth Hartwig-Tiedt, kritisiert zudem den mangelhaften Arbeitsschutz in vielen Unternehmen. Über Gefahrensituationen werde in der Hälfte der Firmen erst gar nicht aufgeklärt, betont die Linke-Politikerin. „Gute Arbeit hat aber nicht nur etwas mit anständiger Bezahlung zu tun, sondern auch mit guten Arbeitsbedingungen.“ Die Aufklärungsarbeit müsse daher verstärkt werden.

Aus dem Gesundheitsbericht, für den Daten von insgesamt 1,6 Millionen Beschäftigten in der Region ausgewertet wurden, geht außerdem hervor, dass Rückenleiden, Probleme mit Bandscheiben oder Gelenken nach wie vor die meisten Fehltage verursachen, gefolgt von Atemwegsinfektionen und psychischen Erkrankungen. Besonders häufig krank sind in Berlin Verwaltungsangestellte, in Brandenburg dagegen insbesondere Mitarbeiter von Verkehrsbetrieben und Logistikfirmen.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen seien enorm, sagt Kai Uwe Bindseil, Chef des länderübergreifenden Gesundheitsnetzwerks HealthCapital. Im Jahr 2013 habe sich der durch Fehltage verursachte Produktionsausfall in Brandenburg und Berlin auf insgesamt 3,1 Milliarden Euro summiert, mit Gewinnausfällen gar auf über fünf Milliarden Euro. Warum der Krankenstand mit 5,3 Prozent der Beschäftigten in Brandenburg sowie 4,7 Prozent in Berlin seit Jahren deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegt, kann Bindseil nicht erklären.

Sorgen bereitet Gesundheitsexperten außerdem die Zunahme von chronischen Erkrankungen, die zumeist zu monatelangen Ausfällen führen. Hier sei die Bundespolitik gefordert, um diese Entwicklung zu stoppen, sagt der Vorstand des Verbandes der Betriebskrankenkassen, Franz Knieps.

Nach wie vor existierten starre Strukturen im Gesundheitswesen, die eine optimale Versorgung von Langzeitpatienten erschwerten.

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