Umstrittenes Weltwunder für Berlin : Letzte Ruhe in riesiger Pyramide

Multikulturelle Grabstätte: Ein Berliner Verein verfolgt seit Jahren die Idee, eine Hunderte Meter hohe Pyramide zu errichten - als Grabstätte für Menschen aus der ganzen Welt.
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Multikulturelle Grabstätte: Ein Berliner Verein verfolgt seit Jahren die Idee, eine Hunderte Meter hohe Pyramide zu errichten - als Grabstätte für Menschen aus der ganzen Welt.

Das höchste Bauwerk Deutschlands: Berliner Verein sucht Standort für multikulturelles Grabmal in der Mark

svz.de von
15. März 2016, 20:55 Uhr

Ein Berliner Verein will eine riesige Pyramide errichten, in der Menschen aus der ganzen Welt ihre letzte Ruhestätte finden. Ursprünglich sollte das Bauwerk in Sachsen-Anhalt entstehen, Proteste verhinderten jedoch das Projekt. Jetzt suchen die Initiatoren auch in der Hauptstadtregion nach einem Standort.

Es wäre nicht weniger als ein neues Weltwunder, welches die „Freunde der Großen Pyramide“ planen. Ein aus Millionen Steinen aufgetürmtes Grabmal, höher als jene in Gizeh, soll in der Landschaft emporwachsen. Wo genau, steht noch nicht fest. Der Künstler Erik Niedling ist zusammen mit seinem Mitstreiter Ingo Niermann, einem Schriftsteller, auf der Suche nach einem geeigneten Standort. Wieder einmal.

Das gigantische Projekt verfolgen die Berliner schon seit einigen Jahren. Daraus sind bislang ein Dokumentarfilm, ein Buch und mehrere Ausstellungen entstanden. In erster Linie handelt es sich bei der Pyramide, die bis zu 500 Meter in den Himmel wachsen könnte und damit zu den höchsten Bauwerken Deutschlands zählen würde, um eine Machbarkeitsstudie. Die erzeugt – wie sollte es anders sein – viel Wirbel. Schon um den ersten geplanten Standort in der Nähe von Dessau (Sachsen-Anhalt) gab es hitzige Debatten. „Das mündete in Bürgerprotesten, die sich gegen die Bestattung von Ausländern in der Nähe ihres Ortes richteten“, berichtet Niedling. Auch Dessauer Kommunalpolitiker stimmten letztlich gegen das Vorhaben. Die Dimension erschien ihnen zu groß. Zudem wurden die Pläne aus ordnungsrechtlichen Gründen abgelehnt, da sie gegen die Friedhofssatzung verstoßen würden, wie es damals hieß. Letztlich stoppte der Verein die Planung.

„Es soll ein Ort entstehen, in dem Menschen ganz gleich welcher Religion, Herkunft oder sozialer Stellung bestattet werden“, wirbt der 42-jährige Niedling für die Idee. Die Urnen würden in Betonsteine eingelassen und könnten mit verschiedenen Farben und Reliefs gestaltet werden. Über 1700 Interessenten aus der ganzen Welt haben sich auf der Webseite des Vereins bereits einen Grabplatz reserviert, der rund 500 Euro kosten würde. Darüber würde sich die Pyramide finanzieren – Stein für Stein. Die Bundeskulturstiftung förderte das Vorhaben mit 90 000 Euro – aus dem Topf „Arbeit in Zukunft“. Dort sah man die Idee eher als radikales Experiment.

Tatsächlich könnte rund um die Pyramide eine Infrastruktur mit Hotels, Geschäften und Restaurants entstehen, wenn Angehörige der Toten anreisen, erläutert der aus Erfurt stammende Vereinsvorsitzende. Zudem sei eine Autobahnanbindung wichtig. Das Grabmal wurde auf rechtliche, technische und ethische Fragen hin untersucht.

Zuletzt jedoch rückte eine zweite Version in den Blickpunkt: In Thüringen sollte eine aus einem Berg „geschnitzte“ Pyramide entstehen – weit weniger groß als die monumentale Variante. Auch der Verein wurde in den vergangenen Monaten deutlich verschlankt, da sich im Umfeld des Projektes zunehmend Mitstreiter engagierten, die Geld damit verdienen wollten. „Einige sahen weniger die Gemeinschaft stiftende Idee, sondern wollten den schnellen finanziellen Erfolg“, erzählt Niedling. Dabei sei der Weg, um Akzeptanz für die multikulturelle Pyramide in der Politik und vor allem der Bevölkerung zu erreichen, noch weit. „Auch wenn wir ein Grundstück gefunden hätten, könnte es durchaus passieren, dass die Baustelle mit Brandsätzen beworfen wird“, meint er. Im Blick hat er – ohne zu scherzen –schon einen Standort: das BER-Gelände, wenn der Flughafen nie fertig würde.

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