zur Navigation springen

Kriminalität : Längere Karrieren junger Täter

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Wie kriminell ist die Brandenburger Jugend? Ein Gefängnis-Chef gibt Einblick

svz.de von
erstellt am 08.Mai.2016 | 22:00 Uhr

In Brandenburg werden die kriminellen Karrieren vieler Intensivtäter nach Beobachtungen eines Gefängnis-Chefs immer länger. „Die Anzahl der Täter hat zwar abgenommen, die Qualität der Straftaten im Hinblick auf die Schwere der Schuld dagegen aber nicht“, erklärte der Leiter der Justizvollzugsanstalt (JVA) Wriezen, Wolf-Dietrich Voigt.

Sein Gefängnis ist im Land ausschließlich für männliche Jugendliche und Heranwachsende zuständig. Bei Gewaltstraftaten würden die Täter immer brutaler zuschlagen und immer häufiger schwerste Verletzungen ihrer Opfer in Kauf nehmen.

Bei der Mehrzahl der Gefangenen sei die Liste der Straftaten schon lang, bevor sie in den Knast müssten. „Spitzenreiter war einmal ein Jugendlicher, der bereits 16- mal zu Bewährungsstrafen verurteilt wurde, bevor er zu uns in den Vollzug kam“, sagte Voigt.

Die Auslastung des Gefängnisses Wriezen nehme ab. Ende April waren 115 von 198 Haftplätzen belegt. Das entspreche einer Auslastung von 58 Prozent, teilte das Justizministerium mit. Vor fünf Jahren waren es noch 20 Prozent mehr, ergänzte Voigt.

„So erfreulich diese Entwicklung ist, könnte man in vielen Fällen längere Haft vermeiden, wenn man frühzeitiger und besser vernetzt agieren würde“, sagte der Bernauer Amtsrichter Andreas Müller. „Ich habe immer noch Intensivtäter, die es geworden sind, weil sie nicht früh genug bei mir waren, weil sie nicht früh genug den Schuss vorm Bug bekommen haben“, ergänzte Müller, der als „Deutschlands härtester Jugendrichter“ gilt.

Außerdem sei der Typus des jugendlichen Straftäters fast immer gleich: „Die meisten haben Schule oder Ausbildung abgebrochen, sind psychisch durch Persönlichkeitsstörungen auffällig, verfügen über Drogen- oder Gewalterfahrungen“, sagte der JVA-Chef. Im Schnitt sitzen die Täter in Wriezen Strafen von acht bis zwölf Monaten ab. „Die Mehrzahl kommt viel zu spät zu uns, um eine nachhaltige Verhaltensänderung herbeizuführen“, sagt auch der JVA-Chef. Deshalb müssten bereits aus der Haft heraus passende Übergänge in die Freiheit gefunden werden, die Betreuung und Begleitung nach dem Knast mit einschließen, verlangte er.

Die JVA Wriezen setzt auf Schule und Ausbildung. Trotz aller guten Vorsätze schafft es draußen aber nicht jeder. Jeder Dritte werde rückfällig, erläuterte Voigt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen