Rettungshunde-Staffeln am Pranger : Lügen und schwarze Kassen

Rettungshunde, hier bei einer Übung, helfen bei der Suche nach Vermissten.
Rettungshunde, hier bei einer Übung, helfen bei der Suche nach Vermissten.

DRK-Kreisverband liefert sich öffentlichen Machtkampf mit den Chefs einer Hundestaffel

svz.de von
01. April 2017, 05:00 Uhr

Zwei Jahren war die Stimmung schlecht, der Bruch kam im März: Der DRK-Kreisverband Märkisch-Oderland-Ost schloss die drei ehrenamtlichen Leiter der Rettungshundestaffel aus. Via Facebook attackierten diese die Geschäftsführung. Ein Angriff auf das Ehrenamt seien die Ausschlüsse. Man werde nur respektiert, wie man tue, was die Geschäftsführung verlange.

Wirtschaftsprüfer hätten moniert, die Staffel verfüge über eine ungenehmigte Handkasse, so der Kreisverband. „Das gefährdet die Gemeinnützigkeit des Verbandes“, sagt Präsident Karsten Schulte. Man habe die Staffel-Leiter vergeblich darauf hingewiesen, für Einnahmen und Ausgaben der Handkasse Belege einzureichen.

Auch jene Facebook-Seite, die namens des DRK Öffentlichkeitsarbeit für die Staffel betreibt, ist dem Kreisverband ein Dorn im Auge. Man habe auf das unautorisierte Angebot inhaltlich keinen Einfluss, so der Präsident.

Die Gescholtenen haben Strafanzeige wegen Untreue gegen den Kreisverband gestellt. Demnach hätten die Ehrenamtler seit 2011 rund 20 000 Euro Spenden zweckgebunden für die Hundestaffel gesammelt. Der Zugriff auf die Mittel habe ihnen das DRK verweigert. So erwarb der Verband 2014 ein Einsatzfahrzeug, übergab es aber nicht wie vom Spender bestimmt der Hundestaffel.

Auch die Vorwürfe in Sachen Handkasse und nicht autorisierter Facebook-Seite weisen die Ehrenamtler zurück. Tatsächlich habe der Verband gefordert, eine solche Kasse zu führen. Belege über Einnahmen und Ausgaben habe man stets vorgelegt. Die Facebook-Seite sei bei Präsidiumssitzungen als Mittel der Mitgliedergewinnung gelobt worden. Man habe sich bei der Veröffentlichung von Informationen an die DRK-Richtlinien zur Nutzung sozialer Medien gehalten, betont Ingrid Fritzemeier, Leiterin der Hundestaffel.

Vor wenigen Monaten wurde wegen ähnlicher Querelen die Rettungshundestaffel der Lebens-Rettungs-Gesellschaft DLRG im Barnim aufgelöst. Der Kreisverband warf den Ehrenamtlern Intransparenz und eine Reihe Vorkommnisse vor. Von Untreue und Betrug war die Rede, was die Ehrenamtler als erfunden zurückwiesen.

Eine Hundeführerin, die anonym bleiben möchte, erzählt, dass das Selbstbewusstsein der Staffel-Leiter oft groß sei. „Es sind starke Teams, die mit den Hunden für den Verband viel Geld reinholen. Es wird gern gespendet, wenn die Staffeln etwa auf Volksfesten über die Arbeit berichten.“ Daraus würden die Ehrenamtler Ansprüche auf ihre Stellung ableiten, was Hauptamtlichen nicht behage. Auch sorge die Beliebtheit der Staffeln für Neid. Dies sei der Boden, auf dem Konflikte entstünden.

Die Barnimer Hundestaffel ist unter dem Dach des Bundesverbands Rettungshunde neu gestartet. Hundefreunde verstünden sich, hätten gleiche Ziele und Interessen.

 
 

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