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Brandenburg

20. November 2017 | 22:12 Uhr

Eberswalde : Land kann Bahnwerk kaufen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Die Bahn will weiter den Standort Eberswalde schließen, aber sie macht Brandenburg ein Angebot.

Das Land Brandenburg kann das von der Schließung bedrohte Bahnwerk Eberswalde für einen Euro kaufen. Dieses Angebot habe die Bahn unterbreitet, sagte Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) gestern nach dem Spitzengespräch in der Konzernzentrale in Berlin. Man werde das Angebot sorgfältig prüfen. Der Konzern hält nach Gerbers Worten daran fest, das Werk mit 350 Mitarbeitern Ende 2016 zu schließen.

„Das ist nicht die beste Nachricht, die wir hier mitgebracht haben“, sagte Gerber vor Beschäftigten des Bahnwerks, die während des Treffens auf dem Potsdamer Platz ausgeharrt hatten. „Wir wollen, dass der Standort Eberswalde erhalten bleibt“, bekräftigte der Minister, betonte aber auch: „Die Landesverwaltung ist kein Betreiber von Bahnwerken.“

Beim Kauf des Bahnwerks Eberswalde könnte Brandenburg alle Beschäftigten übernehmen, mindestens aber 200. Das sei Bestandteil des Angebots des Bahnvorstandes, teilte der Konzern mit. Demnach könnte das Werk für einen symbolischen Euro zum 1. Januar 2016 an das Land übergehen - einschließlich des Geländes, der Anlagen und Vorräte sowie des Auftragsbestands für das Jahr 2016. Nach Angaben des Wirtschaftsministers hat das Land bis zum 15. Januar Zeit, sich zu entscheiden.

Die Bahn betonte, mit dem Angebot würdige sie die Anstrengungen des Landes zur Sicherung des Standorts. „Nachdem das Land Brandenburg sich in den bisherigen Verhandlungen optimistisch zur wirtschaftlichen Zukunft des Werkes Eberswalde gezeigt hat, will die Bahn mit ihrem Angebot diesem Engagement Rechnung tragen.“

Das Land kann das Werk aber an einen Investor verkaufen. Die Bahn hat mit zwei Interessenten über einen Verkauf verhandelt, jedoch keine Einigung erzielt. Einer der Bieter, mit der die Bahn nicht einig wurde, ist die Eisenbahnservice AG aus der Prignitz. Sie will 100 Beschäftigte übernehmen. Der Kampf um das Bahnwerk läuft seit über einem Jahr.

„Das Ping-Pong-Spiel geht weiter“, sagte der Betriebsratschef des Werks, Ulf Boehnke. „Die Bahn hat sich aus der Verantwortung gestohlen und den Ball zur Politik gespielt.“ Das bedeute jedoch eine Chance für das Werk. Ein Weiterverkauf des Werks durch das Land sei die einzige Möglichkeit, die sich noch biete.

Der Vize-Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, Klaus-Dieter Hommel, nannte das Angebot einen Schritt nach vorn.

Einige Beschäftigte reagierten mit Buh-Rufen und riefen: „Wie lange denn noch?“ Hommel betonte, die Gewerkschaft wolle erreichen, dass ein neuer Eigentümer eine Beschäftigungsgarantie für alle Mitarbeiter ausspreche und das jetzige Tarifgefüge übernehme.

„Es ist der Versuch der Bahn, die Verantwortung auf die öffentliche Hand abzuwälzen und zwar auf dem Rücken der Beschäftigten“, sagte der Fraktionschef der Linken im Landtag, Ralf Christoffers. „Es bleibt eine unverantwortliche Entscheidung der Bahn, weil es keine wirtschaftlichen Gründe gibt, das Werk zu verkaufen.“

„Ein-Euro-Verkäufe kennt man bei maroden Schlössern, die vor einer Nutzung mit hohem Aufwand saniert werden müssen. Das Verkaufsangebot für Eberswalde klingt daher unmoralisch und bietet Raum für Mutmaßungen über die eigentlichen Absichten der Bahn“, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Landtagfraktion, Dierk Homeyer. „Die Landesregierung steht nach bisher erfolglosen Verhandlungen in der Pflicht, schnell eine verträgliche Lösung herbeizuführen. Dabei gilt es die wirtschaftlichen Risiken und die weitreichenden rechtlichen Konsequenzen, die sich mit einem solchen Kauf verbinden würden, aufs Genaueste zu prüfen.  

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