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Hausboote werden preiswert : Leben und schippern auf dem Floß

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Die schwimmenden Gefährte sind für die meisten eher unerschwinglich – Kai Jacobi und Marcus Börner wollen das mit ihrer Werft ändern

Das Holzhaus mit der großzügigen Terrasse thront auf zwei mächtigen Stahlrümpfen, ähnlich einem Katamaran. Noch steht es in einer großen Werkhalle. Schon bald soll das 5 mal 15 Meter große Floß auf dem Scharmützelsee schaukeln als mobiles Seminar- oder Eventzentrum des Hotels „Esplanade“ in Bad Saarow (Oder-Spree). „Der Rumpf aus Stahl ist eine Maßanfertigung, hat höhere Auftriebswerte als Kunststoff und ist besser zu steuern“, erklärt Kaufmann Marcus Börner. Die gesamte Konstruktion wiege sechs Tonnen und könne - ohne unterzugehen - mit weiteren zwölf Tonnen belastet werden, ergänzt Bootsbauer Kai Jacobi.

Auf einem 20 000 Quadratmeter großen Grundstück im Storkower Ortsteil Philadelphia (Oder-Spree) haben sich die beiden im vergangenen Herbst am Storkower Kanal eine Werft aufgebaut. Jacobi kommt vom Fach. Er hat auf der Rostocker Neptun-Werft gelernt, kennt sich mit Bootsreparaturen auch an betagten Schiffen aus und übernahm vor Jahren die Firma „Flussfloß“ in Dolgenbrodt (Dahme-Spreewald) von seinem Vater. Dort vermietet der 51-jährige sieben selbst konstruierte Flöße an Urlauber. „Die sind ständig ausgebucht, Floßfahren ist einfach und liegt voll im Trend“, berichtet der gebürtige Berliner.

Der Wassertourismus in Berlin und Brandenburg ist weiter auf Wachstumskurs, vor allem durch Kapazitätserweiterungen. 60 Prozent der 83 Charterbetriebe erwarten eine steigende Nachfrage. Zu dieser Einschätzung kommt eine Studie der Industrie- und Handelskammern (IHK) in der Mark von 2015. Demnach werden jährlich 120 000 Bootsurlauber in Berlin und Brandenburg gezählt. Insgesamt erwirtschaftet die Branche laut Studie einen jährlichen Umsatz von fast 200 Millionen Euro.

Der Trend sei ungebrochen, bestätigt Dirk Wetzel von der Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH. Flöße würden beispielsweise wie schwimmende Wochenend-Datschen genutzt. „Es gibt viele Interessenten, die auf den Geschmack gekommen sind, wollen so einen schwimmenden Untersatz nicht mehr nur ausleihen, sondern kaufen“, sagt Jacobi. Er hat sich vor zwei Jahren mit dem bisherigen Fördermittel-Berater und Unternehmens-Coach Börner zusammengetan, nach eigenen Angaben mehr als 600 000 Euro investiert und die „Jacko Schiffbau und Yachtservice GmbH“ gegründet.

Zu den Kunden zählen leidenschaftliche Wasserwanderer, denen es mit zunehmendem Alter schwerfällt, auf klassischen Kajütbooten oder Jachten zu fahren. „Das Anlegen sowie das Ein - und Aussteigen wird beschwerlich“, beschreibt Jacobi. Familien mit Kleinkindern hätten Angst, die Kleinen könnten über Bord gehen. Eine Alternative seien ebenerdige Flöße mit viel Platz zum Grillen, Sonnen und klettersicherer Reeling aus Plexiglas.

„Für klassische Hausboote zahlt man meist über 100 000 Euro. Wir bieten Konstruktionen, die mit Rollstuhl oder Rollator nutzbar sind und maximal 60 000 Euro kosten“, erklärt der Fachmann und zeigt in die zweite Werfthalle. Dort entsteht ein Floß, das auf Kundenwunsch sogar eine integrierte Sauna hat. Wer weniger Geld ausgeben möchte, lässt sich von der Firma lediglich den Rumpf mit Bodenplatte konstruieren, um dann die Aufbauten selbst vorzunehmen. „Unter unserer Anleitung, denn wir zertifizieren die Schwimmfähigkeit abschließend“, betont Börner.

Zwei schwimmende Plattformen und vier neue Flöße sind in der Werft von Jacobi und zwei Mitarbeitern bislang gebaut worden. Angetrieben werden sie von einem 15-PS-Motor, für den der Nutzer keinen Bootsführerschein braucht. Das Areal, auf dem die Werft ansässig ist, hat Potenzial für mehr, sind sich die Investoren einig.

Börner zeigt auf einen Bebauungsplan mit kleinem Hafen und Slipanlage, Winterliegeplätzen für Boote, Elektrotankstelle, Wasserwander-Rastplatz mit Sanitäranlagen, kleinem Zeltplatz sowie drei Ferienwohnungen. Zwei Millionen Euro wollen sie investieren, rund 20 Arbeitsplätze schaffen.

Bisher aber haben sie die kommunalen Behörden noch nicht überzeugt, schildert der Storkower Tourismusmanager Andreas Gordalla. „Die tun sich schwer angesichts der Mischung von produzierendem Gewerbe und Tourismus“, deutet er an, kann die Bedenken aber nicht nachvollziehen. „Wir kämpfen gegen Abwanderung aus dem ländlichen Raum, freuen uns über jeden Investor.“ Es werde weiter daran gearbeitet, den Bebauungsplan von Börner und Jacobi genehmigungsfähig zu machen. „Aber das braucht seine Zeit“, sagt Gordalla.

Immerhin jeder zweite der mehr als 300 Häfen im Land ist laut der IHK-Studie touristisch ausgerichtet. 70 Prozent der Hafenbetreiber erwarten demnach eine steigende Nachfrage nach Dauerliegeplätzen.

 

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