Letzte Weltkriegsbombe gesprengt

Die Sprengung des Blindgängers verläuft trotz des Sturms und Schnee ohne größere Komplikationen.
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Die Sprengung des Blindgängers verläuft trotz des Sturms und Schnee ohne größere Komplikationen.

Hohen Neuendorf gilt seit gestern als frei von Blindgängern

svz.de von
07. Dezember 2013, 00:34 Uhr

Die Havelwiesen in Hohen Neuendorf und Birkenwerder sind jetzt frei von Blindgängern. Mit der kontrollierten Sprengung der amerikanischen Fliegerbombe ist gestern die systematische Suche in der Niederheide zu Ende gegangen.

Insgesamt vier Bomben wurden in den vergangenen Jahren in dem Gebiet gefunden – drei rund um das Sportgelände am Havel-Altarm in Birkenwerder und jetzt eine am Kleeßenberg in Hohen Neuendorf. Die Blindgänger wurden entweder entschärft oder mussten gesprengt werden. Auch gestern war eine Entschärfung unmöglich. Der Aufschlagzünder war beim Aufprall in das Bombengehäuse gedrückt worden. „Ich hatte keine Chance, irgendwo anzusetzen“, erklärte Feuerwerker Jens Simon die Entscheidung, die Fünf-Zentner-Bombe kontrolliert zu zerstören.

Die Evakuierung des Sperrkreises rund tausend Meter um den Fundort herum verlief nahezu reibungslos. Es gab nur in Einzelfällen Verzögerungen, zum Beispiel, weil ein Pflegedienst nicht rechtzeitig alle Patienten versorgen konnte. Insgesamt 2 000 Menschen in Birkenwerder und Hohen Neuendorf mussten das Gebiet verlassen.

Nach zweimaliger Absuche jedes Grundstücks war kurz vor 11 Uhr der Sperrkreis endgültig geräumt. Um 11.21 Uhr gab es dann einen lauten, dumpfen Knall. Die Erschütterungen waren noch in 1300 Metern Entfernung zu spüren. Weitere 20 Minuten später gab Jens Simon den Sperrkreis wieder frei. Die ersten Bewohner standen da bereits vor den Absperrungen, um wieder in ihre warmen Stube kommen zu können.

Nur wenige Evakuierte nutzten die von den Kommunen angebotenen Unterkünfte. So warteten im Ratskeller von Birkenwerder zwei Betroffene, in der Turnhalle der Grundschule in der Niederheide waren es gut ein Dutzend Hohen Neuendorfer. „Ich bin erst im August hierhergezogen“, berichtet Elisabeth Nolte. „So etwas habe ich noch nicht erlebt.“

Einmalig war die Sprengung gestern auch für Feuerwerker Simon. „Die Wetter-Bedingungen waren nicht gerade optimal“, sagte Simon nach der Explosion und zog seine Jacke zu. Seine Arbeit war allerdings durch Sturm und Schnee weniger beeinträchtigt. Es bestand aber die Gefahr, dass Streckenposten, die zum Beispiel in einem Waldgebiet postiert waren, abgezogen werden, wenn der Sturm Äste abbricht oder Bäume entwurzelt. Doch „Xaver“ hielt nicht, was er versprach. Dafür lenkten die stürmischen Winde aus Nordost die enorme Druckwelle der Detonation in unbewohntes Gebiet. Die angrenzenden Bungalows überstanden die Explosion mit vergleichsweise geringen Schäden. Es wurden lediglich einige Risse in den Verkleidungen sowie von Erdklumpen durchschlagene Plexiglas-Elemente entdeckt.

Warum ausgerechnet die Havelwiesen bombardiert wurden, weiß heute keiner. Möglicherweise haben die Piloten, die sich aus der Luft an der Havel orientiert haben, die Bomben beim Angriff auf Oranienburg oder Berlin ausgeklinkt, als sie von Flakstellungen entdeckt worden sind.

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