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Anmutig schwebende Insekten : Libellen bevölkern die Fließe

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Im Spreewald gibt es 52 Arten der Insekten und einen Flugkalender

svz.de von
erstellt am 12.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Wer hat sich noch nicht von ihnen in den Bann ziehen lassen: von den filigranen Libellen, ihren bunten Färbungen und den durchsichtigen Flügeln, die bis 30 Mal pro Sekunde schlagen können? Jetzt im Hochsommer ist der Höhepunkt ihrer kurzen Lebenszeit, bevor die meisten in der kalten Jahreszeit sterben. Wobei vielleicht weniger bekannt ist, dass einige Arten mehrere Jahre als Larven im Wasser verbringen, bevor sie sich als geschlechtsreife Imagos in die Lüfte erheben, um sich dort zu paaren und wiederum für Nachwuchs zu sorgen.

„Die Libellen gehören zu den faszinierendsten Lebewesen bei uns im Spreewald“, sagt Annett Schäfer. Sie ist Sachbearbeiterin für Umweltbildung in der in Lübbenau ansässigen Zentrale des „Biosphärenreservats Spreewald“. Dessen Mitarbeiter setzen sich nicht nur für den Erhalt der Pflanzen und Tiere in diesem besonderen Lebensraum ein, sondern auch für die Verbreitung des Wissens über die Natur und deren Bewohner.

„Die Libellen spielen dabei schon lange eine besondere Rolle“, sagt Schäfer. 52 Arten wurden an den Fließgewässern und Seen zwischen Schlepzig und Burg nachgewiesen. Man kann sie von Mitte April bis Anfang November beobachten. Aber zu unterschiedlichen Zeiten, denn die Lebenszeiten vom Schlupf bis zum Absterben variieren von Art zu Art. Das erklärt auch, warum einige Libellen schon so ramponiert oder – wie die Fachleute sagen – „abgeflogen“ sind, während andere noch ganz frisch aussehen.

„Das brachte uns auf die Idee, einen Flugzeitenkalender für alle Arten zu entwickeln, mit dessen Hilfe man sich orientieren kann“, erläutert Frau Schäfer. Seit einigen Tagen ist dieser Kalender auf der Web- und Facebook-Seite des Biosphärenreservats zu finden, an der Erstellung war die Wirtschaftsstudentin Christiane Baumgärtner beteiligt, die gerade ein Praktikum im Reservat absolviert hat. Man erfährt etwa, dass die zitronengelben „Großen Moorjungfern“ ihre Flugzeit bereits hinter sich haben, währenddessen die rötlichen „Heidelibellen“ gerade erst geschlüpft sind und manche von ihnen noch bis November unterwegs sein werden.

Die Namen der einzelnen Arten sind im Kalender mit den jeweiligen Einträgen auf „Wikipedia“ verknüpft, sodass man sich schon vor der Libellen-Exkursion zu Hause gut vorbereiten kann. Für jüngere Besucher ist das „Junior Ranger“-Entdeckerheft zu empfehlen, das 2,50 Euro kostet und in dem es Libellen zum Basteln gibt. Und anlässlich des „Brandenburger Dorf- und Erntefestes“ am 9. und 10. September im Spreewalddorf Raddusch (Raduš) soll dort ein neuer Libellenlehrpfad eröffnet werden.

Immer wieder wird Annett Schäfer die Frage gestellt, ob man sich vor den Insekten in Acht nehmen muss, weil diese die Menschen stechen könnten. „Ach i wo, womit denn?“, lacht sie, „die haben ja nicht mal einen Stechapparat am Körper.“ Das Vorurteil, wonach die Libellen gefährlich seien, stamme wahrscheinlich aus Zeiten, als man wenig über sie wusste. „Im Englischen werden sie ja sogar Dragonfly, also Drachenfliege, genannt“, weiß die naturkundige Frau. Höchstens wenn man eine Libelle mit den Händen fängt, könnte sie sich mit den zu einem Fangapparat umgestalteten Beinen zu wehren versuchen, „aber da keine Muskelkraft dahintersteckt, kann sie damit nicht viel bewirken“.

Was die Insekten noch sympathischer macht, ist der Umstand, dass sie sich von Mücken ernähren – schon als Larven wie als ausgeschlüpfte Flieger. „Gerade in diesem Sommer ist das besonders nützlich“, sagt Annett Schäfer.  

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