Region sucht neues Wirtschaftsprofil : Logistik-Drehscheibe Havelland

Die Verkehrswege  wie das Autobahndreieck Havelland sind ausgebaut.
Die Verkehrswege wie das Autobahndreieck Havelland sind ausgebaut.

Landkreis ist wirtschaftlich zweigeteilt / Dienstleistungsgewerbe und Bauwesen mit überdurchschnittlichen Produktivitätszuwächsen

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16. März 2018, 05:00 Uhr

In einer 94-seitigen Studie wurden Wirtschaftsstruktur und Gewerbeflächenmarkt im Landkreis Havelland untersucht. Erarbeitet wurde sie vom Hamburger Unternehmen Georg Consulting für die Industrie- und Handelskammer Potsdam. Aus Sicht eines unabhängigen externen Betrachters werden wirtschaftliche Einschätzungen und Vergleiche vorgenommen und Empfehlungen gegeben.

Die Studie richtet sich an die Landesregierung, die Land- und Kreistagsabgeordneten, die Verantwortlichen für Brandenburgs Wirtschaftsförderung sowie die Planungs- und Bauamtsleiter der Region.

Die Analyse nimmt eine Aufteilung in Ost- und Westhavelland vor, weil es zwischen ihnen deutliche Unterschiede gibt: den berlinnahen Raum mit florierender Wirtschaft und Gewerbeflächenmangel von Falkensee bis Wustermark sowie Stagnation im Westhavelland.

Während Bevölkerungs- und Beschäftigungszahlen in der Teilregion Ost von 2011 bis 2016 deutlich zugenommen haben, gingen sie im Westen zurück. Insgesamt liegt die Entwicklung der Einwohnerzahlen im Havelland mit 4,4 Prozent aber deutlich über dem bundesweiten Mittel von 2,7 Prozent. Dabei kam der Zuzug im Havelland zu je 50 Prozent aus Berlin und dem Ausland.

Die Arbeitslosenzahlen sanken in den letzten zehn Jahren kontinuierlich und liegen bei rund sechs Prozent. „Der Beschäftigungszuwachs beruht zu einem großen Teil auf dem Aufschwung in der Logistik“, so IHK-Hauptgeschäftsführer Mario Tobias. „Ein breiter aufgestelltes Wachstum, welches auch andere Wirtschaftszweige stärker erfasst, wäre wünschenswert.“

Strukturelle Schwächen sehen die Verfasser der Studie besonders in der unterdurchschnittlichen Akademiker-Quote der Beschäftigten und dem geringen Anteil expor-tierbarer und innovativer Produkte. Während bundesweit fast jeder zweite Euro über Exportprodukte erwirtschaftet werde, sei es im Havelland nur jeder fünfte. Insgesamt erreiche der Wert der im Havelland produzierten Güter nicht den gleichen Wert wie im übrigen Land, brauche dafür aber die gleiche Zahl Arbeitskräfte. Das Ergebnis sei eine Produktivität, die bei nur 75 Prozent des Bundesniveaus liege.

Ernüchternd sei auch der Trend. Während die Produktivität im verarbeitenden Gewerbe von 2008 bis 2015 im Land um 13,6 Prozent und bundesweit um 19,2 Prozent gestiegen sei, lag sie im Havelland 12,8 Prozent niedriger als 2008.

Betrachtet man nur Dienstleistungsbereiche und Baugewerbe, zeigt sich ein anderes Bild. In diesen Branchen läge der Produktivitätszuwachs im gleichen Zeitraum mit 17,5 Prozent deutlich über dem deutschlandweiten Durchschnitt von 12,3 Prozent.

Hinsichtlich der Gewerbeflächen prognostizieren die Verfasser bis 2025 einen Bedarf von 51 bis 55 Hektar zusätzlich zu den vermarkteten 118 Hektar. Rein rechnerisch seien noch geeignete Flächen verfügbar. Jedoch müssten diese teilweise noch erschlossen werden.

Die Studie schlägt auch vor, die logistische Drehscheibe westlich Berlins weiter auszubauen sowie Ansiedlungsmöglichkeiten für die Kunststofffaserindustrie und Recyclingwirtschaft zu prüfen.

Wichtig sei die Ansiedlung innovativer Mittelstandsunternehmen und exportorientierter Firmen sowie deren Förderung, konstatieren die Autoren der Studie. Auch müsse die Entwicklung von Gewerbeflächen im Westhavelland vorangetrieben und ein Masterplan für Logistikflächen erarbeitet werden.

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