Neue Wasserlandschaft in der Lausitz : Lausitzer Bergbau-Seen fast gefüllt

Anne-Kathrin Dydymski arbeitet in der Flutungszentrale der LMBV.
Anne-Kathrin Dydymski arbeitet in der Flutungszentrale der LMBV.

Kohlebagger gibt es schon lange nicht mehr in den stillgelegten Lausitzer Gruben – Die riesigen Löcher werden zur Wasserlandschaft

svz.de von
08. März 2018, 05:00 Uhr

Anne-Kathrin Dydymski blickt auf einen der vielen Bildschirme vor sich. In diesem Moment fließen - sorgsam überwacht - große Wassermengen in künstliche Seen der Lausitz. Aus stillgelegten Braunkohle-Tagebauen in Sachsen und Brandenburg wird eine Seenlandschaft. Kanäle verbinden die Gewässer - eine ganze Region wandelt ihr äußeres Bild. Einige der riesigen Löcher sind schon gefüllt und fertig ist der Badesee. Der Tourismus verspricht sich Effekte.

In der Flutungszentrale des Bergbausanierers Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) in Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) wird der Flutungsvorgang geplant, überwacht - und wenn nötig wird eingegriffen. Anne-Kathrin Dydymski ist Teil dieses Teams. Die Bergbauingenieurin wertet Daten von Messstellen aus und stimmt sich mit den Wasserbehörden ab. „Jede Woche wird eine aktuelle Steueranweisung erstellt“, sagt sie. Das sind modellgestützte Berechnungen, wie viel Flusswasser voraussichtlich in die Seen geleitet werden kann.

Die Flutung früherer Tagebaue gibt es auch in anderen Bergbauregionen. Was an der Lausitz besonders ist? „Der schlagartige Rückgang der Kohleförderung nach der Wende“, sagt LMBV-Technikleiter Eckhard Scholz. Die DDR hatte enorm auf Braunkohle als Energieträger gesetzt, deshalb gab es besonders viele Gruben. Dutzende wurden nach der Wende binnen kurzer Zeit stillgelegt. „In dieser Größenordnung gab es das bisher in keiner anderen Region“, so Scholz. Weltweit gab es kein Vorbild, auf das man bei der Entwicklung des Flutungsmanagements zurückgreifen konnte. Heute wird in der Lausitz noch in vier Gruben Braunkohle gefördert.

Seit dem Jahr 2000 gibt es die Flutungszentrale. Aus Neiße, Spree und Schwarzer Elster wird vor allem auf sächsischem Gebiet Wasser entnommen. Ohne die Flutung bräuchte es 80 bis 100 Jahre, bis ein Tagebau allein durch Grundwasser und Regen gefüllt wäre, ergänzt Scholz. Geflutet wird jedoch nur, wenn die Voraussetzungen am jeweiligen Tag stimmen. Denn Schifffahrt, Braunkohlenkraftwerke und Fischereiwirtschaft etwa dürfen nicht beeinträchtigt werden, wie der Technik-Leiter erläutert.

Und das Wetter muss passen. Gibt es ein sehr trockenes Jahr, wird weniger geflutet. Die Wasserarmut in der Lausitz erforderte laut LMBV den Aufbau der Flutungszentrale. Denn die Lausitz sei trockener und es gebe mehr Wasserarmut als etwa im Rheinland, sagt Scholz. Dort liegt Deutschlands größtes Braunkohlerevier.

Ende 2017 waren rund 85 Prozent der benötigten Wassermengen bereits in den Lausitzer Seen. Dennoch wird es noch einige Jahre brauchen, bis die Flutung komplett abgeschlossen sein wird. Die gesamte Wasseroberfläche im Lausitzer Seenland beträgt bisher ungefähr 130 Quadratkilometer. Am Ende werden es 144 Quadratkilometer sein. Zum Vergleich: Der Bodensee in Süddeutschland hat eine Fläche von mehr als 500 Quadratkilometern.

Im Jahre 2000 waren für die stillgelegten Tagebaue noch sieben Milliarden Kubikmeter Wasservolumen als Defizit für den aufzufüllenden Grundwassertrichter und die Tagebaurestlöcher aufgelistet. Die Zahl ist seither stark geschrumpft. Jetzt sind es noch rund 330 Millionen Kubikmeter. Auch das heißt: Das Lausitzer Seenland ist fast gefüllt.

Für 16 Seen ist die Flutung sogar schon abgeschlossen. In der Region begleitet die LMBV den Flutungsprozess von 30 künftigen Seen. Aktuell wird zum Beispiel der Großräschener See in Südbrandenburg geflutet.

Dort hat sich längst Hotellerie angesiedelt und es gibt sogar Weinanbau an den Hängen des Sees. In diesem Jahr soll die Flutung abgeschlossen sein. Für den Altdöberner See in Südbrandenburg ist das Flutungsende aber zum Beispiel erst für 2026 geplant.

Der Tourismus verspricht sich viel vom Wandel. Der Tourismusverband Lausitzer Seenland, der 2012 gegründet wurde, verzeichnet jedes Jahr mehr Übernachtungszahlen - derzeit seien es jährlich 600 000 in beiden Bundesländern. Die Touristen kommen vor allem aus Sachsen, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen, zudem stammen inzwischen rund 10 Prozent der Gäste aus Tschechien, wie Verbands-Geschäftsführerin Kathrin Winkler sagt.

Der Verband vermarktet zahlreiche Bergbaufolgeseen in der Region als touristische Ziele. In zwölf Seen sei es mittlerweile möglich zu baden, ergänzt Winkler. Aber nicht nur damit wolle der Verein werben. Es gehe auch darum, Touristen anzuziehen, die sich für Landschaftswandel interessieren. Momentan sei es noch möglich, den Prozess mitzuverfolgen.

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