Droht neue Justizpanne? : Luxusautos für Libanon gestohlen

Künftig 20 Euro im Monat: Parken auf den P  +  R-Anlagen könnte für die Pendler teuer werden.
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Haupttäter einer polnischen Bande könnten wegen ausstehenden Prozessbeginns bald freikommen

svz.de von
20. April 2019, 05:00 Uhr

Frankfurt (Oder) | Der Fall ist mehrfach brisant: Bereits im Herbst hatten Brandenburger Ermittler Mitglieder einer polnischen Bande verhaftet, die gestohlene Luxus-Autos in arabische Länder weiterverkaufte. Das Problem: Bisher wurde keine Anklage gegen die Tatverdächtigen erhoben.

Die Masche war ausgeklügelt: Die Diebe waren auf teure Mercedes-Fahrzeuge spezialisiert, die mit dem Keyless-Go-System ausgestattet sind. Mit Hilfe sogenannter „Funkstreckenverlängerer“ nahmen sie das Signal der elektronischen Schlüssel auf – was auch durch geschlossene Haustüren möglich ist – öffneten die Autos und fuhren diese nach Polen.

Rund 50 gestohlene Fahrzeuge im Gesamtwert von mehreren Millionen Euro gehen auf das Konto der Bande, bestätigt der Sprecher des Brandenburger Polizeipräsidiums, Torsten Herbst. Die Luxus-Wagen wurden 2018 in Berlin und Potsdam, fünf umliegenden Landkreisen, in weiteren Bundesländern sowie in Österreich, Tschechien und Polen gestohlen.

Auch Promi-Comedian Mario Barth unter den Bestohlenen gewesen sein. Doch damit nicht genug: Die Täter zerlegten die Fahrzeuge im südwestpolnischen Breslau und verkauften sie von dort aus weiter an eine andere Bande, die im Raum Karlsruhe agierte. Letztere bestand aus einem deutsch-libanesischen Bruderpaar, einer Slowakin und zwei Polen, die allesamt Ende November von der baden-württembergischen Polizei verhaftet wurden.

Diese Bande hatte auch bei weiteren Autodieben gestohlene Range Rover und Porsche angekauft, die ebenfalls in Polen zerlegt wurden. Anschließend wurden die Autoteile mittels Containern von Polen aus in den Libanon und in die Vereinigten Arabischen Emirate verschifft. "Ob die Fahrzeuge dort vor dem Weiterverkauf wieder zusammengebaut oder als Teile verkauft wurden, ist uns nicht bekannt", sagte einer der Brandenburger Ermittler am Freitag.

Auf jeden Fall war der 35-jährige Kopf der Bande, die hauptsächlich in Brandenburg und Berlin agierte, im Oktober 2018 in Döbeln (Landkreis Spree-Neiße) festgenommen worden. Der mehrfach Vorbestrafte hatte versucht, mit einer halsbrecherischen Fahrt der Polizei zu entkommen. Dabei versuchte er  Unfälle mit drei weiteren Fahrzeugen, eine 49-jährige Frau erlitt ein Schleudertrauma.

Ihm allein legen die Ermittler 22 Diebstähle im Wert von 1,5 Millionen Euro zur Last. Außerdem sitzen drei weitere Mitglieder der Bande in Untersuchungshaft.

Da bisher von der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) noch keine Anklage erhoben wurde, wächst die Befürchtung, dass der Haupttäter im April auf freien Fuß kommen könnte, wenn die Sechs-Monats-Frist seiner Untersuchungshaft endet. Der Fall könnte sich ähnlich entwickeln, wie der von vier Syrern, die in dieser Woche aus der U-Haft entlassen wurden, weil das Landgericht Frankfurt noch keinen Prozess gegen sie eröffnet hat.



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