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Gemeinsames Lernen : Lese-Stunde oder Lesepuzzle

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Die Brandenburger Landesregierung fördert daher nun das gemeinsame Lernen mit Millionen Euro / Neues Konzept vorgestellt

Hanna und ihre Schulkameradin Annabell haben es sich in der Kuschelecke des Klassenzimmers gemütlich gemacht und schmökern Drachen- und Geistergeschichten. „Wir dürfen heute lesen!“, sagt die neunjährige Hanna fröhlich und blättert in dem zusammengehefteten Ordner mit Geschichten, die die Schüler der dritten Klasse an der Potsdamer Regenbogen-Grundschule selbst geschrieben haben. Der achtjährige Lars ordnet unterdessen am Tisch Buchstaben nach Farben, während sein Banknachbar Christoph ein Lesepuzzle löst. „Die Schüler haben ihre Aufgaben, je nach ihrem Wissensstand und Können“, erläutert Klassenlehrer Hanno Schadach das Konzept des Unterrichts.

„Manche Kinder können schon lesen, wenn sie in die 1. Klasse kommen, andere müssen erst einmal die Buchstaben lernen.“ Sieben der 26 Schüler in Schadachs Klasse haben einen besonderen Förderbedarf, beim Lesen und Schreiben, beim Lernen, im sozialen Umgang oder beim Rechnen. Das gemeinsame Lernen mit den Klassenkameraden ohne Förderbedarf soll in der Regenbogen-Grundschule vom Herbst an noch ausgebaut werden.

Denn Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf sollen vom kommenden Schuljahr an deutlich mehr Brandenburger Regelschulen besuchen können. Nach einem Pilotprojekt in 75 Grundschulen werde „Gemeinsames Lernen“ dann auch in Ober- und Gesamtschulen möglich sein, sagte Bildungsminister Günter Baaske (SPD) gestern.

„Immer mehr Eltern wünschen sich, dass ihr Kind trotz besonderen Unterstützungsbedarfs an einer Schule vor Ort lernen kann“, erklärte der Minister. Der Anteil der Schüler in den Förderschulen sank in den vergangenen zehn Jahren um zwei Prozentpunkte auf 4,1 Prozent.

In der Regenbogen-Grundschule werden zumindest in den ersten vier Klassen keine Einteilungen der Schüler nach Förderbedarf vorgenommen. „Wir wollen die Schüler nicht frühzeitig stigmatisieren“, erläutert Schulleiterin Claudia Lewerenz. Wenn den Lehrern auffalle, dass ein Kind Defizite in bestimmten Bereichen habe, werde nach Absprache mit den Eltern eine Sonderpädagogin hinzugezogen.

Vom kommenden Herbst an nimmt die Regenbogen-Grundschule offiziell am Programm „Gemeinsames Lernen“ teil. Dann gibt es dort zwei zusätzliche Stellen für Lehrer und eine pädagogische Unterrichtshilfe in Teilzeit. Dies könne etwa eine Heilpädagogin sein, erläuterte Lewerenz.

In der ersten Phase nehmen in Brandenburg 127 Schulen an dem Programm teil, darunter 100 Grundschulen, 24 Oberschulen und 3 Gesamtschulen. Dort werden insgesamt 432 Lehrer zusätzlich eingestellt.

In der Prignitz werden die Grundschulen Demerthin und Karstädt, die Grundschule „Gijsels van Lier“ in Lenzen sowie in Wittenberge die Grundschule „Friedrich Ludwig Jahn“ innerhalb des Programms zum gemeinsamen Lernen arbeiten.

Die landesweiten Kosten bezifferte Günter Baaske auf 23 Millionen Euro in den kommenden beiden Jahren. Dann sollen die Ergebnisse überprüft werden. In etwa sechs Jahren sollen alle Brandenburger Schulen außer den Gymnasien „Gemeinsames Lernen“ anbieten.

 

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