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Brandenburg

23. November 2017 | 16:16 Uhr

Landtag lehnt Burka-Verbot ab

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

AfD-Vorstoß gegen Vollverschleierung mit großer Mehrheit abgelehnt

Der Brandenburger Landtag hat einen Vorstoß der AfD für ein Verbot von Burka und Nikab abgeschmettert. Nach einer hitzigen Debatte um Religionsfreiheit und Frauenrechte lehnten die Abgeordneten einen entsprechenden Gesetzentwurf gestern ab. Die AfD hatte dafür argumentiert, dass eine große Mehrheit der Deutschen laut Umfragen ein Verbot der Vollverschleierung befürworte.

Viele muslimische Frauen würden unter dem Zwang der Vollvermummung leiden, sagte die parlamentarische Geschäftsführerin der AfD, Birgit Bessin. Zudem habe der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte das Burka-Verbot in Frankreich für rechtens erklärt.

Nach dem Gesetzentwurf wäre die Gesichtsverschleierung im öffentlichen Raum verboten gewesen. Als Bußgeld waren bis zu 5000 Euro vorgesehen. Ausnahmen hätte es etwa zum Schutz vor winterlicher Kälte, für Volksfeste und Karneval gegeben.

Die anderen Fraktionen hielten der AfD entgegen, dass ein pauschales Verbot die individuelle Freiheit wie die Religionsfreiheit einschränken würde. Die religionspolitische Sprecherin der SPD, Klara Geywitz, kritisierte die Debatte als „Chimäre“. „Es dürfte in Brandenburg ungefähr so viele Burka-Trägerinnen geben wie illegal eingewanderte Elche aus Polen“, sagte sie.

Darauf erwiderte die AfD-Abgeordnete Bessin: „Ich kann es an zwei Händen nicht abzählen, wie viele vollverschleierte Frauen ich in Brandenburg schon gesehen habe.“ CDU-Integrationsexpertin Barbara Richstein meinte, die AfD gehe in die falsche Richtung. „Sie werden die Frauen nicht mit diesem Gesetz befreien.“ Vielmehr würden vollverschleierte Frauen dann mehr zu Hause bleiben. Zudem solle sich niemand anmaßen, religiöse Symbole vorzuschreiben, mahnte Richstein.

Andrea Johlige (Linke) sagte, die Debatte lenke von den wirklichen Herausforderungen der Integration, etwa der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, ab. Der Vorstoß stärke Ressentiments und Vorbehalte. „In einer offenen, demokratischen Gesellschaft muss es möglich bleiben, Außenseiter zu sein“, meinte Johlige. „Es gibt kein Recht darauf, dass man dem anderen ins Gesicht schauen darf.“ Die Grünen-Abgeordnete Ursula Nonnemacher warf der AfD vor, einen islamophoben und frauenfeindlichen Gesetzentwurf vorgelegt zu haben.

Justizminister Stefan Ludwig (Linke) bezweifelte, dass ein Verbot Probleme löse. „Terrorismus bekämpft man nicht, in dem man Grundrechte für eine Religionsgemeinschaft einschränkt.“ Er kritisierte, der AfD-Gesetzentwurf lasse eine verfassungsrechtliche Abwägung vermissen. Ob das pauschale Verbot der Vollverschleierung mit dem Grundgesetz vereinbar wäre, ist unter Verfassungsrechtlern umstritten. 

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