zur Navigation springen

Aus dem Gerichtssaal : Lebenslänglich für Mord an Rentnerin

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Brutaler Mörder oder sitzt der Falsche auf der Anklagebank?

svz.de von
erstellt am 28.Mär.2017 | 05:00 Uhr

Der Familienvater hat die Seniorin aus Habgier ermordet. Daran hegt das Landgericht Cottbus keinen Zweifel und hat den 32-Jähriger gestern in einem Indizienprozess zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der spiel- und drogensüchtige Marcel V. Anfang 2015 aus Geldsorgen eine 70 Jahre alte Frau in ihrer Senftenberger Wohnung umgebracht hat.

Die Indizienlage spreche klar gegen den Angeklagten, betonte der Vorsitzende Richter Frank Schollbach. Opfer und Täter kannten sich gut. Bis zur Trennung von seiner Frau lebte der Beschuldigte in direkter Nachbarschaft des Opfers. Die 70-Jährige hatte Marcel V. einmal 50 Euro geborgt. Als er wieder knapp bei Kasse war, sei er am 2.  Januar 2015 wieder bei der Rentnerin vorstellig geworden. Er wusste laut Urteil, dass sie Geld im Hause hatte, da er sie vor der Tat aus einer Sparkassen-Filiale kommen sah.

Mittags klingelte er an der Wohnungstür, die 70-Jährige ließ ihn hinein. V. fragte laut Urteil sofort nach Geld. Als sie verneinte, packte der Täter das Opfer, fesselte es mit Kabelbindern an einen Stuhl, verschloss den Mund mit Klebeband. „Hierauf deuten klar die Indizien“, meinte Schollbach. Das Klebeband mit DNA des 32-Jährigen sei am Tatort gefunden worden.

Nachdem der Täter die Wohnung durchsucht, 200 Euro und eine Geldkarte erbeutet habe, habe er der Frau die Kehle durchgeschnitten. „Der Gerichtsmediziner fand einen 23 Zentimeter langen Schnitt. Ein Halswirbelknochen zeigte eine tiefe Kerbe“, erklärte der Vorsitzende Richter. „Für uns hat Marcel V. aus Habgier gehandelt.“ Weil er für sein Handeln nicht belangt werden wollte, habe er „auch in Verdeckungsabsicht“ gehandelt. Das sei Mord und werde mit lebenslanger Haft bestraft.

„Ich halte das klar für ein Fehlurteil. Hier saß der Falsche auf der Anklagebank“, betonte Verteidiger Sven Lindemann. „Viele Indizien wurden einseitig – fast schon bösartig – zulasten meines Mandanten ausgelegt“, kritisierte er.

Am Tatort seien auch andere DNA-Spuren gefunden, Genmaterial eines direkten Nachbarn an Handtaschen und Geldbörsen des Opfers gefunden worden. Marcel V. bestritt die Tat.

„Wir haben Zweifel. Auch mit der Verurteilung hat die Nebenklage keine Sicherheit, ob wirklich der Richtige verurteilt wurde“, sagte Nebenkläger-Anwalt Mirko Schubert, der die Tochter des Opfers vertrat. Die Verteidigung will in Revision gehen.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen