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Politik : Landeskonservator in der Kritik

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

CDU-Generalsekretärin Anja Heinrich bezeichnet das Eintreten für das Gubener Wilhelm-Pieck-Denkmal als „befremdlich“ und „bedenklich“

Der Streit um das Gubener Wilhelm-Pieck-Denkmal hat nun auch die Landespolitik erreicht. Es sei „befremdlich“ und „aus gesellschaftlicher Sicht bedenklich“, wenn sich Landeskonservator Thomas Drachenberg für die Restaurierung des Denkmals einsetze, erklärte CDU-Generalsekretärin Anja Heinrich, die auch kulturpolitische Sprecherin ihrer Fraktion ist. „Wenn ich die Liste der Denkmale sehe, die noch zu erhalten sind, steht dieses Denkmal für mich ziemlich weit unten.“

Drachenberg hatte in einem Interview mit der „Lausitzer Rundschau“ für die mit 65 000 Euro veranschlagte Restaurierung des 1976 errichteten, monumentalen Betondenkmals in der damaligen „Wilhelm-Pieck-Stadt Guben“ geworben: Es sei ein originales Monument der DDR-Gedenkkultur und von geschichtlicher, wissenschaftlicher und städtebaulicher Bedeutung. Zudem hatte der Landeskonservator am Mittwoch anlässlich der Jahrespressekonferenz des Landesdenkmalamtes auf die Unterfinanzierung der Denkmalpflege verwiesen. Demnach sei Brandenburg das Flächenland, das die wenigsten Mittel für den Erhalt von Denkmalen zur Verfügung stelle.

Heinrich warf Drachenberg nun vor, sich in der letzten Sitzung des Landtagsausschusses für Wissenschaft, Forschung und Kultur nicht hinreichend für die Schaffung einer Denkmalstiftung eingesetzt zu haben. „Damals hätten sich die Denkmalpfleger als leidenschaftliche Kämpfer für den Erhalt wichtiger Baukultur im Land Brandenburg einsetzen müssen“, so Heinrich. „Stattdessen nahmen sie die ablehnende Haltung der Regierungsfraktionen zum Denkmalschutz teilnahmslos hin.“ Ohne die geplante Denkmalstiftung seien aber viele Denkmale nicht zu erhalten. „Ich sehe mit Sorge, wie viele Abrissgenehmigungen mittlerweile erteilt werden.“

Dagegen wies der kulturpolitische Sprecher der Landtagsfraktion der Linken, der Abgeordnete Dieter Groß, die Kritik Heinrichs entscheiden zurück. Im Ausschuss für Wissenschaft, Forschung und Kultur habe es eine sachliche Debatte gegeben, in die sich die Denkmalpfleger konstruktiv eingebracht hätten. „Das Wilhelm-Pieck-Denkmal steht zu Recht auf der Liste der zu rettenden Denkmäler“, sagte Groß. „In Guben gab und gibt es viele Menschen, die sich für den Erhalt des Denkmals des ersten und einzigen Präsidenten der DDR einsetzen.“ Die notwendigen 65.000 Euro würden den weiteren Verfall stoppen, was notwendig sei und keinen weiteren Aufschub dulde.

Auch der Vorsitzende des Kulturausschusses, Jens Lipsdorf (FDP), zeigte sich von Heinrichs Kritik „überrascht“. Sowohl der Direktor des Landesdenkmalamtes, Franz Schopper, als auch der Landeskonservator Drachenberg hätten in der vom Kultusministerium eingesetzten Arbeitsgruppe zur Prüfung einer Denkmalstiftung wie auch in der anschließenden Ausschußsitzung konstruktiv mitgearbeitet. Gerade beim Pieck-Denkmal gehe es nicht „um einen Erhalt aus politischen Gründen, sondern um einen Erhalt eines Denkmals, das zur Reflexion über eine Zeit anregen soll“, so Lipsdorf. Es sei ferner ein gutes Beispiel für ein Denkmal, das nicht durch einen Nutzer erhalten werden könne. Gleiches gelte für zahlreiche Bodendenkmale oder Fälle, in denen Denkmale durch Brand zerstört werden. „Zur Sicherung unseres Denkmalbestands braucht es deswegen eine Denkmalstiftung.“


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