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Nischenprodukt aus dem spreewald : Leinöl – ein regionaler Klassiker

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Gerichte mit Leinöl stehen im Landkreis Dahme-Spreewald auf vielen Speisekarten. Landwirte bauen Lein dort wieder verstärkt an.

svz.de von
erstellt am 15.Jul.2016 | 04:45 Uhr

Ein riesiger Holzhammer knallt auf Pressformen. Es klappert und ist laut in der alten Mühle im Spreewald. Ölmüller Thomas Bonhage drückt mit den Hammerschlägen Leinsamen-Schrot zusammen, dann kommt das Ganze in eine Presse. Leinöl ist in der regionalen Küche des Spreewalds ein Klassiker, so wie die eingelegte Gurke. Deutschlandweit gesehen ist das Speiseöl aber ein Nischenprodukt.

In der Straupitzer Mühle (Dahme-Spreewald) sind die Verkaufszahlen steigend. „Das wird seit Jahren mehr“, sagt Bonhage. Hier wird Speiseleinöl noch mit historischen Maschinen hergestellt. Den Rohstoff bezog die Mühle bis vor wenigen Jahren aus dem Ausland, darunter aus Kanada, Polen, Kasachstan und Russland. Nun komme der Lein aus dem Spreewald, wie der 52-Jährige berichtet. Denn dort werde die Pflanze wieder verstärkt angebaut.

Das bestätigt der Spreewaldverein, in dem Anbauer organisiert sind. 2015 wuchs demnach in der Region Lein auf etwa 100 Hektar Fläche, in diesem Jahr bereits auf knapp 170 Hektar. Anbauer hätten zudem signalisiert, dass sie die Fläche bei Bedarf nochmals erweitern würden. Der Verein hatte ein Projekt gestartet mit dem Ziel, die Kooperation zwischen regionalen Anbauern und Ölmühlen zu intensivieren. Im Spreewald gibt es mehrere Ölmühlen.

Von steigenden Verkaufszahlen von jährlich bis zu 20 Prozent berichtet auch die Lausitzer Ölmühle Hoyerswerda in Sachsen. Produzenten führen die Nachfrage auf ein „höheres Gesundheitsbewusstsein“ in der Bevölkerung zurück. Leinöl ist wegen seiner Omega-3-Fettsäuren beliebt. Die geografische Bezeichnung Lausitzer Leinöl ist von der EU geschützt. In der Mühle werden pro Jahr etwa 2000 Tonnen Lein verarbeitet, wie Geschäftsführerin Regine Jorga sagt. Zum Vergleich: In Straupitz sind es rund 70 Tonnen.

Die regionale Zusammenarbeit zwischen Anbauern und Ölmühlen – wie im Spreewald - gibt es hier zwar auch. Die Firma beziehe von zwei Anbauern bei Dresden und Weißwasser Lein, wie Jorga erläutert. Der Löwenanteil mit 90 Prozent komme allerdings aus dem Ausland - aus Kasachstan.

Auf ganz Deutschland bezogen spielt Leinöl im Vergleich zu anderen Pflanzenölen eine kleine Rolle. Der Anteil an der gesamten Produktion von Pflanzenölen mit gut fünf Millionen Tonnen im Jahr 2014 lag bei einem Prozent, wie der Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland mitteilt. Bei der Gesamtproduktion sind sowohl Speiseöle als auch Öle zur technischen Verwendung enthalten. Das in Deutschland produzierte Leinöl werde nur zu einem ganz geringen Anteil als Speiseöl verwendet, der überwiegende Teil zum Beispiel zur Herstellung von Farben, Lacken und Fußbodenbelägen genutzt. Die größte Menge der Leinsaaten wird den Angaben zufolge in Ölmühlen in Nordrhein-Westfalen gepresst.

Die Anbaufläche von Öllein in Deutschland umfasst mit kleineren Schwankungen seit Jahren etwa 4200 Hektar, wie die Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (UFOP) mitteilt. Auf das Land Brandenburg entfielen demnach 2014 allein etwa 1800 Hektar. Weitere Anbauflächen gebe es unter anderem in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Zusätzlich benötigte Mengen würden aus dem Ausland importiert.

Warum wird nicht der gesamte Bedarf in Deutschland angebaut? In Ländern wie Kanada und Kasachstan könne Lein kostengünstiger angebaut werden, sagt UFOP-Referent Dieter Bockey. Das mache es für hiesige Anbauer und Betreiber von kleinen Ölpressen schwer, außerhalb der lokal ausgerichteten Vermarktung als Speiseöl auch Abnehmer in der chemischen Industrie zu finden.

Der Verband, der Züchter, Anbauer und Ölmühlen vertritt, sieht generell zugleich Wachstumspotenzial für Leinöl in Deutschland. Vor allem abseits des Speiseöls könnte Lein als Rohstoff zum Beispiel für die Herstellung von Farben, Lacken und Linoleumböden noch stärker genutzt werden, sagt Bockey.

Aber auch im Bereich Speiseöl sehen Experten noch Ausbaumöglichkeiten. An der Uni Hohenheim in Stuttgart werden derzeit alte und moderne Öllein-Sorten aus aller Welt geprüft. Dadurch soll eine besonders wertvolle Sorte mit Standfestigkeit und kurzer Vegetationszeit ermittelt werden, wie die Wissenschaftlerin Sabine Gruber vom Fachgebiet Allgemeiner Pflanzenbau berichtet. Öllein eigne sich vor allem im Bio-Landbau gut, weil er Böden mit wenig Stickstoff benötige. Im konventionellen Landbau enthielten die Äcker durch Düngung oft mehr Stickstoff.

Es gibt offensichtlich aber natürliche Grenzen beim Anbau. Lein könne nur alle sechs bis sieben Jahre auf einem Feld ausgesät werden, sagt Wissenschaftlerin Gruber. Grund seien Krankheiten in den Böden, die den Lein befallen und sich bei kürzeren Anbauphasen verstärkt ausbreiten würden.

 

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