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Körperspende : Leben retten über den Tod hinaus

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Lehnitzerin spendet ihren Leichnam zu Lehr- und Forschungszwecken der Berliner Charité.

svz.de von
erstellt am 07.Sep.2016 | 04:45 Uhr

Die Bandbreite an Möglichkeiten, sich bestatten zu lassen, wächst stetig. Einer der ungewöhnlicheren Wege ist der, seinen Körper der Wissenschaft zu spenden. Christiane Krüger-Fercho aus dem Oranienburger Ortsteil Lehnitz hat sich vor einigen Jahren dazu entschieden, Körperspenderin für das Centrum für Anatomie der Berliner Charité zu werden.

Christiane Krüger-Fercho hat sich aus pragmatischen Gründen zu diesem Schritt entschlossen. 1994 zog sie aus Nordrhein-Westfalen der Liebe wegen nach Lehnitz. Ihr Lebensgefährte ist inzwischen verstorben. Kinder hat sie keine. Ihre einzige Verwandte ist eine Schwester, die weit weg in München lebt. „Ich lebe allein, das war einer der Gründe, warum ich mich für die Körperspende entschieden habe“, erklärt die 69-Jährige.

Dank Körperspendern lernen junge Mediziner in ihrem Studium praxisnah die menschliche Anatomie kennen. „Ich habe daher zu dem ganzen Thema eine sehr positive Einstellung, weil ich damit der Wissenschaft etwas Gutes tue“, sagt die Lehnitzerin. „Ich bin in meinem Leben schon viele Male operiert worden. Meine Ärzte waren auch einmal Medizinstudenten. Wie hätten sie ohne Körperspender lernen sollen, gut zu operieren?“

2013 beschloss sie dann, das Ganze praktisch anzugehen, kontaktierte die Charité und ließ sich Info-Material zukommen. „Über das Thema Organspende wissen die meisten inzwischen Bescheid. Körperspenden kennt hingegen kein Mensch“, sagt Dr. Martina Plaschke, Leiterin des Bereichs Körperspende an der Charité. „Wir haben durch unsere Medizinstudenten und ärztlichen Fortbildungsveranstaltungen einen so großen Bedarf, dass wir ihn gar nicht decken können“, fährt sie fort.

Das Centrum für Anatomie der Charité ist eines von bundesweit 35 anatomischen Instituten, das Körperspenden annimmt. Auch die Medizinische Hochschule Brandenburg in Neuruppin wird laut Dr. Plaschke von der Charité mit Körperspenden versorgt. Dr. Plaschke zeigt sich dankbar für jeden einzelnen Spender. „Die meisten kommen aus Berlin. Wir würden uns sehr über noch mehr Spender freuen, insbesondere auch aus dem Berliner Randbereich, von wo aus eine schnelle Überführung der Leichen möglich ist“, sagt die Prosektorin.

Der Lehnitzerin Christiane Krüger-Fercho war das Thema Körperspende nicht neu, als sie begann, sich intensiver darüber zu informieren. „Vor vielen Jahren habe ich mit meiner Mutter ein Gespräch darüber geführt. Das hatte ich all die Jahre im Hinterköpfchen“, erinnert sie sich, wie sie auf die Idee kam. Nach eingehendem Studium der verschiedenen Optionen hat sie sich für eine halbanonyme Urnenbeisetzung für die Mutter in Berlin-Stahnsdorf entschieden – erneut eine rationale Entscheidung. Mit 1050 Euro für die Beisetzung war das die günstigste Variante. Die Pensionärin war früher Finanzbeamtin.

Geld für die eigene Beerdigung verschwenden will sie nicht. Ihr ist es lieber, wenn möglichst viel ihres Erbes an ihre Schwester geht. Mehrere Monate lang hat sie die Kosten für die Beisetzung per Ratenzahlung abgetragen. Inzwischen ist dieser Prozess abgeschlossen, und Christiane Krüger-Fercho hält stolz ein grünes Pappkärtchen in der Hand – den Ausweis für Körperspender. Den muss sie jetzt immer bei sich tragen. Auch ihre Ärzte sind darüber informiert, dass sie ihren Körper nach ihrem Ableben der Charité zur Verfügung stellt.

Die ständige Erinnerung an den eigenen Tod permanent in Form des Ausweises bei sich zu tragen, stört die 69-Jährige nicht. „Ich habe eine Zeit lang Sterbebegleitung in Oranienburg gemacht und dabei eine gute Beziehung zum Thema Tod entwickelt“, erklärt die evangelisch erzogene Körperspenderin.

 

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