Drei Tote in drei Stunden : Lebenslang für Dreifachmörder

Der Angeklagte  steht mit Handschellen neben seinem Anwalt Stefan Böhme.
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Der Angeklagte steht mit Handschellen neben seinem Anwalt Stefan Böhme.

Seine Großmutter hatte ihn in ihrem Haus aufgenommen, doch er tötete sie – Dann rast er mit ihrem Auto davon, tötet zwei Polizisten

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03. Februar 2018, 05:00 Uhr

Knapp ein Jahr nach dem gewaltsamen Tod von zwei Polizisten und einer Rentnerin in Ostbrandenburg ist ein 25-Jähriger wegen dreifachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Landgericht Frankfurt (Oder) stellte gestern auch die besondere Schwere der Schuld fest. Damit bleiben Verurteilte in aller Regel länger als 15 Jahre in Haft.

Der Fall hatte bundesweit Bestürzung ausgelöst. Zunächst hatte der Mann laut dem Urteil seine Großmutter an ihrem 79. Geburtstag im gemeinsamen Wohnhaus in Müllrose (Oder-Spree) nach massiven Schlägen erstochen. Auf der anschließenden Flucht vor der Polizei überfuhr er in der Nähe zwei Beamte an einer Bundesstraße bei Beeskow mit überhöhter Geschwindigkeit. Die Polizisten waren sofort tot.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mann schuldfähig ist. „Ihm waren das Ausmaß und die Folgen seines Handelns bewusst“, so Richterin Claudia Cottäus. Er habe zwar eine emotional instabile Persönlichkeit, sei aber in seiner Steuerungsfähigkeit nicht beeinträchtigt gewesen.

Bei den Taten habe er unter Drogen gestanden. Nach der Tötung der Großmutter habe er den „unbedingten Willen zur Flucht“ gehabt und „wollte sich auf keinen Fall von der Polizei schnappen lassen“. Der Mann hatte im Prozess zugegeben, für den Tod der drei Menschen verantwortlich zu sein.

Mit dem Strafmaß entsprach das Gericht der Forderung der Staatsanwaltschaft. Auch Sicherungsverwahrung des Mannes soll später geprüft werden. Die Verteidigung hatte hingegen auf zwölf Jahre Gefängnis plädiert.

Laut Richterin war das Leben des Mörders geprägt von Gewalttaten, Verurteilungen, Aufenthalten in psychiatrischen Kliniken, Drogen und abgebrochenen Ausbildungen.

Die Polizisten im Alter von 49 und 52 Jahren sollten an dem Tag Ende Februar 2017 eine Kontrollstelle einrichten, um das Fluchtauto zu stoppen. Der Angeklagte raste aber mit dem Wagen seiner Großmutter direkt auf die beiden am Straßenrand zu. Er habe billigend in Kauf genommen, dass es ihnen nicht gelingen konnte, sich zu retten. „Sie rechneten nicht mit dem Angriff auf ihr Leben.“

Die Rentnerin starb, nachdem ihr Enkel sie mit Fäusten und einem Küchenstuhl attackiert hatte und mit einem Küchenmesser auf sie einstach. Der Angriff soll sich an einem Streit um eine vollgestellte Badewanne entzündet haben. Der Mann stand am Tattag laut Ermittlungen unter Drogen. Er hatte im Prozess zugegeben, für den Tod der drei Menschen verantwortlich zu sein.

Zusätzliche Brisanz bekam der Fall durch einen früheren Raubprozess, in dem der Mann Ende 2016 für schuldunfähig erklärt worden war. Zwar ordnete dasselbe Gericht die Unterbringung im psychiatrischen Krankenhaus wegen Schizophrenie an - die Entscheidung wurde zur Bewährung ausgesetzt.

„Das Urteil ist der Schwere und der Bedeutung der begangenen Straftaten angemessen. Es ist ein gerechtes Urteil. Der Rechtsstaat in Gestalt des Landgerichts Frankfurt hat heute sehr deutliche Worte gefunden. Insofern bin ich zufrieden“, begrüßte Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) das Urteil „Das hohe Strafmaß macht klar, dass von diesem Menschen nie mehr eine tödliche Gefahr für andere ausgehen wird. Das bringt den Hinterbliebenen der Opfer und den betroffenen Familien keinen Trost, aber zumindest die Gewissheit, dass diese unfassbar brutalen Taten gesühnt werden, soweit der Rechtsstaat dazu in der Lage ist“, betonte Schröter.

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