„Maskenmann“-Prozess : Lebenslange Haft gefordert

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Der 47-Jährige sei des versuchten Mordes und versuchten Totschlags schuldig, hieß es im Plädoyer der Anklagebehörde vor dem Landgericht.

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30. April 2015, 22:00 Uhr

Im „Maskenmann“-Prozess in Frankfurt (Oder) hat die Staatsanwaltschaft eine lebenslange Haftstrafe für den Angeklagten gefordert. Der 47-Jährige sei des versuchten Mordes und versuchten Totschlags schuldig, hieß es gestern im Plädoyer der Anklagebehörde vor dem Landgericht. Der Angeklagte bestreitet hingegen die Tatvorwürfe.

Der frühere Dachdecker soll Millionärsfamilien in Ostbrandenburg überfallen und einen Bankmanager entführt haben, um Lösegeld zu erpressen. 2011 schlug er laut Anklage in Bad Saarow (Oder-Spree) die Ehefrau eines Berliner Unternehmers nieder. Monate darauf soll er auf ihre Tochter geschossen haben. Ein Wachmann schützte sie mit seinem Körper und ist seither querschnittsgelähmt. Im Jahr darauf soll der Angeklagte einen Manager von dessen Anwesen im nahe gelegenen Storkow mit einem Kajak auf eine Schilfinsel im Storkower See entführt haben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft konnte sich das Opfer nach mehr als 30 Stunden selbst befreien.

Der Prozess, der vor rund einem Jahr begann, stützt sich allein auf Indizien. Der Gesamtblick auf deren Anzahl ergebe ein eindeutiges Ergebnis, sagte der Staatsanwalt: „Dann wird das Bild klar, dass der Angeklagte der Täter ist.“ Das Plädoyer der Staatsanwaltschaft dauerte zwei Verhandlungstage. Aufgelistet wurden zahlreiche Argumente für die Schuld des 47-Jährigen.

Demnach hätten ihn einige der Opfer wiedererkannt. Zumindest habe das Entführungsopfer angegeben, dass von insgesamt sieben Stimmproben die des Angeklagten am ehesten zum Täter passe.


Schon mehr als 50 Verhandlungstage


Weitere Punkte: Der Angeklagte sei wie der Täter Rechtshänder, athletisch, habe ein abgeknicktes Ohr, kenne sich mit Waffen aus und sei mehrmals in der Nähe der Tatorte gesehen worden. Der Staatsanwalt ergänzte: „Der Angeklagte hat auch heute noch einen Hass auf Reiche.“ Zudem habe der Vorbestrafte Gegenstände besessen, die der Täter ebenfalls benutzte - darunter eine Plastik-Pinzette, Sturmhaube sowie Tarnanzüge. Einzeln betrachtet, könne kein Indiz den Angeklagten schuldig sprechen, so der Staatsanwalt. Im Gesamten jedoch werde klar, dass er „der Täter aller drei Taten war.“ In den Tatjahren habe der Mann mehrmals bei Behörden angegeben, für eine Zeit ins Ausland zu gehen. Das wertete die Staatsanwaltschaft als Versuch, sich ein Alibi zu verschaffen. „Ein Alibi braucht man nur, wenn man Täter ist.“ Ins Ausland sei er aber nie gegangen.

In dem Mammutprozess gab es schon mehr als 50 Verhandlungstage. Neben den Tatvorwürfen verlagerte sich die Verhandlung schnell auf die Ermittlungsarbeit der Polizei. Bei den Beamten waren Zweifel an der Entführungsversion aufgekommen. Sie hätten aber nicht in Richtung einer vorgetäuschten Straftat ermitteln dürfen, hieß es von ihnen im Prozess. Der zuständige Kripo-Chef entgegnete, dass es keine Anweisungen von oben gegeben habe.

Der Staatsanwalt ging darauf in seinem Plädoyer ein. Er halte die Aussagen des Entführungsopfers für „absolut glaubhaft“. Sie seien „stets konstant und in sich schlüssig“ und stünden im Einklang mit vielen Zeugenaussagen und Spuren. Der Prozess geht am 11. Mai weiter. Alle vier Opfer sind Nebenkläger.

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