Lehrer rüsten zum Sturm

Gewerkschaft geht mit Rot-Rot hart ins Gericht / Auch Polizisten drohen Proteste an

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22. Januar 2016, 08:00 Uhr

Die Lehrergewerkschaft GEW macht sich große Sorgen um die Brandenburger Bildungslandschaft. Da Rot-Rot in den vergangenen Jahren Warnungen wiederholt ignoriert habe, will die Gewerkschaft in jetzt anstehenden Verhandlungen den Druck auf die Landesregierung erhöhen.

Wenn sich die Lehrervertreter am Montag erstmals im Innenministerium treffen, wird neben dem Finanzminister auch die Gewerkschaft der Polizei mit am Tisch sitzen. Sie will mit den zuständigen Ministern ebenfalls über bessere Arbeitsbedingungen für Beamte verhandeln. GdP-Landeschef Andreas Schuster nimmt vor allem Finanzminister Christian Görke (Linke) in die Pflicht: „Wenn er erklärt, kein Geld für uns zu haben, dann schicken wir 5000 Polizisten für einen Protestmarsch nach Potsdam.“ Wichtiger Punkt in den Verhandlungen seien Altersteilzeitmodelle für ältere sowie höhere Erschwerniszulagen für alle Polizisten.

Auch die GEW verlangt eine Absenkung der Arbeitsbelastung für ältere Kollegen, zugleich aber auch bessere finanzielle Anreize für eine freiwillige Verlängerung der Lebensarbeitszeit jener Pädagogen, die dies wünschen. Denn, so GEW-Landeschef Günther Fuchs, das Land steuere auf düstere Jahre zu, wenn der Lehrerberuf nicht aufgewertet werde. „Der Arbeitsmarkt ist bundesweit jetzt schon so gut wie leer, und das wird noch schlimmer“, prophezeit er.


Brandenburg derzeit nicht „konkurrenzfähig“


Brandenburg sei derzeit im Vergleich mit anderen Bundesländern mit Blick auf die Karrierechancen von Pädagogen „nicht konkurrenzfähig“. Sowohl die Eingangsbesoldung als auch die Beförderungsmöglichkeiten würden denen in anderen Ländern hinterherhinken.

Dessen nicht genug: Von den derzeit 18 000 Pädagogen in der Mark würden in den kommenden neun Jahren 11 000 in Rente gehen. Dafür habe das Land keine Vorsorge getroffen. „Dabei ist nichts so gut planbar wie der künftige Lehrerbedarf“, betonte Fuchs. Für einige Fächerkombinationen werde es keinen Ersatz geben – besonders bei den Grundschulen, Naturwissenschaften und Sonderpädagogen sei der Bedarf hoch. Auch der Herausforderung unterschiedlicher Entwicklungen am Berliner Rand und in der Provinz müsse sich das Land stellen. „Die Eltern in Kleinmachnow und in Falkensee werden sich nicht ewig gefallen lassen, dass ihre Kinder in überfüllten Klassen sitzen, damit in der Lausitz kleine Grundschulen erhalten bleiben.“

Fuchs schlägt eine ganze Reihe konkreter Maßnahmen vor, um gegenzusteuern. Dazu gehören höhere Gehälter, bessere Fortbildungsprogramme für Quereinsteiger sowie vom Land finanzierte Stipendien für junge Menschen, die sich bei Aufnahme eines Studiums verpflichten, nach ihrer Ausbildung in der Prignitz oder der Uckermark zu unterrichten. Er erinnerte daran, dass es ähnliche Programme für die Gewinnung von Medizinernachwuchs gebe.

„Die Regierung muss sich bewegen. Niemand kann behaupten, es sei kein Geld da. Die Steuerzahler wollen Investitionen in Bildung“, argumentiert der Gewerkschafter. Auch für die Integration von Flüchtlingskindern in den Unterricht tue das Land noch zu wenig. Die bewilligten 230 zusätzlichen Lehrer würden für die 850 Schulen im Land nicht ausreichen. Auch an Sozialarbeitern und Psychologen im Schulbereich fehle es, um auf die Bedürfnisse der Migranten eingehen zu können.

Die GEW sieht in den Kernforderungen für die Verhandlungen mit dem Innen- und dem Finanzminister die eigene Geduld überstrapaziert. Bis zur Sommerpause erwartet Fuchs nun konkrete Ergebnisse. Sollte nichts passieren, werde man zu Protesten aufrufen. „Wir können gehörig für Unruhe sorgen.“

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