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Brandenburg

17. August 2017 | 05:56 Uhr

Landtag will Paare unterstützen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Mit Geld vom Staat zum Wunschkind / Außer in Brandenburg ist das bereits in allen ostdeutschen Bundesländern möglich

Der Landtag hat sich dafür ausgesprochen, dass Brandenburg Paare mit unerfülltem Kinderwunsch finanziell unterstützt. Bereits seit 2012 gibt es ein Bundesprogramm, an dem sich bereits alle Ost-Länder außer Brandenburg beteiligen.

Nicht nur medizinisch ist die Sache höchst kompliziert, auch rechtlich ist in Deutschland sehr detailliert geregelt, wer in den Genuss eines Zuschusses für die künstliche Befruchtung kommt. Das Bundesfamilienministerium erließ dazu 2012 eine Richtlinie, in der Bürgern jener Länder finanzielle Hilfe zugesagt wird, die sich ebenfalls in gleicher Höhe an den Kosten beteiligen.

Zunächst müssen Paare diverse Anforderungen erfüllen. Das Sozialgesetzbuch schreibt unter anderem vor, dass die Interessenten mindestens 25 Jahre und höchstens 40 (Frauen) beziehungsweise 50 (Männer) Jahre alt sein dürfen. Für die künstliche Befruchtung darf nur eigenes Erbmaterial verwendet werden, womit das Angebot für gleichgeschlechtliche Paare nicht in Frage kommt.

Die maximale Zahl von Versuchen der „assistierten Reproduktion“ ist im Gesetz geregelt (drei), wird aber in der Richtlinie von SPD-Ministerin Manuela Schwesig genauso variiert wie die Auflage im Gesetz, dass die Paare verheiratet sein müssen.

Eine feste Partnerschaft genügt demnach, um in den Genuss der Bundesmittel zu kommen und mitfinanziert werden bis zu vier Versuche. Aber bei der Höhe der Zuschüsse spielt der Ehering dann doch wieder eine Rolle. Bislang ist es so, dass Paare die Hälfte der Kosten tragen, also bis zu 2000 Euro pro Versuch, die andere Hälfte übernehmen die Krankenkassen.

Über das Bundesprogramm erhalten Verheiratete nun einen Zuschuss, aber eben nur, wenn das entsprechende Bundesland mitzieht. Ihr Eigenanteil sinkt dann um 50 Prozent auf bis zu 1000 Euro. Bei Unverheirateten sinkt der Eigenanteil um 25 Prozent. Die Bundesländer können diese Regeln aber mit ihrem eigenen Förderprogramm noch einmal verändern.

Die CDU-Fraktion im Brandenburger Landtag hat zum Beispiel gefordert, bis zu zehn Befruchtungsversuche mitzufinanzieren. Brandenburg solle eine Vorreiterrolle übernehmen. SPD und Linke hingegen halten maximal drei Versuche mit Blick auf gesundheitliche Risiken für Frauen für angemessen.

Alles dreht sich um die Finanzierung von zwei Methoden: der In-Vitro-Fertilisation, kurz IVF, und der Intracytoplasmatischen Spermieninjektion, mit dem Kürzel ICSI. Etwa 3000 Euro fallen für eine IVF an, rund 4000 Euro für die ICSI-Therapie.

Für wie viele Brandenburger Paare pro Jahr eine solche Behandlung in Frage kommt und was das für den Landeshaushalt bedeuten könnte, ist noch offen. Bundesweit geht man davon aus, dass pro Jahr rund 40 000 Paare mitmachen, heruntergerechnet auf die Mark würde das bedeuten, dass etwa 1200 Paare in den Genuss der Zuschüsse kommen würden.

Rund 15 Prozent aller Paare sind in Deutschland kinderlos. Die künstliche Befruchtung kann etwa jedem fünften Paar helfen, das aus medizinischen Gründen keinen Nachwuchs bekommt. Die öffentlichen Zuschüsse stehen auch Paaren offen, die bereits Kinder haben, deren Wunsch nach weiteren jedoch zunächst unerfüllt bleibt.  

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erstellt am 01.Jul.2016 | 12:41 Uhr

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